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COPA NEWS

Zwei Tüten, kein Zug
Küche in Tashkent. Hikari stellt zwei prall gefüllte Einkaufstüten auf den Tisch.

«Reis?»
«Da.»
«Öl?»
«Auch.»

Seine Frau zieht ein Bündel verdächtig grüner Pflanzen aus der zweiten Tüte.

«Und das sollen Möhren sein?»
«Der Mann im Parkcafé sagte, das sei eine einheimische Sorte.»
«Das sieht aus, als würde man es eher rauchen als essen.»

Hikari hatte bereits Ähnliches vermutet. Deshalb hatte er zwei Tische neben Bernd W. gesessen und das Gemüse bewacht. Das mitgebrachte Schachbrett diente nur der Tarnung. Während Bernd einen gewissen Jamal Bond mit zehn Millionen serbischen Dinar auf Elvijra

und Oksana ansetzte, hatte Hikari tatsächlich keinen einzigen Zug gemacht.

Auf dem Platz waren es zuletzt immerhin genug: Olmaliq wurde 3:0 geschlagen, bei Qizilqum setzte es anschließend ein 0:2. Pakhtakor bleibt Dritter.

Am Freitag kommt zunächst das punktlose Nasaf nach Tashkent. Danach wartet auswärts Sogdiyona mit Oma Erni, die ihren neuen Arbeitsplatz durch einen falschen Klick erhielt.

Hikaris Frau drückt ihm das verdächtige Gemüse wieder in die Hand.

«Nimm das zu Oma Erni mit. Entweder weiß sie, was es ist, oder sie legt es in Wodka ein.»
«Und Nasaf?»
«Bring erst sechs Punkte nach Hause.»
«Und dann?»
«Dann reden wir noch einmal über deine Einkäufe.»
27.08.2026 16:22 - Hikari - FC Pakhtakor Tashkent (0.3 TK)
 
Vier Tore, kein Reis
Küche in Tashkent. Hikaris Frau nimmt ihm die leere Einkaufstasche ab.

«Reis?»
«Ausverkauft.»
«Öl?»
«Auch.»
«Was hast du dann mitgebracht?»
«Vier Auswärtstore.»

Bunyodkor hatte nichts dagegen. Pakhtakor gewann 4:0 und steht nach dem ersten Spieltag auf Platz drei. Nach sechzehn Trainerjahren ist Hikari vieles genannt worden. Effizienter Einkäufer gehörte bisher nicht dazu.

Auf dem Küchentisch liegt die Zeitung. Pepeke Khan kündigt an, erst hoch zu reiten und danach mit Bernds Lok nach Tashkent zu kommen. Hikari

nimmt den Einkaufszettel und schreibt darunter: Reis, Öl, Möhren. Wer ohnehin in die Hauptstadt fährt, muss nicht mit leeren Händen anreisen. Ob Steppenfürst, Lokführer oder Horst ist seiner Frau egal. Nur Vodka-Redbull wird nicht angenommen.

Vorher empfängt Pakhtakor Olmaliq, das zum Auftakt fünfmal traf. Danach geht es zu Qizilqum, das ebenfalls mit einem Sieg begann. Die nächste Einkaufstour dürfte also teurer werden.

«Und wenn Pepeke nichts mitbringt?»
«Bernd fragen.»
«Und wenn beide nur trinken?»
Hikari faltet die Liste zusammen.
«Horst.»
19.08.2026 20:59 - Hikari - FC Pakhtakor Tashkent (0.3 TK)
 
Meisterschaft nicht vorrätig
Ein Laden in Tashkent. Hikari reicht der Verkäuferin den Zettel seiner Frau.

«Reis ist aus. Öl auch. Möhren ebenfalls.»
«Plov?»
«Vergessen Sie es.»

Seit dreizehn Saisons kauft Hikari hier ein. Heute weiss er genau, was er will. Natürlich ist nichts da.
Hinten stehen vier neue Regale.
«Drei leer.»
«Sie haben für die Erweiterung gestimmt.»
«Stimmt.»

Nasaf, So'g'diyona und Sho'rtanneftgaz kamen ohne Personal. Auch Bunyodkor ist unbedient. Hikari legt dort heute alles auf den Tresen.

Auf einer Getränkekiste liegt die Sportzeitung. Felixus

nennt Platz fünf «durchaus erfolgreich», den eigenen Wettbewerb aber «Cup der Verlierer». Danach fragt er, ob schachspielende Alkoholiker neue Trainer abschrecken.
Hikari legt die Zeitung zurück. Die Werbung für Usbekistan läuft offenbar über Namangan.
Pepeke Khan freut sich derweil über «mehr Gelegenheiten, um am Saisonende knapp zu scheitern».
Der Mann weiss, wovon er schreibt.

Tor-Stan und Bananenbieger kaufen inzwischen in den Emiraten. Der Letzte der Vorsaison sitzt nun auf dem Stuhl des Meisters.
Das Telefon klingelt.
«Hast du alles?»
«Nichts.»
«Dann nimm, was übrig ist.»
14.08.2026 00:44 - Hikari - FC Pakhtakor Tashkent (0.3 TK)
 
Wegzoll
Am Stadttor von Tashkent, wo die Seidenstrasse eng wird, sitzt Hikari mit einem Zollbuch. Drei Karawanen sind angekündigt: Samarkand, Muborak, Lokomotiv. Alle wollen zur Krone. Alle müssen hier vorbei.

Pakhtakor selbst reist nirgendwohin mehr. Siebter, nichts zu gewinnen, die ganze Saison kein einziges Remis. Wer nur Sieg oder Niederlage kennt, hat für Durchreisende wenig Geduld.

Zuerst der Khan aus Samarkand. Führt die Tabelle an, verkündet feierlich seinen letzten Ritt und schleppt eine Karawane aus Lahmen und Halbwüchsigen heran, weil ihm der halbe Tross im Lazarett liegt.

„Fürstlicher Besuch", notiert Hikari. „Zahlt in Naturalien."

Dann Muborak. Tanzte europäisch bis ins Halbfinale, fällt daheim aus den Top fünf und sucht die Schuld beim Wetter. Ein Händler, dem die Ware verdirbt, kurz bevor er den Markt erreicht.

Navbahor hat hier schon Zoll gelassen. Ein zu null, letzten Monat.

Vier Punkte trennen fünf Fürsten. Und der Weg zur Krone führt durch ein Tor, an dem einer sitzt, der selbst nichts mehr will außer der Rechnung.

Hikari schliesst das Buch. „Durchgewinkt wird hier keiner."
17.07.2026 00:16 - Hikari - FC Pakhtakor Tashkent (0.3 TK)
 
Twin Towers
In der Choykhona von Tashkent saß Hikari vor einem Schachbrett, einer kalten Teekanne und sechs Rechnungen. Navbahor, Bunyodkor, Andijon, Samarkand, Mashal, Lokomotiv. Der Kellner fragte: „Noch Tee?“
Hikari sah auf die Tabelle. „Nein. Bring Benzin.“

Pakhtakor war zuletzt abgestürzt wie die Twin Towers - schon von AFC Cup geträumt und bei „Andijon knapp hinter dir“ angekommen. Null zu elf in drei Auswärtsspielen, daheim plötzlich Löcher im Teppich. Sogar Buxoro kam, legte die Füße auf den Tisch und nahm vier Tore mit, als wären es Gratisnüsse.

Der Co-Trainer räusperte sich. „Navbahor kommt ans Brett.“
„Gut“, sagte Hikari. „Dann

sehen sie wenigstens, wo Figuren sterben.“

Bunyodkor auswärts, Andijon auswärts, das klang wie zwei Zahnarzttermine ohne Betäubung. Aber dann: Samarkand, Mashal, Lokomotiv, alle in Tashkent. Tabellenführer, Zweiter, Meister. Drei Herren mit Kronen, drei Stühle über einer Falltür.

„Pepeke Khan glaubt, er führt die Liga“, sagte der Co-Trainer.
Hikari schob einen Bauern nach vorn. „Ein Khan ist auch nur ein Tourist, wenn er in Tashkent falsch abbiegt.“

Pakhtakor kennt keine halben Sachen. Kein Remis, kein Trost, kein höfliches Nicken. Nur Sieg oder Gesicht im Plov. Noch sechs Spiele. Und am Ende entscheidet Hikari nicht die Meisterschaft. Er beschädigt sie fachgerecht.
10.07.2026 10:45 - Hikari - FC Pakhtakor Tashkent (0.3 TK)
 
Schluckauf in drei Zügen
Zwischen zwei Schalen Tee lag in der Choykhona ein Brett mit drei schwarzen Flecken: 0:5 in Samarkand, 0:3 in Muborak, 0:3 bei Lokomotiv. Hikari betrachtete sie wie missratene Züge. Platz sieben, 36 Punkte, 54:58 Tore, zwölf Siege, fünfzehn Niederlagen. Kein Remis. Wie überall in dieser Liga. Halbe halten nicht.

Dreimal auswärts versunken. Und jetzt wieder zweimal hinaus.
Hikari hob die Schale. „Pakhtakor hat draußen erst zweimal gewonnen. Ein Schluckauf wird trotzdem nicht bekämpft. Man hält die Luft an und wartet.“
Pepeke Khan hatte aus Hikari ein hik hik gemacht und danach fünf Tore serviert. Hübsch. Nur ist ein Khan keine Schachfigur. Dort fällt am Ende der König. Mancher Herrscher merkt erst beim Opfer, dass er bloß ein Bauer war.
Zunächst wartet Olmaliq. Das Schlusslicht besitzt eine Stellung mit 72 Löchern. Selbst Schwarz trifft dort nach Belieben.

Wer 72 Felder offen lässt, ist matt, bevor die Uhr läuft. Danach Neftchi. Dann Buxoro in Tashkent.

Team Oksana reist an.
Vor Hikaris innerem Auge lagen sieben nackte Trainer zwischen Flaschen, Kondomen und Jointresten, während der nüchterne Bernd W. das Ende der Zivilisation verwaltete. Die zwei himmlischen Töchter aus der Charoshi Phiki Bar hatten ganze Arbeit geleistet. Hangover IV, nur ohne Drehbuch.
Buxoro kommt als Vierter mit 45 Punkten und sucht vermutlich noch den Kater. Pakhtakor hat die Partytruppe daheim schon einmal 5:0 zerlegt. „Kondome statt Bauern“, sagte Hikari. „Rausch statt Ruhe. Tief stehen, früh stechen, spät leiden. Diesmal leidet der andere.“
Der Co Trainer zog den König zurück.

Und Samarkand?
Hikari lächelte. Noch zwei Züge. ZAT 14. Tashkent. Eigenes Brett. Pepeke Khan darf kommen.
Hik. Hik. Ruhe.
Matt in zwei ZATs, Khan.
01.07.2026 21:36 - Hikari - FC Pakhtakor Tashkent (0.3 TK)
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Jetzt mit Schwarz
Zwei Heimspiele, beide mit Weiß, beide verloren: 3:4 gegen Bunyodkor, 1:2 gegen Andijon. Gegen den Achten und den Letzten. Wer daheim gegen das untere Brettende patzt, fällt. Pakhtakor rutscht vom vierten auf den sechsten Platz, 36 Punkte und das Spitzentrio Mashal, Buxoro, Dinamo zieht auf 42 davon. Navbahor (39) und Neftchi (37) stehen dazwischen. Europa ist noch in Reichweite, aber die Reichweite wird kürzer.

Und jetzt? Drei Partien, alle mit Schwarz: in Samarkand beim Dritten, in Muborak beim Ersten, in Tashkent beim alten Meister Lokomotiv. Die schwerste Seite des Bretts und

ausgerechnet auswärts, wo wir in elf Spielen nur zweimal gewonnen haben.

Der Co-Trainer deckt das Brett ab. "Mit Weiß hattet ihr zweimal den ersten Zug und zweimal verloren. Schwarz verzeiht keinen Eröffnungsfehler. Also: kein offenes Visier."
Der Plan bleibt der alte, nur ernster: tief stehen, früh stechen, spät leiden. Aus drei Auswärtsspielen gegen die Besten zählt jeder Punkt doppelt. Wer mit Schwarz ein Remis hält, hat schon halb gewonnen... nur kennt unsere Bilanz kein Remis: zwölf Siege, zwölf Niederlagen, kein einziges Unentschieden.
25.06.2026 12:47 - Hikari - FC Pakhtakor Tashkent (0.3 TK)
 
Weiß zieht zuerst
Choykhona in Tashkent, ein Schachbrett zwischen zwei Schalen Tee. Hikari schiebt einen Bauern.
„Buxoro 0:3, Navbahor 0:3. Zweimal auswärts, zweimal matt."
Der Co-Trainer rückt den Turm: „Gegenwind, wie bestellt. Vom Zweiten auf den Vierten und drei hinter dem Trio."
Oben drängeln sich Mashal, Buxoro und Dinamo auf 39, während halb Usbekistan im WM-Fieber Oksana und Elvijra hinterherreist.
„Gut", sagt Hikari. „Zwei Heimspiele. Bunyodkor, Andijon. Jetzt habe ich Weiß."
Co-Trainer: „Weiß zieht zuerst, gewinnen muss es trotzdem selbst."
Hikari nickt: tief stehen, früh stechen, daheim endlich liefern. Die Fans bringen wieder Popcorn.
18.06.2026 11:55 - Hikari - FC Pakhtakor Tashkent (0.3 TK)
 
Gegenwind
Auswärtsspiele für Pakhtakor, der sich aktuell auf dem zweiten Tabellenplatz befindet. Hikari steigt aus dem Bus und zählt erst die Spieler, dann die Ausreden. Beides reicht knapp. Der Platz riecht nach Arbeit, der Gegner nach Heimbonus und die Tabelle nach „bitte jetzt nicht stolpern“. „Wir müssen mutig auftreten“, sagt Hikari. Der Co-Trainer nickt: „Mutig heißt aber nicht, dem Gegner die Mitte als Gastgeschenk zu überreichen.“ Also Plan für Freitag: tief stehen, früh stechen, spät leiden. Pakhtakor will Punkte. Hikari will Ruhe. Die Fans wollen beides und Popcorn.
10.06.2026 13:02 - Hikari - FC Pakhtakor Tashkent (0.3 TK)
 
Spiegel
Eine Teppichwerkstatt in Tashkent. Der Knüpfer arbeitet an einem Muster, das sich in der Mitte spiegelt. Hikari sieht zu.
„Beide Hälften gleich, Knoten für Knoten. Sonst taugt der Teppich nichts."
„Wie die Tabelle. Wir und Neftchi. Zweiundvierzig Tore, einunddreissig kassiert. Beide. Auf den Knoten genau."
„Und doch hängt eine Hälfte höher."
„Sie stehen über uns. Dabei sind wir derselbe

Teppich."
„Was trennt euch?"
„Zwei Spiele gegeneinander. Eins zu drei, null zu zwei. Zwei Knoten."
Der Knüpfer zieht den Faden fest.
„Zehn Siege, acht Niederlagen, kein Unentschieden. Halbe Knoten gibt es bei Ihnen nicht."
„Halbe halten nicht."
Der Dritte von zehn betrachtet ein Muster, das auf beiden Seiten gleich ist — und begreift, dass Symmetrie nur heisst, dass jemand anders oben hängt.
04.06.2026 17:14 - Hikari - FC Pakhtakor Tashkent (0.3 TK)
 
Springer schlägt Tabelle
Park in Tashkent. Pappelbaum, Schachtisch. Der Rentner mit der Wollmütze hat schon aufgebaut. Hikari setzt sich. Stumm.
"Sie haben verloren."
"Triple."
"Olmaliq?"
"Null zu eins."
"Neftchi?"
"Null zu zwei."
"Buxoro?"
"Fünf zu null."
Der Alte zieht einen Bauern. "Letzter haut Sie um. Erster haut Sie um. Dann hauen Sie den Siebten in Grund und Boden. Das ist keine Tabelle. Das ist ein Würfel."
"Wir waren auf Platz zwei. Punktgleich mit oben."
"Jetzt?"
"Platz

sieben."
"In sieben Tagen."
"In zweihundert Minuten Spielzeit."
Der Alte schiebt einen Springer.
"Schach."
"Wieder."
"Wie die Tabelle. Sie verteidigen nur gegen die, die selbst keine Aufstellung haben."
Hikari blickt auf das Brett. König offen. Dame längst weg.
"Es bleiben noch ein paar ZATs."
"Es bleiben noch dreissig Züge. Spielen Sie."
Beim Pakhtakor ist diese Woche im Spielsystem ein Loch entstanden, das man auch mit fünf Toren gegen den Tabellensiebten nicht zustopfen kann... ausser der Tabellensiebte hat zufällig vergessen, dass er mitspielt.
17.05.2026 13:56 - Hikari - FC Pakhtakor Tashkent (0.3 TK)
 
Lepyoshka
Brotbäckerei in Tashkent. Frühmorgens. Hikari tritt ein. Der Bäcker greift bereits zur gewohnten Tüte.

"Heute nicht."
Der Bäcker hält inne. "Nicht?"
"Etwas anderes."
"Welches denn?"
Hikari öffnet den Mund. Schliesst ihn. Schaut auf die Auslage. Hundert Brote, fast alle gleich. Schweigen.
Der Bäcker legt das gewohnte Brot in die Tüte. Reicht es über die Theke.
"Lehrer. Zwölf Jahre dasselbe Brot, und heute soll's anders sein. Was wollen Sie wirklich?"
"Ich weiss es nicht."
"Sehen Sie. Genau das hatten Sie auch gestern."
28.05.2026 22:42 - Hikari - FC Pakhtakor Tashkent (0.3 TK)
 
Patt
Park in Tashkent. Schachtisch unter einem Pappelbaum. Hikari spielt gegen einen Rentner mit Wollmütze. Vier Stunden.
"Remis?" fragt der Alte.
"21 geschlagene Steine. 21 verlorene."
"Wie die Tabelle?"
"Wie die Tabelle."
Der Alte nickt. "Drei Spiele diese Woche?"
"Beim Letzten. Beim Ersten. Heim gegen den Siebten."
"Letzter, Erster, Siebter. Klingt nach drei Königen ohne Dame."
"Es sind keine Könige. Es ist die usbekische Liga."
"Selbe Sache."
Vor dem Triple-ZAT mit 21:21 Toren scheint beim Pakhtakor auch das Schachbrett perfekt austariert.
15.05.2026 01:49 - Hikari - FC Pakhtakor Tashkent (0.3 TK)
 
Goldene Schale, frei Haus
Trainer Hikari sitzt im Mannschaftsbus nach Samarkand, Tabellenausdruck auf dem Schoß. Platz 2. 19:13 Tore. Als Tabellenletzter gestartet, punktgleich mit der Spitze, gerade Andijon 5:0 zerlegt. „Wahnsinn," flüstert er.
Ein älterer Herr mit weißem Bart steigt zu, setzt sich. „Du bist Trainer? Ich sehe dein Schicksal. Du wirst Meister. Pakhtakor. Sicher. Goldene

Schale." Hikari nickt selig.
„Wirklich?"
„Hundertprozentig."
Beim Aussteigen drückt der Alte ihm einen Zettel in die Hand. Im Bus liest Hikari: „Honorar: 200.000 So'm. Astrologe Akbar, offiziell verbunden mit FK Dinamo Samarkand."
Vor dem Spitzenspiel beim Tabellenvierten wird beim Aufsteiger offenbar nicht nur der Platz gekauft.
06.05.2026 22:46 - Hikari - FC Pakhtakor Tashkent (0.3 TK)
 
Im Choykhona
Tashkent. Schatten eines Maulbeerbaums. Grüner Tee dampft. Hikari sitzt. Ein alter Mann setzt sich gegenüber, ungefragt.
"Sie sind oft hier."
"Zwölf Jahre."
"Derselbe Tisch?"
"Derselbe."
"Dieselbe Sorte?"
"Dieselbe."
Wo will der Alte hin.
"Und Ihre Mannschaft?"
"Heim grossartig. Heim furchtbar. In derselben

Woche."
"Aha. Bewegt."
Der Alte nimmt einen Schluck. Schweigt. Lang.
"Sagen Sie, mein Sohn.. wenn man zwölf Jahre denselben Tee trinkt..."
"Ja?"
"...kennt man dann den Tee. Oder kennt man nur die Tasse?"
Sag es nicht.
Hikari schaut in die Tasse. Der Tee schwingt. Wird langsam still.
"Die Rechnung, bitte."
Der Alte lächelt.
"Heute aufs Haus. Sie sind ja Stammgast."
29.04.2026 21:23 - Hikari - FC Pakhtakor Tashkent (0.3 TK)
 
Usbekische Schizophrenie
Taschkent. Es ist zwei Uhr nachts in der usbekischen Hauptstadt, und in einem schlecht beleuchteten Büro des FC Pakhtakor brennt noch Licht. An der Wand hängt eine Taktiktafel, auf der jemand mit zittriger Hand "WARUM?" geschrieben hat. In Grossbuchstaben, dreifach unterstrichen, mit drei Ausrufezeichen. Darunter, etwas kleiner: "Warum tut man sich das an?"

Willkommen in der Welt des Hikari, Trainer von Pakhtakor seit nunmehr zwölf Saisons, Veteran der usbekischen Liga, Mann der stoischen Ruhe und nach dem ersten ZAT der Saison 43 nun offenbar auch Klient einer selbstgegründeten Schlaflosigkeitsberatungsstelle.

Die Fakten: Pakhtakor spielte im ZAT 1 zweimal zuhause. In einem Heimspiel gegen Olmaliq FC setzte es einen 4:2-Sieg. Vier Tore geschossen, zwei kassiert, schönes Offensivspiel, die Ehrenkurve entrollte ein Banner mit der Aufschrift "Hikari - Licht über Taschkent", und der Lokalreporter der "Tashkent Times" verglich den Trainer in seinem Spielbericht mit Tamerlan, Avicenna und, offenbar ohne den eigenen Geschmack zu hinterfragen, mit Rudi Völler.

Im anderen Heimspiel gegen FK Neftchi Farg'ona: 1:3. Eins zu drei. Zuhause. Gegen eine Mannschaft, die in der Vorsaison den neunten Tabellenplatz belegte. Das Banner mit "Licht über Taschkent" wurde diskret wieder eingerollt, ein Teil der Ehrenkurve sang ein Lied, dessen Text sich frei übersetzen lässt mit "Wir haben schon Schlimmeres erlebt, aber nicht viel", und der Lokalreporter der "Tashkent Times" verglich den Trainer in der Zusammenfassung mit... nun, niemandem mehr. Er beliess es bei den Zahlen.

Tabellarisch steht Pakhtakor nach ZAT 1 auf

Platz 5 der Professional Futbol Ligasi. Ein Sieg, eine Niederlage, fünf Tore geschossen, fünf kassiert, Tordifferenz exakt null. Es ist die Art von Bilanz, die man bekommt, wenn man einen Münzwurf als taktisches Konzept verkauft und dabei zufällig einmal Kopf und einmal Zahl bekommt.

"Wir haben in diesem ZAT gezeigt, was wir können", erklärte Hikari auf der Pressekonferenz mit einer Miene, die zwischen tiefer Resignation und leichtem Galgenhumor changierte. "Und leider auch, was wir sonst noch können. Der aufmerksame Beobachter wird festgestellt haben, dass die beiden Demonstrationen nicht ganz miteinander übereinstimmten. Das ist, höflich formuliert, verbesserungswürdig."
Auf die Frage eines Reporters, wie es möglich sei, dass dieselbe Mannschaft derart unterschiedliche Leistungen abliefere, antwortete Hikari: "Tja. Genau das ist die zentrale Frage, die ich mir seit Schlusspfiff selbst stelle. Man könnte die These aufstellen, dass meine elf Stammspieler in diesem ZAT sowohl ein Spiel gewonnen als auch verloren haben. Mathematisch ist das eine spannende Angelegenheit. Pädagogisch leider etwas frustrierend."

In weniger öffentlichen Momenten soll Hikari zu seinem Assistenten gesagt haben: "Weisst du, was das Frustrierende an diesem ZAT ist? Wir sind mit derselben Ausrichtung in beide Spiele gegangen. Im einen sind wir eine seriöse Spitzenmannschaft. Im anderen wirkten wir, als wäre der Mannschaftsbus auf dem Weg zur Bowlingbahn falsch abgebogen. Erklär mir das."
Der Assistent soll geantwortet haben: "So ist das eben, Chef. Deshalb trinken wir ja."
Hikari soll daraufhin gelacht haben. Lange. Und beunruhigend herzlich.
21.04.2026 12:52 - Hikari - FC Pakhtakor Tashkent (0.3 TK)
 


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