Für den Erfolgstrainer Xelaju steht neben dem Stress mit seiner Mannschaft nun auch noch privater Stress an - er muss umziehen! Nachdem ihn sein Vermieter kurzfristig mit der Begründung, sein Glaube verböte ihm, Xelaju weiter bei sich wohnen zu lassen, vor die Tür gesetzt hatte, konnte Xela nur mit Mühe eine neue Bleibe finden. "Ich hoffe, dass meine neuen Nachbarn weniger Probleme mit ihrer seelischen Verfassung haben, als mein ehemaliger Vermieter. Ich habe ihm jede Saison Freikarten mitgebracht und sobald die
Mannschaft mal nicht unter den Top 6 ist, werde ich rausgeworfen!" Im Bezug auf die Liga scheinen sich die Gemüter auch weiterhin nicht zu beruhigen. Trotz zweier 4:0-Kantersiege gegen Al-Shurta und Al-Nafat sind die Fans nicht zufrieden und auch die Vereinsspitze hat mit Xelaju einen Termin abgemacht. "Wenn die Personen, die mir jahrelang den Speichel geleckt und mich in höchsten Tönen gelobt haben, jetzt beim Umzug helfen würden, käme ich gern beim Vereinspräsidenten vorbei, aber zzt. habe ich keine Zeit."
Bei Al-Jaish regiert das Chaos und der Trainer beschuldigt den Verband
Beim irakischen Spitzenverein Al-Jaish wird die Luft für den Erfolgstrainer Xelaju immer dünner: Im AFC-Cup ausgeschieden und in der Liga auf einen ehemaligen Abstiegsplatz gefallen. Auf der Pressekonferenz musste sich Xelaju dann auch kritische Fragen anhören. "Ich weiß, dass ich mich beim Aussuchen der Nachwuchsspieler etwas verschätzt habe, aber was in dieser Saison mit uns gemacht wird grenzt an schematische Zerstörung durch den irakischen Fußballverband! Man mutet uns in dieser Saison sofort zu Beginn sehr, sehr viele Auswärtsspiele zu und schickt uns in allen Richtungen unseres Landes. Wer mit gesundem Menschenverstand an die Sache rangeht merkt doch, dass der Verband versucht, unseren Verein fertig zu machen! Die Straßenkontrollen die dann plötzlich auf dem Weg zum Abschlusstraining auftauchen, Schiedsrichter, die schon seit mehrerer Saisons gegen uns pfeifen
und häufig auf uns angesetzt werden, ich könnte noch stundenlang aufzählen, wie man uns das Leben schwer macht." Auf die Frage, ob denn die Mannschaft oder auch der Trainer völlig unschuldig an Niederlagen wie der jüngsten 0:4-Pleite bei Fußballschulenkollege Jemba Jobos Zakho seien, antwortete Xelaju verhalten: "Natürlich muss unsere Abwehr abgebrühter spielen, gerade gegen Spieler, mit denen sie vor ein paar Wochen noch zusammen gespielt haben, aber nach all den Querelen, die wir auf der Fahrt hinter uns haben bringen müssen, ist das doch nicht verwunderlich, dass die durcheinander sind und sich nicht vernünftig auf das Spiel konzentrieren können."
Auf die Personalprobleme Mao-Ze-Tungs angesprochen meinte Xelaju mit einem breiten Grinsen: "Bei Bedarf kann sich unser Liga-Älteste gerne bei mir melden. Ich helfe ihm da gern weiter."
"Da muss ich mich irgendwie verguckt haben, als ich mit Jemba die Spieler der Fußballschule beobachtet habe: Seine Neuzugänge spielen prächtig und er steht auf dem ersten Platz, meine Neuen bringen bis jetzt eine katastrophale Leistung, so dass ich glatt überlege, ob ich sie wieder zurück in die Schule gebe oder anderen Vereinen anbiete. Al-Sinaa hätte dann wenigstens junge Spieler auf der Bank sitzen, vielleicht würden sie ja auch Mosul oder Kirkuk
im Abstiegskampf helfen, so als Einäugige könnten die ja glatt noch eine Verstärkung sein." Während Xelaju dies auf dem Trainingsgelände von sich gibt, blickt er immer wieder gehetzt von einer Seite zu anderen. Auf die Frage, ob denn wenigstens seine Weltfrieden-Rettungs-Aktion erfolgreich war, antwortet er gar nicht, sondern wirft schnell ein paar gelbe Pillen ein und rennt zurück auf den Platz, um dort wild gestikulierend seinen Spielern Beine zu machen.
Bei Xelajus Verein Al-Jaish hängt der Haussegen schief: Der Trainer rettet lieber den Weltfrieden, als sich um die Mannschaft oder die Kolumne zu kümmern und die Spieler treffen nicht mehr in das gegnerische Tor, sondern schießen lieber Eigentore. Bei Al-Zawraa rappelte es drei mal im eigenen Kasten und 2 Treffer durfte sich die Al-Jaish´sche Abwehrreihe selbst zuschreiben und auch bei Al-Minaa sahen die Verteidiger nicht gut aus. Xelaju erschien selbst nicht zur
Pressekonferenz und ließ durch seinen Co-Trainer mitteilen, dass seine Weltfriedenrettungs-Mission noch bis Ende der Woche seine gesamten Kräften in Anspruch nähme. Auf die Frage, ob denn auch mal wieder mit einem 3er für die Mannschaft zu rechnen sei, antwortete der Co-Trainer lapidar: "Wenn Allah will.". Es sieht nicht gut aus für Al-Jaish und dass gerade gegen die Lieblingsgegner der letzten Saison so klar verloren wurde, stimmt die Fans auch nicht gerade glücklich.
Nachdem ihn sein Vermieter wegen des ausbleibenden Erfolgs rausgeworfen hatte, scheint Xelaju nun endlich wieder eine Bleibe gefunden zu haben. "Ja, es stimmt, ich habe wieder ein Dach über dem Kopf. Ich habe jetzt mehrere Nächte in der Fußballschule geschlafen und auf Dauer ist so eine Umkleide-Kabine doch etwas ungemütlich. Aber jetzt kann ich mich endlich wieder ausgeschlafen bei meinen Jungs und vor allem auch der Redaktion der Kolumne zurückmelden!" Zum Ende der Hinrunde machen sich die Spieler Al-Jaishs auch wieder daran, Fußball zu spielen - ein einstelliger Tabellenplatz ist zum Greifen nahe und angeblich möchte man ja auch noch bei der Meisterschaft ein Wörtchen mitreden..