Da schrillen bei ES Tunis nun doch noch die Alarmglocken. Nach einem furiosen Saisonstart droht das Team von Coach Marino ins tabellarische Niemandsland abzusacken. "Wir müssen unbedingt dafür sorgen, dass wir am Ende der Saison an die Fleischtöpfe rankommen", gibt der Trainer Parolen aus, die mehr als nur 50 Dinar ins Phrasenschaf verdient hätten. Allein, es scheint zu fruchten, die Mannschaft hing sich unter der Woche im Training richtig rein und ging trotz heißer Außentemperaturen noch zusätzlich in die Sauna um die Müdigkeit aus den Poren zu schwitzen.
"Das war eines Tabellenführers nicht würdig, ich muss mich bei den Fans entschuldigen. Die reisen so treu bis in die hinterletzten Winkel des Landes mit, nehmen lange Busfahrten auf den staubigen Pisten in Kauf, um uns im Niemandsland zu unterstützen - und dann so etwas..!" Marino war bedient. 0:5 und 0:4 verliert man nicht alle Tage als Spitzenreiter. Nun findet sich das Team auf Platz 4 wieder und muss zusehen, den Anschluss an die Spitze nicht zu verlieren. Nach dem vielversprechenden Saisonstart sind die rot-gelben Fans nämlich anspruchsvoll geworden..
ES Tunis grüßt weiterhin als Tabellenführer. Gut, es ist nur das Torverhältnis, aber auch das muss man isch erst einmal erspielen. Trainer Marino ist jedenfalls immer noch voll des Lobes für seine Truppe, gab ihnen nach dem anstrengenden Wochenende einen Tag trainingsfrei und belohnte so die überzeugenden Auftritte der gelb-roten in den ersten sieben Spielen.
Die Fans sind ebenfalls voller Begeisterung. Das Stade Olympique d´El Menzah war schon lange nicht mehr an drei aufeinanderfolgenden Spieltagen ausverkauft. Die Besucherstörme dürften auch in näherer Zukunft nicht abreißen, wenn der Platz an der Sonne verteidigt wird.
Da muss man in Tunis bei Esperance ein Weilchen zurückdenken, wenn man das letzte Mal in Erinnerung rufen will, als die Jungs aus der Landeshauptstadt an drei Spieltagen hintereinander an der Tabellenspitze standen. "Für uns ist das aber ein positiver Druck, mit der Favoritenrolle umzugehen. Mittlerweile haben wir uns an den Status des Spitzenteams gewöhnt", sieht Trainer Marino die Lage ganz entspannt. Und eben mit dieser Entspannung wird man auch in die Partie am Wochenende gehen und den Platz an der Sonne eine Woche weiter verteidigen.
ES Tunis grüßt als Tabellenführer und geht in die Wüste
Wer hätte das vor der Saison gedacht? Espérance Sportive de Tunis führt nach drei Spielen die Tabelle an. Offensichtlich konnte Marino seine Erfolge mit dem Nationalteam auch auf sein Vereinsteam übertragen: "Wie gesagt, da hätte ich nie mit gerechnet. Aber der Ernst beginnt spätetens jetzt, denn von nun an werden wir gejagt." Die Spieler scheinen den Druck aber ganz gerne zu mögen, selbstbewusst ertrugen
sie den 20km-Wüstenmarsch mit je 10 kg Gepäck als Belastungsprobe. Lediglich der Busfahrer musste schon nach kurzer Zeit aufgeben, orderte sich ein Kamel und kam hinterher. Ob diese Trainingsmaßnahme den gewünschten Effekt hat, wird sich am kommenden Wochenende zeigen, wenn der Spitzenreiter seine Position verteidigen will.
..das ist der größte Wunsch der Kicker von ES Tunis. "Hier kann sich kaunm einer daran erinnern, wann wir zumletzten Mal so weit oben standen", war Marino nach dem Spiel völlig begeistert. "Ich muss mich bei meinen Jungs entschuldigen. Das habe ich ihnen nicht zugetraut und sie haben mich eines besseren belehrt." Vollkommen entfesselt spielten die Sportiven von Anfang an auf und schickten die "Kefs" mit 4:0 nach Hause. Zu keiner Zeit hatten die Gäste etwas entgegen zu setzen und konnte sich bei ihrem Torhüter bedanken, dass es nicht ein noch größeres Schützenfest gab.
Marino macht sich nichts vor: "Wir haben in der vergangenen Spielzeit mit Mühe die Klasse gehalten und der Kader hat sich nicht wesentlich verstärkt. Für uns hängen die Fleischtöpfe ganz weit oben. Da kann es nur das Ziel sein, schnell die nötigen Punkte gegen den Abstieg zu sammeln, sonst erwischt es uns in diesem Jahr nämlich wirklich." Das Feuer, das der Trainer mit dem Vize-WM-Titel mit der Nationalmannschaft im Land entfacht hat, ist wohl leider überhaupt nicht auf sein Vereinsteam übergesprungen. "Ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren..", gab sich der Erfolgscoach kämpferisch.