Jaja, das 19. Nokia-Duell steht bevor. Und es könnte so spannend sein: Schließlich bildeten die beiden Vereine noch nie so gegensätzliche, extreme Pole wie heuer. Auf der einen Seite ist der HJK Helsinki mit Semon Lehntola, der Fast-Meister der letzten Saison, der sich viel gut gemeinten Spott von seinem Kontrahenten CvL anhören musste. Entsprechend gereizt ist das Umfeld von HJK was den AC Oulu anbelangt. Dieser
wiederum ist von der Erfolgsspur der letzten Jahre etwas abgekommen. Eine gute, aber eben nicht überdurchschnittliche Saison fand ihren Klimax im Erreichen des dritten Platzes. Aber irgendwie ist der Drive draußen. Gelassen fast schon gleichgültig nimmt der Erfolgscoach Count van Lezz vom ACO zur Kenntnis, dass das Nokia-Duell bevorsteht. Er flüchtet lieber aus dem tristen Ligaalltag in die Glamourwelt des Ouropapokals.
Ein großer Trainer hat die Veikkausliiga verlassen. Er wird eine große Lücke hinterlassen. Nicht nur in Finnland. Die Begegnungen gegen Vaasan Palloseura waren für mich stets ein Highlight. VaPS war für mich ein wichtiger Teil Finnland. Und ein gefürchteter Gegner obendrein. Was habe ich mir doch den Kopf über die Spiele gegen den Herrn Moresmo zerbrochen. Weiß er,
dass du denkst, dass er weiß, dass du vermutest, dass... ? Auch wenn die Historie anders ausschaut mit nur vier geschossenen Auswärtstoren: Du warst und bist ein Großer. Ob sportlich oder journalistisch. Mit dir, mein Weggefährte, mein alter Freund, war die Veikkausliiga was Besonderes.
Der längste amtierende Meister Finnlands, Archiebald M(or) hat die Veikkausliiga verlassen.
Es ist traurig aber wahr. Count van Lezz, bekennender Verfechter einer Petition, die zum Ziel hat die Auswärts-Drei, umgangssprachlich auch Idioten-Vier genannt, aus dem Zugabgabeprotokoll zu verbannen, hat am 22. Spieltag ein Sakrileg gebrochen. Er hat sie nämlich verwendet. Die A3. Was sagt CvL dazu? "Eigentlich hätte ja auch die Auswärtszwei gereicht. Aber fragen sie doch mal tric-o-tronic wie sicher
die Patenzugregelung heuer noch ist. Dieses Risiko wollte ich einfach nicht eingehen. Natürlich tut es mir im Herzen weh. Aber heute war so ein Tag!" Einfach nur traurig, dass wir mittlerweile schon unsere eigenen Prinzipien über Bord werfen müssen. Aber nun gut, dafür ist ja der Count bekannt, dass er sich heute nicht mehr für sein gesprochenes Wort von gestern interessiert. Und genau deshalb freut er sich noch auf ein Jahrzehnt beim AC Oulu.
Für Oulu geht es mal wieder um Alles. Wie so gut wie jede Saison. Schafft der ACO die Rückkehr in die Champions League. Der Bühne, wo Träume Wirklichkeit werden können und wo der AC Oulu unter Count van Lezz ein gefürchteter Gegenspieler für sämtliche europäische Vereine ist (wenn es zumindest nach CvL geht). Doch dafür fehlen sechs Punkte, d.h. beide Spiele müssen gewonnen werden. Denn ähnlich wie einst in Saison 32 ist RoPS mit Meister Lampe der größte Konkurrent.
Es freut mich übrigens, dass du immer noch dabei bist. Genauso wie unser jüngster, Bendaman, Haka weiter die Treue hält. Du wirst es nicht bereuen! ;-)
Die Saison neigt sich dem Ende entgegen. Gerade für den AC Oulu haben diese letzten sechs Spiele eine besondere Bedeutung. Es geht darum ein würdiges Ende für eine großartige Ära zu finden. Die Frage ist nur wie? Wie kann Trainer Count van Lezz noch die letzten Prozente herauskitzeln? Gibt es Möglichkeiten? Was sagt er dazu? „Naja, man muss sich ja nur in der Liga umschauen. Die Mannschaft der Stunde, der FC Kiffen 08. Kiffen, hihi. hat ein einfaches Erfolgsrezept, dem auch ihr ehrgeiziger Trainer nachgehen tut. Hihi, nachgeht. Wir denken, wir haben es identifiziert. Hihi.“ So der Trainer von AC Oulu, der in Rätseln spricht und leicht rot unterlaufene Augen hat, Count van Lezz. Na dann: Toi, toi, toi!
Beruhend sich Coujon Vanlezzy zurücklehnen. Hatte er doch befürchtet, dass HJK Helsinki Meister werden wird, weißt du. Aber zum Glück es geben tut den Weltkiffer. Der haben immer so viel Richtigkeit mit seinen Prognosen, klar doch ist. Saison 33 sicherer Meister Allianssi gewesen sein soll. In 34 Kiffen soll sicherer Meisterschaft sein. Auch wieder nicht. Am Endlichkeit es dann immer wieder war Oulu. Wenn also Weltkiffer mit größter Absolutheit sagt, dass HJK Meisterschaft wird, können das nur gut für den Coujon und Oulu sein. Welch größtmögliche Sicherheit das sein! Also nochmal Meisterschaft sein. Dank Weltkiffers sicherer Prognosigkeit.
Immer wieder lustig, der Lehntola. Er denkt, er wüsste alles. Er hätte die Welt schon gesehen. Wüsste um alles Bescheid. Doch er weiß gar nichts. Noch ist die Meisterschaft noch nicht im Sack. Gestürzt sind schon so viele aus ähnlicher Situation. Frag doch mal den Hansen. Der kann dir ein Lied von singen. Vier schwere Heimspiele stehen noch bevor, Semon. Und noch viel schwerere sechs Auswärtsspiele... Mit 45 Punkten ist noch keiner hier Meister geworden. Noch hat die dunkle Bedrohung die Macht noch nicht errungen. Es ist Zeit für die Revolution. Diesen Meister hat das Volk der tapferen, wackeren, klugen Finnen nicht verdient! REVOLUTION!
Jaja, der gute alte Semon. Zetern kann er ja schon wie ein Großer. Wäre er was das Sportliche anbelangt, doch auch so kreativ. So ließ er doch vor geraumer Zeit noch verlauten, dass er jetzt international die Kohlen aus dem Feuer holen musste. Oulu sei ja schon draußen. Hmm. Nun ist halt der HJK schon draußen. Wie immer. Jede Saison. Egal wie er sich auch anstrengt. Der HJK wird unter
Semon Lehntola immer eine graue Maus bleiben und muss jede Saison aufs Neue darauf Acht geben nicht noch die zweite Geige in Helsinki zu spielen. Der ACO hingegen hat seinen Worten schon vor sehr langer Zeit viele Taten folgen lassen. Die ersten Saisons nach der Renaissance der Veikkausliiga werden als die Oulu-Jahre in die Geschichte eingehen. Der HJK wird – wie immer – hingegen nur eine Randnotiz wert sein.
Ganz, ganz bittere Pille für den AC Oulu. Sah man sich letzte Saison noch auf dem Zenit und wurde wider Erwarten dann doch noch eines Besseren belehrt, ist das diese Saison definitiv nicht mehr der Fall. Die Champions League gerät aus der Sicht. Das Minimalziel, die erneute Qualifikation für die Königsklasse, wird wohl nicht erfüllt. Und zu allem Überdruss wird der verhasste Snob aus der arroganten Hauptstadt erstmals Meister. Es wird ihn ja niemand mehr daran hindern können. Und irgendwie will außer dem Count sonst niemand mehr Meister werden. Und eben selbiger hat es nicht mehr in der Hand. Oh du grausame Welt!
Da ist es nun also passiert. Genauso schmerzhaft wie letzte Saison. Wenn nicht sogar noch schlimmer. Das unweigerliche Aus in der zweiten Gruppenphase der UEFA Champions League ist nun bittere Realität. Eine einzigartige Chance wurde achtlos weggeworfen wie ein Präservativ auf einer U18-Party. Oh, du bittere Welt! Es wäre zu schön gewesen. Das Jubiläum, 50 Ausgaben AC Ouropapokal, was gleichbedeutend mit dem 50. internationalen ZAT ist, und zugleich die Möglichkeit an Gimnasia La Plata vorbei zu ziehen. Nummer Eins der Welt zu werden. Das kleine provinzielle Team aus der nördlichsten Großstadt ganz Copamundials. Es sollte nicht sein. Und zu allem Überdruß steuert der Erzfeind aufs Double hin. Es tut alles soooo weh.
„Ja genau! Ganz Copa! Hicks!“, so der leicht angeschwipste Count van Lezz. Sagt es und nimmt einen weiteren Schluck aus dem großen Weizenglas. „Wissen Sie, Trainer in Finnland zu sein, macht einfach nur Spaß! Man hat so schön seine Ruhe, wird ab und an mal Meister und ist eigentlich immer für den Ouropapokal qualifiziert. Ein wirklich schönes Leben hier oben im hohen Norden ist das!“ Daraufhin nimmt der Trainer des AC Oulu das Whiskey-Glas an
den Mund und erzählt weiter: „Portugal ist ja schön und gut. Ist ja auch schön warm da unten. Vielleicht gefällt es dem Paulo deshalb da so gut. Soll ja gut für den Kreislauf sein. Und die Rentnerfincas sind auch recht günstig. Aber für mich ist das nicht. Meine Karriere ist noch lange nicht zu Ende! Es werden noch einige Titel und Meilensteine folgen!“ sagt van Lezz. Er nimmt die Vodka-Flasche an den Mund, schluckt, grinst und kippt vom Stuhl um.
Wir erinnern uns. Zu einer Zeit, als in Finnlands Fußballstadien die Rasen noch nicht beheizt wurden, Saunieren der Volkssport Nummer Zwei nach Eishockey war und Teams wie Pori, Kotka und der HJK um den Titel mitspielten, gab es einen Fußballer, der seinerzeit wohl als größtes Fußballtalent Finnlands gehandelt worden ist. Sogar der große Jari Litmanen sagte einst, dass "Thorwaldson einfach verdammt gut [ist]. Besser als ich!". Daran musste er sich lange messen, ehe er selbst zum Maßstab für andere geworden ist.
Wir befinden uns in der Count-van-Lezz-Straße 1 in der kleinen Hafenstadt Pori (schwedisch Björneborg) in der Nähe vom bottnischen Meerbusen. Am Rand der Stadt mit rund 83.000 Einwohnern spielen ein paar kleine Kinder Fußball auf einem Feld, das man, wenn man es nicht so genau nimmt, auch mal als Rasen durchgehen lassen kann. Die Kinder rennen um Hütchenfiguren und sind total konzentriert auf den Ball, den sie mit mit einer mehr oder minder, je nach Talent, großen Leichtigkeit, führen. Ein groß gewachsener Mann mit leicht ergrauten Haaren, aber mit Mitte 40 noch im besten Alter, gibt ihnen Tipps und strahlt mit seinem Auftreten und seiner inneren Ruhe eine solche Souveränität aus, dass er sogar flüstern könnte und die kleinen Jungs würden ihn trotzdem hören. Ingmar Thorwaldson, der Torschützenkönig der Primera
Divison mit dem FC Barcelona, ist der Held für diese kleinen Kinder. Sie schauen zu ihm hinauf, sie wollen so ein wie er.
"Natürlich bin ich mir meiner Aufgabe bewusst. Ich strebe nicht nach Größerem. Hier in Pori ist mein Herz zuhause. Es erfreut mich heutzutage genauso mein Wissen an andere weitergeben zu können wie damals in der Champions League Tore schießen zu dürfen. Ich bin froh darüber!", so ein erstaunlich bodenständiger Thorwaldson. Trotz allem ist er auf dem Boden geblieben und ist froh darüber wieder in der Heimat angelangt zu sein. Seine Odysseee ist einzigartig: Einst in Vaasa hat er das Fußballspielen gelernt, über Pori den Europapokal kennen und lieben gelernt und in Bolton schließlich so auf sich aufmerksam gemacht, so dass er zum Höhepunkt seiner Karriere für seinen Lieblingsverein FC Barcelona auf Torejagd gehen durfte. Ein beispielloser Aufstieg für den Sohn eines Arbeiters beim Nokia-Werk und einer Näherin.
Träumt er noch vom großen Fußball? Wäre ein Traineramt bei einem großen Klub nicht doch noch was? "Nein, warum? Hier bin ich daheim. Ich brauche niemandem mehr was beweisen. Außerdem werde ich doch hier gebraucht", sagt er, dreht sich um und kickt einen Ball, der gerade auf ihn zurollt zu einem etwa zehnjährigen Rotschopf zurück. Das Funkeln seiner kleinen Augen wäre selbst bei dichtestem Nebel noch zu sehen.
So noch achtzehn Minuten bis ZAT ist und da steht allenernstes noch ein rotes Kreuz? Das muss natürlich schleunigst behoben werden. In Anbetracht einer drohenden Niederlage gegen Mariehamn, dessen Trainer offensichtlich einen Narren daran gefressen hat, gegen Oulu immer besonders motiviert Tore zu setzen, ist ein bisschen TK auf der hohen Kante nie verkehrt. Die Saison wird lang sein. Und es ist schon jetzt von Vorteil, wenn man an den letzten drei ZATs besonders viel TK hat. Vor allem wenn man Besitzer des AC Oulu ist, Count van Lezz heißt und in den letzten Jahren etwas zu oft einen von Fortuna gebl... bekommen hat. ;-)
Heimlich, still und leise steht das Nokia-Duell vor der Tür. Gerade so rechtzeitig hat dies der streitbare Titelverteidiger Count van Lezz bemerkt. Inmitten von Ouropapokal-Stress und einer Afrika-Rundreise (woher stammt dieser verfluchte Verein?) wäre es ihm fast nicht aufgefallen. Schließlich habe er noch ein Leben neben seinem Trainerdasein bei Copa auszufüllen, so CvL. Ja genau, meinen wiederum die Spötter, Hattrick, Torrausch und ein verwahrlostes Comunio-Team. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, außer eines: Studentsein war auf einmal gar nicht so uncool…
Ach, kann das Leben schön sein. Schon wieder Meister? Auch noch Titelverteidigung? Mit diesem Kunststück der letzten Saison hat sich Count van Lezz, so zumindest seine exklusive Meinung, auf eine Stufe gestellt mit Altmeister carsi.
Natürlich stimmt das nicht ganz. Rekordmeister Kotka, der mittlerweile sein Dasein in der Ykkönen fristet, hat trotz der beachtlichen Aufholjagd des kleinen Provinzvereins aus der
nördlichsten Großstadt Europas, immer noch ein beruhigendes Polster von drei Meisterschaften, die allesamt unter carsi errungen werden konnten. Oulu (drei) beziehungsweise Count van Lezz (vier) muss natürlich noch einige Male mit dem Fußballgott und Fortuna einen flotten Dreier schieben und einige glückliche Meisterschaften erringen um da aufholen zu können. Oder einfach mal so ohne irgendeinen faden Beigeschmack Meister werden.