Powerkraut klärt Higgins über japanische Gebräuche auf
Am gestrigen Abend konnte man in Kashiwa, in einem kleinen Sushi-Restaurant die beiden J-League Trainer Powerkraut und Higgins beim Abendessen beobachten. Aus gut unterrichteten Kreisen konnten wir erfahren, dass Powerkraut dem Trainerkollegen einige japanische Besonderheiten erklärt habe.
In Japan sei es für Gaijin eine Selbstverständlichkeit, eine Geliebte zu besitzen. Allein westlich-gesinnte Medien würden in dieser Hinsicht einen Skandal vermuten, japanisch dominierte
Zeitungen und Fernsehsender würden diese "Neuigkeit" mit einem Achselzucken abtun.
Higgins solle das Thema einfach totschweigen und sich auf die Mannschaft konzentrieren. Wenn ihm die Frau gefalle, solle er sie bloß nicht in die Wüste schicken sondern lieber jeden Moment genießen.
Nach einigen Runden Sake verließen beide in friedlicher Eintracht das Lokal, nachdem man sich über den Ausgang der diesjährigen Meisterschaft geeinigt hatte.
Es ist wieder soweit - ganz Osaka rüstet sich für das große Stadtduell Cerezo vs. Gamba. Das Heimrecht für Cerezo hat nicht viel zu bedeuten, der Rivale Gamba hat einfach die größere Anhängerschar in der Stadt. Somit ist dieses Heimspiel wohl das einzige, bei dem die rosarote Cerezo Fangemeinde in der Unterzahl sein wird. Nichtsdesto Trotz ist man guter Dinge. Die letzten Spiele haben der Mannschaft von Trainer Powerkraut sen. viel Selbstvertrauen eingeflößt. Auch das Erreichen der 2. Runde im AFC-Cup sollte kein Nachteil sein, da auch Gamba sich noch nicht auf die nationale Liga konzentrieren kann.
Am Wochenende steht für Cerezo das Spitzenspiel gegen Mito Holly Hock auf dem Programm. Beide Mannschaften stehen mit 15 Punkten an der Tabellenspitze, warum die Fans auch auf ein attraktives Spiel gespannt sein dürfen. Trainer Eigenrauch-San hat seine Mannschaft in diesem Jahr hervorragend aufgestellt. Im Gegensatz zur letzten Saison ist eine deutliche Steigerung, vor allem im taktischen Bereich, festzustellen.
Da staunten die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle von Cerezo Osaka nicht schlecht, als sie heute morgen in ihre Büros wollten. Ein wunderschöner Schimmel stand im Vorhof des Anwesens und tat sich an einer Portion Stroh gütlich. Was hatte das bloß zu bedeuten?
Die Antwort erfolgte, nachdem der Teamarzt auf dem Gelände erschien. Eine kleine Gruppe Hardcore-Fans wollte den Vorstand auf den auslaufenden Vertrag des Arztes aufmerksam machen. Desweiteren soll mit diesem Geschenk an den Arzt dieser dazu bewogen werden, den Vertrag mit Cerezo nochmals zu verlängern. Dem Beschenkten standen die Tränen in den Augen und er versprach, sollte er vom Vorstand einen neuen Vertrag angeboten bekommen, diesen sofort zu unterschreiben.
Beim Morgentraining in Osaka gelang es uns, ein kurzes Wort mit dem Cerezo-Trainer Powerkraut zu führen:
"Es ist schön, endlich mal wieder nach Shizuoka zu fahren. Die haben ein ganz nettes Stadion, was verkehrstechnisch ganz leicht zu erreichen ist. Ausserdem freue ich mich auf das Wiedersehen mit Freeman. Bei der Gelegenheit werde ich ihn dann auch fragen, wieso sein Verein den Namen der Stadt nicht in den Mund nimmt. Ich meine, Shizuoka ist so eine schöne Stadt, da kann man sich doch auch Shimizu Shizouka S-Pulse nennen, oder? Is ja auch egal, geht mich gar nichts an. Ich weiss ja auch nicht, wo der Name Cerezo herkommt. Wie auch immer, genug gequatscht, ich muss weitermachen. Auf Wiedersehen!"
Schrill klingelte das Telefon im Domizil von Powerkraut sen. Mühsam erhob sich der Angerufene aus seinem Sessel, das Vormittagstraining steckte ihm noch in den Knochen.
Am Apparat war Trainerkollege Buyo Norwich. Nachdem die höflichen Begrüßungsfloskeln ausgetauscht waren, begann Buyo etwas herumzudrucksen: "Ähem, werter Kollege, ich weiss nicht, wie ich es sagen soll. Aber sie haben doch letztens über neue Trainingsmethoden berichtet, die sie ausprobieren wollten. Ich wollte mich einfach mal erkundigen, ob sie diese schon in die Praxis umgesetzt haben."
"Na selbstverständlich, werter Kollege, das sieht man doch am Tabellenplatz. Aber ich weiss nicht, ob ich ihnen hier weiterhelfen kann. Nach unserer kleinen Schlägerei letzte Saison habe ich den Eindruck, dass sie mit aggressiver Körperlichkeit
nicht so gut zurecht kommen. Daher kann ich mir auch nicht vorstellen, wie sie meine Tipps im Training umsetzen wollen.
Nichts desto Trotz werde ich ihnen ein kleines Exposé per Mail zukommen lassen. Aber dafür erwarte ich selbstverständlich auch eine kleine Gegenleistung."
"An was hatten sie denn da gedacht?"
"Ach, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass Cerezo diese Saison zweimal gegen den FC Jubilo gewinnen könnte. Oder wie sehen sie das?"
"Ähem, ach so, ja.. Überlegen sie sich doch bitte eine Gegenleistung und dann werden wir nochmals darüber verhandeln. Einverstanden?"
"Einverstanden! Ich schicke ihnen meine Ausarbeitung sofort zu. Viel Spass damit"
Die alljährliiche Abschlussfahrt der Mannschaft von Cerezo Osaka ging letztes Jahr nach Tokio - zum großen K1-Fight-Abend im Tokio-Dome. Für die reinen Fussballfans der Nihon News: dies ist eine äußerst brutale Sportart, bei der sowohl mit Füßen als auch mit den Fäusten gekämpft wird.
Die Vereinsführung hatte nach dem suboptimalen Saisonabschluss als Tabellenvierter beschlossen, den Spielern echte Härte und wahres Durchhaltevermögen im Sport leibhaftig vor Augen zu führen. Der Anschauungsunterricht sollte den "sportlichen Horizont erweitern". Wie die Veranstaltung in Spielerkreisen ankam, ist bislang unbekannt, aber wir haben einen Originalkommentar des Trainers:
"Ich bin begeistert! Das ist mal eine Sportart nach meinem Geschmack. Hier
wird noch richtig Einsatz gezeigt. Ich habe hier schon bei einigen Spitzenleuten Fähigkeiten gesehen, die auch meinen Spielern gut zu Gesicht stehen würden. Natürlich ist K1 nicht mit Fussball vergleichbar, schließlich fehlt der Ball, aber ich werde doch einige Aspekte dieses Kampfsports in unser Training einfließen lassen.
Wir waren in der abgelaufenen Saison die Mannschaft mit den wenigsten gelben Karten. In Europa bekämen wir dafür den Fairnesspreis, aber hier in Japan kannst du damit keinen Blumentopf gewinnen. Ich werde im Training mal eine härtere Gangart anschlagen. Hoffentlich ist mein Kader bei Saisonbeginn dann auch vollständig an Bord und nicht teilweise im Krankenhaus. Aber wie heisst es doch so schön: Kein Erfolg ohne körperliche Opfer. Oder so ähnlich.."
Die Saison neigt sich dem Ende entgegen und Osaka´s Fußballwelt ist hoch zufrieden. Momentan sieht es so aus, als ob beide Vereine aus Osaka nächstes Jahr im internationalen Wettbewerb vertreten sind. Auch bei dem rosaroten Club von Cerezo ist man mit der abgelaufenen Saison sehr zufrieden. Der bis zuletzt gehegte Glaube an die Meisterschaft hat sich zwar nicht verwirklichen können, dennoch ist der Vorstand mit der Leistung von Mannschaft und Trainerstab zufrieden. Diese Zufriedenheit fand ihren Ausdruck in einem sehr gut dotierten neuen 2-Jahresvertrag für Powerkraut sen.
Aufgrund einer plötzlichen Eingebung, änderte Trainer Powerkraut sen. kurz vor dem Spiel gegen JEF United die Taktik. Dies hätte er besser bleiben lassen. Zunächst hatte er geplant, mit einer offensiven Einstellung dem Meisterschaftsfavouriten Paroli zu bieten. Doch dann verließ ihn doch die Courage und er stellte die Mannschaft extrem defensiv auf. Schaut man das Ergebnis an, kann man daher nur fassungslos den Kopf schütteln. Mit einem Sieg hätte man sich zum Titelanwärter mausern können, aber so kann man wohl noch zufrieden sein, wenn die Saison mit einem AFC-Platz endet.
Die Realität ist bei Cerezo wieder eingekehrt. Nach dem Unentschieden zu Hause gegen die Antlers und der anschließenden Auswärtsniederlage sieht die Welt nicht mehr so rosarot aus wie die Vereinsfarben. Sie hat nun einen leichten Schwarzstich. Auch das Verhalten des Trainers hat sich scheinbar wieder geändert.
Auf der gestrigen Pressekonferenz gab er sich sehr zerknirscht und entschuldigte sich in Japans Öffentlichkeit für sein Verhalten letzte
Woche.
"Was passiert ist, tut mir leid. Ich werde versprechen, die Pressefreiheit zu akzeptieren, obwohl das meinem Naturell nicht entgegenkommt. Aber ich verspreche Besserung.
Es wäre mir jetzt sogar ganz recht, wenn wir uns aus den Schlagzeilen halten könnten. Schließlich spielen wir ab jetzt gegen den Abstieg. Jeder Punkt ist da wichtig. Und Trubel in der Zeitung bedeutet auch Trubel in der Mannschaft. Und das kann ich jetzt am Wenigsten gebrauchen."
Cerezo´s Trainer Powerkraut sen. scheint momentan von allen guten Geistern verlassen zu sein. Nach dem Eklat im Sushi-Restaurant wurde er jetzt in Kusatsu von der Polizei verhaftet und vorübergehend in Gewahrsam genommen. Was war passiert?
Der Trainer war derart erbost über die Redaktion der Nihon-News, dass er kurzerhand in die Büroräume des Blattes fuhr, um die Verantwortlichen zur Rede zu stellen. Seiner Ansicht nach war es eine bodenlose Frechheit, ausgerechnet in der Woche, in der Cerezo die Tabellenführung übernommen hat, nicht zu erscheinen!
Er sah wohl schon die großartigen Schlagzeilen
vor sich, aber daraus wurde nichts. Da er den Liga-Redakteur leider nicht antraf, nahm er sich schnell entschlossen die Einrichtung der Vorzimmerdame vor, und zerlegte diese in ihre Einzelteile. Die gerufene Polizei konnte den Trainer nur durch "Gewalteinwirkung" von seinem Treiben abhalten.
Zum Glück für den Verein konnte Powerkraut sen. am nächsten Tag die Wache verlassen und nahm sofort das Training wieder auf. Aber welch schlechten Eindruck hinterlässt dieser neuerliche Eklat des Trainers bloß in der japanischen Öffentlichkeit? Hat ihn das frühzeitige Aus in der Champions-League derart mitgenommen?
Nach dem Spiel gegen den FC Jubilo Iwata gab es abends einen unschönen und lautstarken Streit in Yomata´s Sushi-Bar in Osaka zwischen den beiden Trainern Buyo Norwich Aswan und Powerkraut sen. Aus einem zunächst höflichen Gespräch entwickelte sich langsam ein Streitgespräch darüber, wie man Flußaale korrekt zubereitet. Powerkraut war der Ansicht, dass man Aale mit einem Bauchschnitt aufschneidet, um sie dann auszunehmen und zu filetieren. Buyo dagegen war der Ansicht, Flußaale seien nur mit Rückenschnitt richtig zubereitet. Grund für die differierenden Ansichten ist die Tatsache, dass Buyo in einer Gegend
tätig ist, die früher stark von den Samurai geprägt wurde. Die Tradition des Seppuko, des Selbstmordes per Bauchschnitt, ist in dieser Region noch nicht vergessen und hat weiterhin eine mystische, ja fast religiöse Bedeutung. Daher werden die Fische dort immer noch mit dem komplizierteren Rückenschnitt geöffnet.
Beide Fußballtrainer gerieten bei dieser Diskussion derart in Rage, dass sie der Restaurantbesitzer mit Hilfe dreier kräftiger Sushi-Köche aus dem Lokal befördern ließ.
Was haben sich die beiden bekannten Trainer bei dieser Peinlichkeit in der Öffentlichkeit nur gedacht?
Cerezo-Trainer Powerkraut stellte auf der letzten Pressekonferenz wieder eine seltsame Rechnung auf:
"Es sind noch 7 Spiele zu absolvieren. Das bedeutet, es sind noch 21 Punkte zu vergeben. Und das bedeutet dann für Cerezo, dass nun noch mindestens 11 Punkte einzufahren sind, um den Abstieg in die 2. Liga zu verhindern. Nein, ich scherze nicht. Rein rechnerisch ist noch alles drin und ich weiss leider, dass meine Mannschaft am Ende der Saison gerne einbricht.
Außerdem ist unser Restprogramm ganz schön hart. Zuerst gegen Thespa und dann bei JEF United. Diese beiden Mannschaften sind momentan sehr stark und ich wäre schon zufrieden, wenn wir aus den beiden Partien wenigstens einen Punkt mitnehmen könnten."
"Jeder kennt bestimmt die Ruhe; während sich um einen herum alles auflöst und ein riesiger Sturm aufzieht, man selbst aber nichts davon bemerkt und alles in bester Ordnung und trügerrischer Ruhe erscheint."
Mit dieser kryptischen Aussage beschrieb Cerezos Trainer seine momentane Stimmungslage. Aber schauen wir mal genauer hin. Nach dem letzten Spieltag und 2 Siegen scheint alles in Butter zu sein, Fans und Vorstand zufrieden. Aber in der Mannschaft ist bereits mächtig am Brodeln. Die Stammspieler sind konditionell am Ende und die Reservisten beginnen aufzumucken. Wann ist es mit der Ruhe bei Cerezo vorbei?
Trainer Powerkraut jr. scheint endlich in Japan angekommen zu sein. Nachdem er vier Jahre lang die Dienste eines Dolmetschers in Anspruch nehmen musste, hat er sich nun dazu entschlossen, einen Japanisch-für-Anfänger-Kurs zu belegen.
"Am Anfang meiner Karriere dachte ich nicht, dass ich es in diesem Land lange aushalten könnte. Der rohe Fisch ist nicht mein Geschmacht, und für tägliches Kobe-Rindfleisch ist mein karges Gehalt von Cerezo leider nicht ausreichend. Aber es können auch mehr Dinge in Japan Geschmack machen. Ich habe auf der letzten Trainerbesprechung die kleine Schwester von Kirin getroffen, die mit Buyo zusammen da war. Leider spricht sie noch kein Englisch, also muss ich halt Japanisch lernen.."
Schlimme Nachrichten erreichen uns aus Osaka: Powerkraut sen. soll mit einem Schlaganfall in die Uniklinik von Osaka gebracht worden sein. Eine Bestätigung dieser Meldung war bis Redaktionsschluss noch nicht zu erhalten.
Insidern ist aufgefallen, dass der Trainer seit dieser Saison eine auffallend ungesunde Gesichtsfarbe hat. Ist der Erfolg zuviel für ihn? Mit seinen 72 Jahren ist er auch nicht mehr der jüngste Trainer. Vielleicht waren die Feierlichkeiten nach dem hart erkämpften Sieg bei Kashiwa der ausschlaggebende Punkt. Oder waren es einige Becher Sake zuviel? Den Spekulationen ist Tür und Tor geöffnet..