Nach einem der härtesten ZATs der Saison ist der Guarani FC zwar nur um einen Platz abgerutscht, aber der Kraftverbrauch war enorm hoch. "Man hat in den Spielen gesehen, dass unsere Jungs müde werden. Es war ja auch eine lange Saison," so Calvo Deus. "Wir wussten, dass es schwierig wird, unser Ziel, einen internationalen Starplatz zu sichern, zu erreichen. In der letzten Saison hat alles gepasst. Diese Saison hat man uns gekannt. Ausserdem hat die Konstanz gefehlt. Auswärst sind zu viele Angriffe fehlgeschlagen. Aber wir werden daraus lernen und es nächste Saison besser machen." Somit ist denn auch die Frage um die Zukunft des Kubaners geklärt. Zum ersten Mal seit langem startet er mit einem Team in eine dritte Spielzeit.
Nach einem turbulenten ZAT und enorm viel Kraftaufwand hat der Guarani FC mal wieder die Tabelle herumgewirbelt und steht plötzlich wieder an der Spitze. In Brasilien wechselt der Favorit auf den Meistertitel nach fast jedem Spieltag, um dann doch wieder zum Titelverteidiger zurückzukehren. Calvo Deus ist sich dieser Dynamik bewusst: "Klar, im Nachhinein ist man immer schlauer. Mit mehr Reserven hätten wir immer noch Chancen auf den Titel. Aber das kann ich in der zweiten Saison auch kaum erwarten. Es ist nicht einmal gesagt, dass wir das gute Resultat aus der letzten Spielzeit wiederholen können. Ein internationaler Startplatz wäre positiv, aber es ist vielleicht besser, da Mannschaften hinzuschicken, die auch Punkte für Brasilien holen."
Man muss doch sagen, dass die brasilianische Presselandschaft in krassem Gegensatz zum hart umkämpften, überraschungsreichen, offensiven, und spannenden sportlichen Geschehen steht. Jede Woche gibt es einen neuen Titelfavoriten, TK wird schneller verballert als Roberto Carlos schiessen kann, die Abstände sind gering und die Taktiken schwer zu durchschauen (wobei das ja eigentlich der Sinn sein soll). Woran das wohl liegt? Schlagzeilenträchtige Stories hat es ja gegeben: Ameisenbären, Vermisstmeldungen, Monsteralarm und anderes. Ist das zu wenig skandalös? Oder zu wenig interessant? Oder kostet der harte Kampf um Titel, internationale Startplätze und Nicht-Abstiegsplätze schlicht und einfach zu viel Kraft?
In der brasilanischen Série A wollen offenbar doch noch alle Meister werden. Tore fallen am Laufmeter, die Monster werden immer weniger fett, und plötzlich sieht es auch für den Guarani FC gut aus. "Ein Platz im internationalen Geschäft sollte schon drinliegen," so lässt sich Calvo Deus zitieren. "Wie immer werden die nächsten Spiele wegweisend sein. Aber ich denke es wird bis Ende Saison keine einfachen Spiele mehr geben." In der Tat stehen an diesem ZAT schon wieder zwei Spitzenkämpfe an. Über die genaue Taktik liess sich der Kubaner aber verständlicherweise nichts entlocken.
Vor drei Spielen hätte man den Guarani FC und dessen Trainer Calvo Deus vielleicht zwar auch noch in diese Kategorie gesteckt, aber nach den Hau-Ruck-Aktionen vom vergangenen ZAT wird man selbst zum Gejagten. "Eigentlich haben wir alle unsere Kräfte mobilisiert, um die Meisterschaft noch einmal spannend zu machen. Ich weiss nicht so recht, ob uns das gelungen ist," so Calvo Deus nachdenklich. "Auf alle Fälle werden wir natürlich das Beste draus machen, wir werden alle unsere Waffen bereit halten. Und auf keinen Fall werden wir uns unter der Bettdecke verstecken, aber immer wieder ein schüchternes "bu" hervorbringen, und dann sehen wir, wie weit uns das bringen wird."
Die Saison der Bestätigung für Calvo Deus beim Guarani FC läuft mehr oder weniger gut. Nach Halbzeit steht man auf Platz zwei. Das wäre ein Rang besser als bei Abschluss der letzten Saison. Das Saisonziel, das Erreichen eines internationalen Startplatzes, wäre somit auch erreicht, und man könnte in der nächsten Spielzeit dann zeigen, dass das frühe Ausscheiden in der Copa Americana dieses Jahr nur ein Ausrutscher war, wo man wertvolle Erfahrungen sammeln konnte. Allerdings sind eben noch einmal gleich viele Partien zu spielen. Es kann also noch vieles passieren. Wegweisend werden die Spiele der nächsten Runde sein. Man trifft auf die direkten Konkurrenten an der Tabellenspitze. Deus weiss: "Da sind wir gefordert."
Hat also alles nichts gebracht. Trotz ausgeklügelter Taktitk und sorgfältig zubereiteten Häppchen kehrten Calvo Deus und seine Jungs ohne Punkte aus Natal zurück. Ameisenbär Jenny hatte keinen Appetit auf Ameisen à la Deusienne und konnte so die Spieler des América FC wie immer beim Aufwärmen beistehen und heiss machen, so dass sie eine Topleistung erbringen
konnten. Wohltäter und Sozialist Deus blieb dem Spiel allerdings fern, da er sein Gericht unter die armen Leute der Provinz bringen wollte. Das hatte durchschlagenden Erfolg. Gleich mehrere Grossmütter erfragten das Rezept, um so die Sicherstellung der Ernährungsgrundlage für ihre Familien zu gewähren und dies erst noch auf äusserst schmack- und nährhafte Art und Weise.
Die Reise in die Provinz stellt Calvo Deus auf eine harte Probe. Neben der beschwerlichen Anreise und der sportlichen Taktik feilt der Gourmet vor allem an einer Taktik um Natals berühmtes Maskottchen in Schach zu halten. Da Deus nach dem Motte "auf ein Pferd gehört kein Sattel, sondern Kräuterbutter" lebt, kommt es für ihn nicht in Frage, die natürlichen Instinkte der Dame mit einem männlichen
Gegenpart zu verwirren, wie dies sein Kollege Dugarry zu tun pflegt. So besinnt sich der Kubaner an seine einzig wahre und unbestrittene Stärke: Das Kochen. Nach einem langen Telefonat mit seiner Mutter, einer ärmlichen Bäuerin in der Nähe von Guantanamo, hat Calvo Deus die Lösung gefunden: Ein altes Familienrezept für die Zubereitung von feinsten Ameisen, das angeblich nicht nur Bären befriedigen kann.
Beeindruckt, aber auch ein wenig besorgt, betrachtet auch Calvo Deus den Werdegang des Titelverteidigers. "Unglaublich, was Alex für eine Konstanz in die Mannschaft gebracht hat, der Saisonstart seines Teams ist schon fast beängstigend, " so der Kubaner anerkennend. Auch sein eigenes Team steht nach kleineren Startschwierigkeiten gut da. "Ich habe immer gesagt, dass wir unsere
gute letzte Saison bestätigen wollen. Ich habe aber auch immer gesagt, dass das schwieriger sein wird, als letztes Jahr. Auch wenn es im Moment gut aussieht, das kann sich schnell ändern," analysiert Deus die Situation des eigenen Teams, das von vielen Experten schon als erster Verfolger des absoluten Topfavoriten gehandelt wird. Deus' einziger Kommentar dazu: "Das ist Nonsens."
Wie letzte Woche angekündigt geht es aufwärts mit dem Guarani FC. Sowohl in der nationalen Meisterschaft als auch in der Copa Americana fanden die Jungs auf Campinas zurück auf die Siegerstrasse. "Was ich verspreche, das halte ich," so ein sichtlich zufriedener Calvo Deus, der zur Feier des Tages alle Journalisten und Kollegen zu einem ausufernden Gala-Dinner eingeladen hatte. "Wie man in Kuba sagt: Man muss die Feste feiern, wenn sie fallen," erklärte der Gourmet. "Ausserdem kann man so etwas tun für das gute Klima in der Liga. Schliesslich könnte die Luft bald etwas dicker werden. Vor allem wenn die Klubs international ihre Leistung nicht erbringen..."
Nach anfänglichen Schwierigkeiten zeigt die Formkurve der Jungs aus Campinas wieder nach oben. "Nach der anstrengenden aber ausgezeichneten letzten Saison waren wir ein wenig ausgepumpt," versucht Calvo Deus den Fehlstart seiner Jungs zu erklären. "Aber wir haben uns gefangen und werden selbstverständlich versuchen die Leistung vom letzten Jahr zu bestätigen. Ich hoffe, dass der internationale Wettbewerb eine zusätzliche Motivationsspritze ist." Die Copa Americana fängt diese Woche auch an, der international vollkommen unerfahrene Deus und seine Jungs sind bereit, von Doppelbelastung will der Kubaner nichts hören: "Wir sind brandheiss!"
Vier von fünf international vertretenen Klubs aus Brasilien kommen aus dem wunderschönen Bundesstaat Sao Paulo. Das mag keine Überraschung sein. Was doch überrascht, ist die Tatsache, dass Neuling Calvo Deus mit seinem Guarani FC sich gleich auf Anhieb in die Phalanx dieser Spitzenteams einreihte und nun erstmals in seiner langen Karriere an einem südamerikanschen Kontinentalwettbewerb
teilnehmen kann. "Ich freue mich auf die Herausforderungen, welche diese Saison bringen wird, sowohl national als auch international. Ich weiss, dass die zweite Saison die schwierigste ist, auch wenn man das dann von der dritten auch immer behauptet," so der Kubaner. In Campinas freut man sich über den Verweil des Weltenbummler und hofft, dass er hier länger bleibt, als in seinen bisherigen Stationen.
Calvo Deus' erste Saison in Brasilien kann mit Sicherheit schon jetzt als Erfolg verbucht werden. Der fuchsige Kubaner hat den Traditionsverein Guarani FC wieder an die nationale Spitze herangeführt. Als Aufsteiger ohne grosse Ambitionen und mit eher wenig Kredit in die Spielzeit gestartet, hatte man sich gleich zu Beginn an der Tabellenspitze festgesetzt, wo man sich prompt halten
konnte, und dies ohne allzuviele Reserven zu verschleudern. "Ja, meine Jungs haben wunderbare Arbeit geleistet," so der kubanische Lebemann und Wandervogel, der sich tatsächlich entschlossen hat, noch eine Saison in Brasilien zu bleiben. "Der Erfolg, das professionelle Umfeld, die angenehmen Kollegen und das reichhaltige Essen haben den Ausschlag zu dieser Entscheidung gegeben."
Die Meisterschaft neigt sich langsam dem Ende zu und auch Calvo Deus meldet sich mal wieder zu Wort. "Ich habe mich wunderbar eingeleb hier in Brasilien," so der kubanische Feinschmecker, "das Wetter ist ganz gut, die Frauen wunderbar, der Rum mehr als nur geniessbar und das Essen einfach fabelhaft. Dazu kommen natürlich zahlreiche sympathische Kollegen. Alles in allem eine Runde Sache." Auch sportlich läuft es für seinen Verein ganz gut. Als Aufsteiger war man doch eher als Aussenseiter in die Saison gestartet, aber man hat sich die ganze Zeit an der Spitze halten können. Ein Platz im internationalen Geschäft liegt durchaus immer noch drin. Und wer weiss, vielleicht sogar noch mehr.
Die Hinrunde ist definitiv zu Ende und der Guarani FC wurde promp noch ein wenig durchgereicht. Calvo Deus sieht das gelassen: "Das war ja aufgrund des Spielplans eigentlich zu erwarten. Nach Halbzeit haben aber nun alle Teams fast gleich viele Heim und Auswärtsspiele bestritten und so ist es einfache die Lage einzuschätzen. Dies tut der Kubaner folgendermassen: Ich denke also, dass ein Platz in den ersten zehn realistisch ist, sich für die internationalen Wettbewerbe zu qualifizieren wäre fantastisch!" Des weiteren hat natürlich das angekündigte Essen mit Dugarry stattgefunden. Deus zeigt sich zufrieden, aber knapp: "Es war super!"
Kurz vor Ende der Hinrunde ist auch bei Calvo Deus Zeit zu fazitieren. Das fällt natürlich leicht: "Es läuft alles Rund. Wir sind auf gutem Weg, unser Saisonziel zu erreichen. Ausserdem machen wir auch in der Staatsmeisterschaft Boden gut." Weiter stellt sich natürlich die Frage, ob denn der Trainer Ende Saison bleiben wird, schliesslich hat er es ja bei kaum einem Verein länger
als eine Saison ausgehalten. Der Kubaner dazu: "Das werden wir Ende Saison sehen."
Des weiteren versucht sich der friedliebende Deus auch innerhalb der Liga zu engagieren. So hat er Dugarry zu einem Gourmet-Abend eingeladen um über das Schattenleben des Trainers Chris zu palavern. Natürlich will er das selbe auch mit dem selben wiederholen. Was dabei rauskommt, werden wir dann sehen.