An der Spitze geht’s rund - und Österreich mischt Europa auf
Meersdonk: Vierundzwanzig Spieltage. Rapid Erster, Ried Zweiter, Sturm Dritter. Dazwischen liegt praktisch ein Blatt Zeitungspapier.
Tatar: Na servas. Und wer hat die Zeitung geschrieben?
Falco: Wir nicht. Wir haben ja lange nicht über Rapid gesprochen.
Meersdonk: Stimmt. Und jetzt sind sie Tabellenführer.
Tatar: 41 Punkte. Ried und Sturm haben 40. Des is kein Vorsprung, des is ein Tippfehler.
Falco: Rapid war lange aus unserem Blickfeld. Jetzt steht Herr Karl ganz oben. Vielleicht sollten wir weniger über Mannschaften reden. Sonst steigen die noch ab.
Meersdonk: Wiener Neustadt haben wir gelobt. Danach ging’s bergab.
Tatar: Und jetzt Rapid. Ich würd sagen: Wir schweigen ab sofort über die ganze Liga.
Falco: Dann wird Austria Salzburg Meister.
Meersdonk: Die sind Letzter.
Falco: Eben. Über die haben wir auch nicht gesprochen.
Tatar: Aber der eigentliche Wahnsinn spielt sich in Ried ab. Sechs null gegen Grödig!
Meersdonk: Da hat Ried den Henk mit sechs Toren zerlegt. Danach eine 0:1-Niederlage gegen Wiener Neustadt.
Tatar: Der Dr. Calakmul arbeitet offenbar mit einer neuen Rezeptur. Einmal homöopathisch, einmal sechs Liter auf einmal.
Falco: Ried ist Zweiter, nur einen Punkt hinter Rapid. Der Doktor hat die Meisterschaft wieder auf die Intensivstation gebracht.
Meersdonk: Und Sturm? Erst Tabellenführer, jetzt punktgleich mit Ried auf Platz drei.
Tatar: Die Grazer haben nach Grödigs Auswärtssieg offenbar Besuch bekommen. Die Gegner kommen jetzt mutiger nach Graz.
Meersdonk: Austria Salzburg gewann dort 2:1. Für Sturm die zweite Heimniederlage.
Falco: Früher hieß es: Die Grazer Festung. Jetzt heißt es: Bitte nach dem Spiel die Fenster schließen.
Tatar: Immerhin haben sie auswärts gewonnen. Sturm gewinnt auswärts und verliert daheim. Das ist eine ungewöhnliche Form der Gastfreundschaft.
Meersdonk: Währenddessen steckt Wacker Innsbruck in einer echten Krise.
Neunter Platz, 26 Punkte, 60 Gegentore.
Tatar: Und zuletzt 4:5 gegen Wiener Neustadt, dann 0:3 gegen Austria Salzburg. Da hilft auch die Mobbing-Theorie nicht mehr.
Falco: Vielleicht wird Wacker gar nicht gemobbt. Vielleicht ist die Liga einfach kollektiv der Meinung, dass Innsbruck dringend ein Erfolgserlebnis braucht - und schenkt ihnen trotzdem keins.
Meersdonk: Zwölf Punkte Rückstand auf den vierten Platz.
Tatar: Bei zwölf verbleibenden Spielen ist das noch möglich. Aber dafür müssten sie irgendwann anfangen, weniger Tore zu kassieren als sie schießen.
Falco: Eine gewagte taktische Innovation.
Meersdonk: Und jetzt die wirklich gute Nachricht: Österreich ist in Europa nicht nur dabei. Mit Wiener Neustadt und Grödig stehen gleich zwei österreichische Mannschaften im Halbfinale der Champions League.
Tatar: Zwei! Da darf man ruhig einmal stolz sein. Wiener Neustadt und Grödig – mitten unter Europas Besten.
Falco: Die einen verlieren in der Liga, die anderen gewinnen in Europa. Und beide haben offenbar beschlossen, dass die österreichische Grenze nur eine geografische Empfehlung ist.
Meersdonk: Für Wiener Neustadt ist das nach dem jüngsten Rückschlag in der Meisterschaft eine schöne Antwort. Und Grödig zeigt, dass der Pokalsieger nicht nur einen hübschen Titel im Vereinsnamen trägt.
Tatar: Also gut: Über diese beiden reden wir weiter. Vielleicht gewinnen sie dann auch noch das Finale.
Falco: Bitte nicht. Sonst müssen wir nächste Woche über den Weltfußball reden.
Meersdonk: Und wer wird Meister?
Tatar: Rapid, Ried oder Sturm. Drei Mannschaften, ein Punkt Unterschied.
Falco: Und wenn wir jetzt Wiener Neustadt erwähnen?
Tatar: Dann gewinnen sie wieder.
Meersdonk: Sie haben zuletzt verloren.
Tatar: Eben. Wir haben gerade wieder über sie gesprochen.
Falco: Dann ist ja alles klar. Die Meisterschaft wird nicht auf dem Platz entschieden.
Meersdonk: Sondern?
Falco: In unserer Redaktion. Wir brauchen dringend eine Schweigepflicht.
Meersdonk: Meine Herren, 22 Spieltage. Sturm Erster mit 40 Punkten. Rapid Zweiter mit 38. Grödig Dritter mit 37. Ried Vierter, ebenfalls 37.
Tatar: Na servas. Vier Mannschaften, drei Punkte Unterschied. Des is ka Meisterschaft mehr, des is a Warteschlange vor der letzten Tankstelle.
Falco: Und jeder glaubt, er sei der Erste.
Meersdonk: Grödig hat Sturm sechs eins geschlagen. Dann fünf vier gegen Wacker gewonnen.
Tatar: Henk Groot hat offenbar die Abwehr abgeschafft. Dafür gibt's vorne Freibier.
Falco: Fünf Tore schießen, vier kassieren – das ist kein Spielsystem. Das ist ein Versicherungsfall.
Falco: Und Sturm? Zu Hause eins sechs gegen Grödig, auswärts sechs drei gegen Wiener Neustadt.
Meersdonk: Sturm verliert daheim und gewinnt auswärts.
Tatar: Vielleicht ham's in Graz das Stadion falsch herum aufgestellt.
Falco: Oder Froggelmeister hat Heimweh. Sobald er auswärts ist, blüht er auf.
Meersdonk: Trotzdem bleibt Sturm Erster.
Tatar: Ja, aber nur mit drei Punkten Vorsprung auf Ried. Und die sind im Kommen.
Falco: Die Tabelle schaut aus wie ein Fahrstuhl, bei dem sämtliche Knöpfe gleichzeitig gedrückt wurden.
Meersdonk: Und Wiener Neustadt?
Tatar: Bitte
nicht.
Falco: Wir haben sie doch wieder erwähnt.
Meersdonk: Platz sechs. Vier Niederlagen in Folge, jetzt noch ein drei sechs gegen Sturm.
Tatar: Kaum redet man über die, geht's bergab. Die Kolumnisten san gefährlicher als der Gegner.
Falco: Ich fordere eine Presse-Sperrzone rund um Wiener Neustadt.
Meersdonk: Vielleicht sollten wir stattdessen über Wacker sprechen.
Tatar: Wacker? Die kommen auch nicht recht weiter. Platz neun, 26 Punkte.
Falco: Sechs null gegen Ried, vier fünf gegen Grödig verloren. Da braucht man keinen Mobbingbeauftragten mehr. Da braucht man einen Statiker.
Meersdonk: Und trotzdem: Noch 14 Spieltage. Alles offen.
Tatar: Vier Mannschaften kämpfen um den Titel, Wiener Neustadt kämpft gegen die Berichterstattung und Wacker gegen die Schwerkraft.
Falco: Und wir drei?
Meersdonk: Wir analysieren.
Tatar: Na hoffentlich red ma dabei ned den Falschen zum Meister.
Falco: Zu spät. Ich hab vorhin schon „Grödig“ gesagt.
Meersdonk: Dann ist Sturm nächste Woche weiter Tabellenführer.
Tatar: Oder Ried.
Falco: Oder Wiener Neustadt.
Meersdonk: Die sind Sechster.
Falco: Eben. Niemand redet über sie. Das ist ihre stärkste Phase.
Henk Groot hat die Arbeit für den neunten ZAT bereits fast komplett erledigt. So hat er Zeit, ein bisschen in der internationalen Presse und in diesem Falle der heimischen Presse. Ja, der Kollege Anders Quälixson, einer von lediglich zwei Toptrainern der Liga, neben dem aktuellen Meistertrainer Oller Kahn, macht sich Sorgen um die Liga. Doch diese scheint Henk Groot unbegründet. Die niederländische Liga ist sehr gut. Sie ist aktuell ein Geheimtipp, der noch nicht entdeckt wurde. Aber das kann sich auch schnell ändern. "Das war bei mir damals auch nicht anders." Als ich in der 36. Saison bei Heerenveen anfing, da waren auch viele Klubs trainerlos. Und in der UEFA-Wertung war man 13. von 16 Nationen. Vier Jahre später Erster! So eine Liga kann also sehr schnell auch attraktiv werden. Bekommt man ein, zwei
Toptrainer, sieht die Lage bereits wieder völlig anders aus."
Und überlegen Sie selbst eine Rückkehr? "Langfristig ist das natürlich auf jeden Fall eine Überlegung, Im Moment aber nicht. Ich bin in Österreich in der stärksten Liga Europas mit einigen Toptrainern unterwegs. Diese Herausforderung werde ich so schnell nicht ablegen. Ohne Meisterschaft gehe ich hier nicht weg. Und wie man sieht, ist es verdammt schwierig, diese in Österreich zu gewinnen."
Für die niederländische Liga muss man auf die nähere Zukunft bauen. Es gibt insgesamt noch 30 freie Teams in Europa. Da wird es wohl keine oder wenig Aufstockungen geben. Die Neulinge, die kommen werden, müssen sich zwangsläufig auf die aktuell freien Teams verteilen. Also auch auf die niederländischen.
Meersdonk: So. Zwölf Spieltage sind gefahren. Ried ist Zweiter, Sturm Dritter, Wiener Neustadt Vierter. Und Wacker ist Neunter.
Tatar: Na, des schaut jetzt scho ganz anders aus. Vor allem bei Ried. Die ham in drei Spielen sieben Tore kassiert.
Falco: Der Doktor hat die Kontrolle über den Patienten verloren.
Tatar: Na geh. Er hat ja selber sechs Tore gegen Wacker verschrieben.
Meersdonk: Aber auch vier null gegen Sturm verloren.
Falco: Medizinischer Rückfall.
Tatar: Dafür Wiener Neustadt. Drei Spiele, zwei Siege. Drei null gegen Wolfsberg, null drei gegen Rapid und dann vier zwei gegen Vienna.
Meersdonk: 29 Tore in zwölf Spielen. Nur 17 kassiert. Tabellenplatz vier.
Falco: Wiener Neustadt arbeitet offenbar im Geheimen. Keine Schlagzeilen, keine großen Reden – und plötzlich stehen sie vor der Tür.
Tatar: Des is ja des Gefährliche. Wennst vier Spiele lang ned hinschaust, san's vielleicht
Meister.
Meersdonk: Sturm hat sich ebenfalls wieder gefangen. Vier null gegen Ried, fünf vier gegen Grödig.
Falco: Neun Tore. Das ist kein Fußball mehr. Das ist ein Verkehrsunfall mit Zuschauern.
Tatar: Und Wacker?
Meersdonk: Eins null gegen Sturm. Eins null gegen Austria.
Falco: Der Mobbingbeauftragte kann vorerst Urlaub machen.
Tatar: Na, jetzt ham's zumindest wieder was zum Herzeigen.
Meersdonk: Wobei sie immer noch Neunter sind.
Falco: Das ist der Unterschied zwischen einem Comeback und einer statistischen Fußnote.
Tatar: Aber die Tabelle wird langsam interessant. Vier Mannschaften innerhalb von zwei Punkten.
Meersdonk: Und Grödig mit 50,9 TK steht auf Platz fünf.
Falco: Der TK schaut zu und fragt sich, warum eigentlich niemand auf ihn hört.
Tatar: Weil der TK ned auf den Platz geht.
Meersdonk: Noch nicht.
Falco: Bei Copa Mundial würde ich das nicht ausschließen.
Meersdonk: Also, Tatar, jetzt haben wir neun Spieltage. Ried Erster, Rapid Zweiter, Sturm Dritter. Und Wacker ist immer noch Letzter.
Tatar: Ja, aber schau dir des an: Ried 17 Punkte, Rapid 16. Des is jetzt wirklich knapp. Und der Dr. Calakmul hat offensichtlich a Rezept gefunden, des funktioniert.
Falco: Fünf zu null gegen Rapid. Das ist kein Sieg. Das ist eine öffentliche Demütigung mit fünf Unterschriften.
Meersdonk: Und eine Woche davor haben sie noch eins zu null verloren.
Tatar: Genau! Ried is derzeit die Mannschaft der Gegensätze. Drei Spiele, sechs Punkte – und trotzdem weißt nie, was als Nächstes passiert.
Falco: Sturm hat's auch nicht gerade langweilig. Wiener Wochen. Erst vier null gegen Rapid, dann zwei null gegen Austria, aber dazwischen null zwa bei Vienna. Und die Neustadt fleddert die alte Austria.
Tatar: Des war überhaupt a bemerkenswerte Partie. Derwahreroi hat den Meister ordentlich zerlegt.
Meersdonk: Wiener Neustadt steht immerhin Vierter. 22 Tore geschossen, 12 kassiert.
Falco: Wiener Neustadt. Die stille Macht. Man redet nicht darüber – und
plötzlich steht sie da.
Tatar: Und dann kommt Grödig mit 56,0 TK und Wacker mit 56,7. Eigentlich müsst's nach der Papierform ganz anders ausschauen.
Meersdonk: Tut es aber nicht.
Falco: Papier ist geduldig. Copa offenbar nicht.
Tatar: Und Wacker? Floberle redet schon von Mobbing.
Meersdonk: Vier zu zwei gegen Wolfsberg und vier zu zwei gegen Vienna. So schlimm kann das Mobbing ja nicht sein.
Falco: Vielleicht wird Wacker nur auswärts gemobbt.
Tatar: Na, dann ham's a Problem. Als Nächstes kommt aber Sturm nach Ried, danach Austria Wien und dann fahrts nach Ried. Des is keine Serie, des is a Belastungstest.
Meersdonk: Also wer wird Meister?
Tatar: I bleib dabei: Noch is alles offen.
Falco: Das sagt man immer, wenn man keine Ahnung hat.
Tatar: Na gut. Dann sag i: Ried.
Meersdonk: Rapid.
Falco: Wiener Neustadt.
Tatar: Wiener Neustadt?!
Falco: Warum nicht? Niemand erwartet es. Das ist doch die schönste Voraussetzung für einen Meistertitel.
Tatar: I würd sagen: Österreich hat vier Spieltage hinter sich – und noch immer san net alle wieder dort, wo's hingehören.
Falco: Das nennt man Saisonbeginn.
Meersdonk: Oder Stau.
Tatar: Na, Franz. Beim Stau gibt's wenigstens a Richtung. Na, jetzt wird's interessant! Rapid noch immer Erster, vier Spiele, zehn Punkte. Aber Ried is nur zwei Punkte dahinter – und ungeschlagen. Des schaut schon sehr solide aus.
Falco: Und Sturm? Der Meister ist auf Platz fünf abgestürzt. Fünf null gegen Wiener Neustadt – das ist kein Dämpfer mehr, das ist ein Auffahrunfall.
Meersdonk: Da kannst du lange hupen.
Tatar: Vor allem weil Sturm vorher Grödig 1:0 geschlagen hat. Und dann fährst nach Wiener
Neustadt und kriegst fünf. Des versteh, wer will.
Falco: Wacker hat immerhin sein erstes Torfestival veranstaltet. Vier zu vier gegen Ried. Nur leider war der Gegner beteiligt.
Meersdonk: Ein Punkt. Aber noch immer letzter Platz.
Tatar: Und Grödig? Sechs Punkte, trotz der Niederlage gegen Sturm. Der Henk Groot is mit 60,4 TK weiterhin ganz vorn dabei.
Falco: Während Rapid langsam tatsächlich wie ein Favorit aussieht.
Tatar: Ja. Und des is jetzt der Unterschied zur Vorsaison: Zwei Spiele waren's, da hab i noch gesagt, "abwarten". Vier Spiele san's jetzt – und Rapid is noch immer oben.
Meersdonk: Also doch keine Welle?
Tatar: Na, jetzt kommt's drauf an, ob's eine Welle oder ein Tsunami is.
Falco: Sehr schön. Das können wir so stehen lassen.
Es könnte wieder einmal zur Aberkennung eines Doktortitels kommen. Wegen erheblicher kognitiver Probleme des Trägers. Der SVR-Trainer meinte beim Spiel Ried gegen Grödig den Welttrainer Henk Groot gesehen zu haben. Dieser konnte da nur müde lachen. "Nach Ried fahren? In der ersten Serie? Da schicke ich immer den Co-Trainer!" Und wo will der SVG-Trainer selbst gewesen sein? "Ich war in Aachen und habe mir das Zweitligaspiel Alemannia gegen Hansa angeguckt. Ich war so gut getarnt. Dort hat mich niemand gesehen." Es wird jetzt natürlich gerätselt, welchen Spieler Henk Groot beobachtet haben könnte.
Niemand stoppt den Count! Und wenn überhaupt, dann macht das Henk Groot. Dafür müsste sich der Count aber erst für den Ouropapokal qualifizieren. Sonst spielt man nicht gegeneinander. Und um in den Ouropapokal zu kommen, müsste man in den meisten Fälle besser sein als immer nur Sechster. So stoppt sich der Count im Moment ganz alleine. Ein Halteproblem der besonderen Art. Da braucht es nicht einmal eine Turingmaschine.
Aufgrund des großen Erfolges bei den Lesern traf sich unser Lieblingstrio erneut zum Schmäh.
Tatar: Na, jetzt ham's wieda olle an Trainer – und Rapid steht ganz oben. Zwei Spiele, sechs Punkte. Das hätt' man nach der Vorsaison auch net unbedingt erwartet.
Falco: Zwei Siege, zehn Tore. Rapid ist plötzlich sexy.
Meersdonk: Und Grödig hat sechs Stück kassiert. Das ist kein besonders guter Start.
Tatar: Vor allem nach den 96 Toren in der letzten Saison. Aber i würd Grödig noch net abschreiben. Henk Groot hat mit 61,7 TK sogar den zweithöchsten Wert der Liga.
Falco: Wacker dagegen: null Punkte, null Tore, acht Gegentore. Der Vizemeister ist Tabellenletzter. Das ist schon fast dadaistisch.
Meersdonk: Und Austria Wien? Zwei Siege, acht Tore. Die san als Letzter gestartet und stehen jetzt auf Platz zwei.
Tatar: Ja, des is für mi die erste Überraschung. Vor allem weil's gegen Wacker gleich wieder 4:0 war. Die Austria hat offenbar net vor, sich lange an die neue Saison zu gewöhnen.
Falco: Während
Salzburg nach dem 4:2 gegen Austria Wien immerhin den ersten Dreier hat. Danach aber 0:3 gegen Wolfsberg. Auch nicht gerade Konstanz.
Tatar: Und Sturm? Meister und schon eine Niederlage. Aber vier Tore gegen Wacker und fünf gegen Ried. Langweilig wird's bei denen jedenfalls nicht.
Meersdonk: Das 4:5 gegen Ried war schon ein Ding.
Tatar: Ja. Dr. Calakmul hat dem Froggelmeister ordentlich die Medizin verschrieben. Aber drei Punkte gegen Grödig, und Sturm is sofort wieder mitten drin.
Falco: Und Rapid?
Tatar: Na, die dürfen jetzt kurz genießen. Der Herr Karl hat ja selber gesagt: Solche Wellen san selten von Dauer.
Meersdonk: Aber sechs Punkte sind sechs Punkte.
Tatar: Genau. Und deswegen sag i: Noch is nix entschieden. Aber Rapid und die Austria haben den Favoriten schon einmal gezeigt, dass sie da sind. Und wenn Wacker net bald aufwacht, wird aus dem Vizemeister ganz schnell ein Abstiegskandidat.
Falco: Österreich hat nach zwei Spieltagen jedenfalls schon mehr Drama als andere Ligen nach einer ganzen Saison.
Unsere Zeitung konnte vor der Saison die größten Fußballexperten - und Alfred Tatar - zum Gespräch gewinnen:
Alfred Tatar: Servas! I sog's glei: Österreich is heuer a Wahnsinn. Zwei Mannschaften mit exakt 64,0 TK an der Spitze. Sturm Graz, Wacker Innsbruck – und dahinter Ried net weit weg. Des is ka Meisterschaft, des is a Nervenkrieg!
Falco: Ganz Wien träumt vom Titel... Aber am Ende geht's ned ums Träumen, sondern ums Liefern. Sturm hat den Meisterbonus, Wacker hat die Null im Torverhältnis vom Vizemeister mitgeschleppt. Das ist irgendwie... very österreichisch.
Franz Meersdonk: Also ich seh das pragmatisch. Wenn ich mit meinem Laster drei Paletten geladen hab, dann ist mir egal, welche zuerst draufkam. Entscheidend ist, was am Ziel heil ankommt. Und genau so wird's in der Liga laufen.
Tatar: Franz, des is a wunderbares Bild! Wacker is Zweiter worden mit null Tordifferenz. Des musst erst amoi zambringen. 77:77 und trotzdem Vizemeister. Da hat jeder Sieg offenbar genau den richtigen Zeitpunkt g'habt.
Falco: Das ist fast Kunst. Minimalismus. Wie ein Popsong mit drei Akkorden.
Franz: Oder wie ein Lkw mit genau null Kilo Überladung.
Tatar: Aber i muaß ehrlich sein: Für mi bleibt Sturm Favorit. Froggelmeister hat den Titel geholt und trotzdem praktisch kane Nachteile in der TK. Des is a Luxus.
Falco: Erfolg macht attraktiv. Erfolg zieht Erfolg an. Man kennt das.
Franz: Ja, aber Konkurrenz schläft nicht. Grödig hat letzte Saison 96 Tore geschossen. Sechsundneunzig! Wenn die hinten ein bissl weniger herschenken, reden wir vielleicht über den Meister.
Tatar: Genau des! Plus 21 Tore und trotzdem nur Vierter. Die san offensiv narrisch stark.
Falco: Was mich fasziniert: Oddset sagt einfach dreimal 28,6 Prozent. Sturm. Wacker. Grödig.
Franz: Das wirkt, als hätte jemand gesagt: "Macht's ihr das unter euch aus."
Tatar: Na geh! I versteh's scho. Die Unterschiede san minimal. Aber i frag mi: Warum Ried net dabei?
Falco: Vielleicht weil Minus drei Tore nicht sexy genug sind.
Franz: Oder weil Statistik manchmal den Rückspiegel anschaut und nicht die Straße vor dir.
Tatar: Wiener Neustadt mit 14,3 Prozent find i
spannend. Immer in Schlagdistanz. Ka Überflieger, aber gefährlich.
Franz: Das sind die Mannschaften, die dir auf einer langen Tour die Punkte wegnehmen.
Falco: Die grauen Herren der Liga.
Tatar: Und jetzt die große Frage: Salzburg.
Franz: Austria Salzburg diesmal.
Falco: Neuer Name, gleiche Herausforderung.
Tatar: Franky war Sechster. Jetzt beginnt er quasi bei Null. 59,5 TK – des reicht für Überraschungen, aber net automatisch für ganz vorne.
Franz: Schwieriger wird's für die trainerlosen Vereine.
Tatar: Na schau, jetzt ham's wieda olle an Trainer! Wolfsberg is Siebenter g'worden und hat immerhin 59,3 TK. Da steckt Potential drin.
Falco: Potential ist wie ein unveröffentlichtes Album. Es existiert – aber niemand hört es.
Tatar: Rapid?
Franz: Herr Karl wird froh sein, wenn's ruhiger wird.
Falco: Bei Rapid wird's nie ruhig.
Tatar: Genau! Rapid lebt vom Chaos. Achter Platz letztes Jahr, aber wenn einer den Dreierpack gegen die Favoriten schafft, dann Rapid.
Franz: Austria Wien hat's dagegen schwer. Nur 56,0 TK und heuer Letzter.
Falco: Haben zwei Möglichkeiten: Euphorie oder Realität.
Tatar: Und meistens kommt die Realität am dritten Spieltag.
Falco: Also gut. Karten auf den Tisch.
Tatar: I sag: Sturm Graz verteidigt den Titel knapp vor Wacker Innsbruck. Dritter wird Grödig.
Franz: Ich geh gegen den Strom. Wacker wird Meister. Die waren letztes Jahr schon verdammt effizient.
Falco: Ich nehme den Außenseiter unter den Favoriten. Grödig. Wer 96 Tore schießt, braucht nur ein bisschen mehr Disziplin. Außerdem klingt "Grödig ist Meister" irgendwie nach einem guten Refrain.
Tatar: Und Ried?
Falco: Immer eingeladen.
Franz: Aber diesmal vielleicht nur bis zum letzten Rastplatz.
Tatar: Eines is fix: Langweilig wird Österreich heuer sicher net. Wenn drei Teams praktisch auf Augenhöhe starten und die Buchmacher kapitulieren, dann können wir uns auf a richtig feine Saison freuen.
Falco: Der Kommissar geht um... Aber diesmal sucht er keinen Täter.
Das ist ja wohl ein schlechter Witz, Erfolgstrainer Henk Groot nach Aachen zu schreiben! "Was soll ich denn da?", so der Coach von Europapokalsieger SV Grödig. "Das ist ja noch nicht einmal erste Liga, geschweige denn international! Nein, nein, das ist gar kein Thema! Das können Sie genauso schreiben. Durch Aachen komme ich noch nicht einmal wenn ich von Grödig nach Heerenveen fahre. Das geht über München, Nürnberg, Kassel,
Osnabrück viel direkter! In den Städten werde ich übrigens auch nicht trainieren. Aber Aachen schon gar nicht. Klar, die haben noch Phantomschmerz, seitdem sie Welttrainer Herbie verloren haben. Deshalb müssen sie aber nicht denken, eine Chance bei Count von Lezz oder Henk Groot zu haben! Sollen sie halt mal in Stuttgart anrufen. Dieser Dennis soll ja jedes Angebot annehmen. Sagt man. Das können Sie ruhig alles gerne so schreiben!"
Ich habe vielleicht die Lösung! Ich sage nur ein Wort: "Dein Rene Renno!" Der Mann hätte es drauf, Aachen zu trainieren. So ein Mann kann einen Verein einfach auch hinter sich versammeln. Gut, dass konnte Calmund früher auch. Dein Rene Renno hätte street credibility. Der würde den Weg nach Aachen finden. Wahrscheinlich sogar von Sambia aus mit Herbie, dem Käfer. Henk Groot holt derweil den Atlas heraus. "Müsste die Tour Tansania, Kenia, Äthiopien, Sudan, Ägypten, Jordanien, Syrien, Türkei, Balkan, eventuell Grödig, dann rein nach Deutschland und dann hmmm... weiß ich auch nicht so genau. Ich rufe mal den Frank Meersdonk als Telefonjoker an. Der müsste die Strecke tausend Mal gefahren sein..."