Rosario.Bogotà. Während Andere sich immer noch mit banalen Fragen beschäftigen, wie die KI endlich einen Spieler finden kann, der kurz vor seinem Karriereende ein Tor gemacht hat, ist Graf Zahl schon weiter. Er hat ihn nämlich endlich gefunden, verkündet er freudestrahlend und geht damit den Kollegen wieder mal ein bisschen mehr auf den Sack. Aber das ist ja nichts neues für den Argentinier, für den sein Verein sicherlich ein Export Control Sheet ordnungsgemäß befüllt hat.
Karla Krause geborene Kolumna: Auf ein Neues! Graf Zahl: Wenn’s sein muss? KKgK: Charmant wie immer. Lassen Sie uns das Presseecho der Woche anschauen. Haben Sie den Handschuh von Luminos wieder zurück erhalten? GZ: Ja, klar. Luminos ist ein Ehrenmann. Nach Gebrauch hat er ihn mir wieder zurück geschickt... KKgK: Nach Gebrauch? GZ: Sì, sì. Leider komplett verschmutzt und übelst stinkend. KKgK: Oh weh. GZ: Nee, der ist immer noch in Argentinien. Aber haben Sie eine Ahnung, was die 8 bedeuten soll?
Anm. d. Red.: Eine fremde Person betritt den Interviewraum. Es ist ein junger Mann, der in Schild mit der Aufschrift „garantiert nicht Luminos“ trägt.
Praktikant (garantiert nicht Luminos): Das sind doch die 8 Gegentore vom 4.
ZAT! GZ: ... und? P(gnL): Verstehst du nicht? Du hast acht Gegentore bekommen! GZ: Wer bist du eigentlich? Und was suchst du hier? Gehört er zu Ihnen, Senorita Krause? KKgK: Ich bin Freelancerin! Ich kann mir nicht mal einen unbezahlten Praktikanten leisten. GZ: Hmm, ich habe wirklich keine Ahnung. Er ist ja garantiert nicht Luminos. Was macht er dann hier? P(gnL): Ich bin da um dich auf deine ACHT Gegentore hinzuweisen! GZ: Ist ja gut jetzt. Wir haben es verstanden. Krasse Sache, leider komplette Nullnummer. Übrigens genauso wie bei Independiente Santa Fe übrigens. Die hatten sogar nur SIEBEN Gegentore bekommen.
Anm. d. Red.: Der Praktikant reißt sich sein Schild „garantiert nicht Luminos“ vom Leib. Er ist... Ja, das ist doch Luminos? Graf Zahl ist sichtbar überrascht.
Luminos: Ja und? Dafür hab ich mehr TK und bin der Jefe hier! KKgK: Also wie ich mir gedacht. Bitte gehen Sie!
Anm. d. Red.: Luminos wird von Sicherheitsmännern herausgezerrt. Er faselt mit Schaum vor Mund nur noch Zahlen wie 7 und 8. Derweil betritt eine weitere Person den Raum.
Count van Lezz: Hallo, bin ich hier richtig? Ich möchte über meinen SECHSTEN Tabellenplatz sprechen?
Italicus schleicht über den nebelverhangenen Fußballplatz. Trotzdem fühlt es sich warm und kuschelig an.
Nur schemenhaft sind die unterschiedlichsten Dinge zu erkennen: Handschuhe, Tabellen, Mikrofone, Bälle, Zahlen (vor allem Achten), Hexen und Puppen.
Im Kopf spuken unzusammenhängende Wortfetzen herum: …stärkste Liga der Welt… …Karla… …Tolima… …Tor vor der Pause… …rückwärts… …Luminos… …letztes Profispiel… …Hex
Hex, Pling Pling, Cartagena spring…
Plötzlich reitet Balaleika auf Sabrina vorbei, bis er in der Ferne die Tabellenspitze erreicht…
Da wacht Italicus auf und weiß: die Realität ist schlimmer. Deportes Tolima mit ihrem Trainer jean baratte steht auf Tabellenplatz 1. So ist das Saisonziel wahrhaft nicht zu erreichen. Solange er an der Spitze sitzt, können die Königlichen nicht vor ihm stehen.
Kalter und warmer Schweiß wechseln sich ab, Italicus möchte lieber wieder schlafen und weiter träumen.
Bogotá. Mittwochmorgen. Die Spieler von Independiente Santa Fe betreten den Trainingsplatz rückwärts.
Der Kapitän stolpert über einen Ball.
„Müssen wir das wirklich machen?“
„jean baratte hat den Presseraum rückwärts verlassen und ist jetzt Tabellenführer.“ „Das kann Zufall sein.“
„Wir sind Letzter. Zufall wäre eine Verbesserung.“
Luminos hat mehrere außergewöhnliche Maßnahmen angeordnet. Der eigene Strafraum ist mit Absperrband versiegelt. Davor stehen zwei Sicherheitsleute, ein Metalldetektor und ein Schild:
Zutritt nur mit Termin. Gegnerische Stürmer unerwünscht. Latexhandschuhe sind anzumelden.
Seit Graf Zahl öffentlich erklärt hat, bei Luminos gerne gut geölte Latexhandschuhe zu tragen, spricht ganz Bogotá vom Handschuh-Gate. Niemand weiß genau, was passiert sein soll. Das hält allerdings niemanden davon ab, Einzelheiten zu erfinden.
Am Eingang des Trainingsgeländes hängt deshalb inzwischen ein zweites Schild:
Hausverbot für Karla Krause geborene Kolumna sowie für Werkzeugkoffer, Puppenspielerhände, warme Mikrofone und vorformulierte Antworten.
Auf dem Platz übernehmen die Verteidiger derweil den Sicherheitsdienst. Mehrere Jugendspieler sollen versuchen, in den Strafraum einzudringen. Sobald einer das Absperrband überquert, ertönt eine Sirene. Anschließend wird über die Lautsprecheranlage Grafs letztes Interview abgespielt.
„Haben Sie Lust auf ein Spiel? Zehn schnelle Fragen?“
Beim dritten Durchbruch werfen sich die Verteidiger bereits freiwillig in jeden Zweikampf. Niemand möchte noch einmal erfahren, welche Farbe Grafs liebster Blumentopf hat. Besonders wirksam ist, dass das Interview nach der achten Frage wieder von vorne beginnt.
„Psychologische Defensivarbeit“, erklärt Luminos. „Entweder ihr haltet den Gegner auf oder ihr hört das noch einmal.“
Am anderen Ende des Platzes steht das Mittagessen hinter dem Tor. Für jeden Treffer öffnet der Koch eine Schüssel. Wer vorbeischießt, bekommt nur die Broschüre über Balkonkraftwerke.
Dann ruft der Sicherheitschef Luminos zu den Überwachungsmonitoren. Vor dem Eingang steht ein junger Mann in einem viel zu großen Anzug. Um seinen Hals hängt ein selbst
gebastelter Presseausweis:
Unabhängiger Praktikant – garantiert nicht Karla.
Hinter der Mauer kauert Karla Krause geborene Kolumna. Sie schiebt dem Praktikanten einen Notizblock durch den Zaun und steckt ihm ein Kabel ins Jackett. Das andere Ende führt zu ihrem Mikrofon.
„Sie versucht offenbar, über den Praktikanten an Sie heranzukommen.“
„Das ist kein Praktikant. Das ist ein menschlicher Mikrofonständer.“ „Sollen wir ihn wegschicken?“
„Nein. Für Praktikanten gilt das Hausverbot noch nicht.“
Wenig später steht der junge Mann neben Luminos. Aus seinem Ohr dringt ein leises Flüstern.
„Herr Luminos, haben Sie Lust auf zehn schnelle Fragen?“
„Nein.“ „Erste Frage: Leder oder Latex?“
Der Metalldetektor schlägt an. Ein Sicherheitsmann zieht einen gut geölten Latexhandschuh, ein Smart Meter und mehrere vorformulierte Antworten aus dem Jackett des Praktikanten.
„Karla?“
Aus dem Ohrhörer ertönt ihre Stimme.
„Das ist eine haltlose Unterstellung.“
„Ich habe den Praktikanten gefragt.“
Der Sicherheitsdienst begleitet den jungen Mann zurück zum Ausgang. Karla rollt bereits das Kabel ein.
„Ein ziemlich kurzes Interview“, bemerkt der Kapitän.
„Eine Frage. Damit war es wenigstens vollständig.“
Zurück auf dem Platz liegt bereits der Spielplan bereit. Santa Fe empfängt zunächst La Equidad, danach kommt Millonarios. Zum Abschluss geht es nach Medellín.
Ausgerechnet Graf Zahl reist also nach Bogotá. Der hatte zuletzt die Schonzeit für beendet erklärt und anschließend drei Spiele verloren. Null Punkte, null eigene Tore, acht Gegentore.
Luminos nimmt einen Beweismittelbeutel aus dem Handschuh-Gate und schreibt eine große 8 darauf.
Der Kapitän betrachtet ihn.
„Was wird das?“
„Grafs vermisste Nummer.“ „Wo wurde sie gefunden?“
„In den Tornetzen von Tolima, Envigado und La Equidad.“
Luminos hängt den Beutel neben den Gästeeingang.
„Und der Handschuh?“
„Den darf Graf mitbringen. Er braucht schließlich etwas, womit er seine Acht wieder herausziehen kann.“
Während ganz Kolumbien auf die Tabelle blickt und Deportes Tolima mit 21 Punkten souverän an der Spitze thront, herrscht bei Trainer jean baratte Alarmstufe Rot.
„Es gibt keine bessere Ausgangslage für den Abstiegskampf als unsere“, erklärte der Franzose mit ernster Miene.
Ein Reporter hob vorsichtig den Finger.
„Trainer… Sie sind Tabellenführer.“
baratte nickte.
„Eben. Jeder erwartet jetzt, dass wir oben bleiben. Das ist psychologisch viel belastender als Platz zehn. Dort interessiert sich niemand für dich. Wir kämpfen also gegen den gefährlichsten Gegner überhaupt: unsere eigene gute Form.“
Für besonders große Erleichterung sorgte der Auswärtssieg bei Luminos Santa Fe.
„Ein riesiger Erfolg. Ich hatte große Angst, dass wir versehentlich wieder Punkte liegen lassen. Aber die Mannschaft blieb konzentriert und hat das Schlimmste verhindert.“
Anschließend habe jean die Spieler ausdrücklich gelobt.
„Ich habe gesagt: Männer, bleibt bescheiden. Wer nach neun
Spieltage Tabellenführer ist, darf niemals vergessen, wie schnell man auf Platz eins abrutschen kann.“
Die Presse war kurz still.
„Äh… Trainer… auf Platz eins sind Sie doch bereits.“
„Genau! Und tiefer als Platz eins geht es bekanntlich ständig. Deshalb müssen wir aufpassen.“
baratte präsentierte anschließend seinen neuen Krisenplan. Jeder Spieler müsse künftig nach jedem Sieg zehn Minuten lang enttäuscht schauen.
„Damit wir den Hunger behalten. Wer nach einem 3:0 lächelt, denkt irgendwann, Fußball wäre einfach. Das wäre fatal.“
Zum Abschluss erklärte der Tolima-Coach seine Saisonziele.
„Meister werden? Natürlich nicht. Das wäre viel zu offensichtlich. Wir wollen die Liga so verwirren, dass am Ende niemand mehr weiß, warum wir Tabellenführer sind. Das ist wahre Taktik.“
Anschließend verließ jean baratte den Presseraum – allerdings rückwärts.
„Man muss den Spitzenplatz schließlich immer im Auge behalten.“
Rosario.Bogotà. Das letzte Woche erschienene Interview hat große Wellen geschlagen. Gut so! Die Schonzeit ist vorbei; hier handelt es sich nicht um einen Ponyhof.
Karla Krause geborene Kolumna: Haben Sie Lust auf ein Spiel? Zehn schnelle Fragen? Graf Zahl: Wenn’s sein muss. Aber wie funktioniert das überhaupt? KKgK: Na, so schwer ist das jetzt wirklich nicht. Ich stelle Ihnen zehn Fragen und Sie müssen sie beantworten. GZ: Mit zählen kenn ich mich aus. KKgK: Reiten Sie eigentlich? GZ: Meine Zeiten als Ritter der einsamen Gestalt, Don Zahlote, sind schon lange vorbei. KKgK: Haben Sie Ihre Stromrechnung bezahlt? GZ: Naturalmente si! Alles per Lastschriftmandat! KKgK: Welche
Staubsaugermarke haben Sie? GZ: Dyson! Das beste ist nur gut genug für mich! KKgK: Welche Farbe hat Ihr Lieblingsblumentopf? GZ: Er ist grau melliert mit türkisenen Punkten. KKgK: Latex oder Leder? GZ: Häh? KKgK: Handschuhe! GZ: Normalerweise Leder. Aber wenn’s Luminos ist, gerne gut geölte Latex-Handschuhe. KKgK: Haben Sie Ihr Balkonkraftwerk angemeldet? GZ: Selbstverständlich nicht! Es ist so klein, es hat keine 2kWp. KKgK: Was ist Ihr Lieblingsplatz im Bus? GZ: Letzte Reihe. Nur die coolen Kids sitzen hinten. KKgK: Danke, das war’s auch schon! GZ: Aber das waren doch keine zehn Fragen? KKgK: Und lustig war’s ja auch nicht.
Bogotá. Karla Krause geborene Kolumna erscheint erneut bei Independiente Santa Fe. Diesmal trägt sie keinen Werkzeugkoffer, sondern eine längliche Plastikkiste mit der Aufschrift:
Fundstücke aus Graf Zahl – rückseitige Öffnung.
Luminos hebt vorsichtig den Deckel an.
Darin liegen eine Puppenspielerhand, ein Unterarm aus Schaumstoff, zwei Meter Verlängerungskabel, ein Smart Meter, Grafs vermisste Nummer 8, eine zusammengerollte Zeitung und ein verdächtig warmes Mikrofon.
„Was ist mit dem Balkonkraftwerk?“ „Hat nicht mehr reingepasst.“
„Hinten ist tatsächlich mehr los als vorne.“ „Das klingt vulgär.“
„Nur wenn man weiss, wo der Stromzähler montiert war.“
Karla nimmt die Puppenspielerhand aus der Kiste. „jean baratte möchte wissen, wer bei Graf ständig hinten drinsteckt.“
„Das erklärt einiges. Vorne spricht Graf, hinten erledigt jemand die eigentliche Arbeit.“
Ganz abwegig ist die Diskussion über vorne und hinten auch
bei Santa Fe nicht. Vorne gelangen in sechs Spielen erst fünf Tore hinein, hinten bereits neun. Platz neun. Selbst der Tabellenstand besteht inzwischen fast vollständig aus Hinterteilen.
Karla blättert durch ihre Notizen.
„Graf Zahl steht dagegen an der Spitze und hat erst ein Gegentor kassiert.“
„Kein Wunder. Bei ihm ist hinten ja ständig besetzt.“
Am Freitag warten Deportivo Cali, Real Cartagena und ausgerechnet jean barattes Deportes Tolima. Drei Gelegenheiten, endlich wieder etwas nach vorne zu bewegen und die Konkurrenz hinter sich zu lassen.
Karla verstaut den Unterarm und das Mikrofon.
„Was soll ich Graf ausrichten?“
„Nichts. Karla Krause geborene Kolumna sollte ihr Arbeitsgerät besser nicht unbeaufsichtigt in seiner Nähe liegen lassen.“ „Und was ist der Plan für den nächsten ZAT?“
„Drei Gegner hinter uns.“
Karla blickt auf die Kiste. „Nur im übertragenen Sinne?“
Luminos betrachtet die lange Gummihandschuhkonstruktion.
„Frag Graf Zahl.“
Das Interview von Graf Zahl hat inzwischen auch Tolima-Trainer jean baratte erreicht. Nach mehreren Tassen Kaffee und einer kurzen Rücksprache mit einem Puppenspieler entschied sich der Franzose, öffentlich Stellung zu beziehen.
jean baratte: „Ich glaube, wir müssen endlich offen darüber reden.“
Reporter: „Über Kolumbien?“
baratte: „Nein. Über die riesige Öffnung auf der Rückseite von Graf Zahl. Das kann doch nicht länger verschwiegen werden.“
Reporter: „Welche Öffnung?“
baratte: „Na dieselbe, die alle aus der Sesamstraße haben! Irgendjemand steckt da ständig drin und bringt ihn dazu, Interviews zu geben.“
baratte legt ein altes Schwarzweißfoto auf den Tisch.
Darauf zu sehen: Graf Zahl, ein Staubsauger und drei erstaunte Lamas.
„Das war
1998. Seitdem glaube ich an alles.“
In diesem Moment kommt Graf Zahl herein.
„jean, hast du zufällig meine Nummer 8 gesehen?“
jean zeigt auf einen Blumentopf.
Graf Zahl hebt ihn an.
„Da ist sie ja! Ich wusste doch, dass sie sich wieder versteckt hat.“
Er bedankt sich freundlich und verschwindet wieder.
Der Reporter starrt ihm hinterher.
„War das… normal?“
baratte nimmt einen letzten Schluck Kaffee.
„Für Graf Zahl? Absolut.“
Kurze Pause.
„Die eigentliche Frage ist nur…“
„…wer heute wieder hinten drinsteckt.“
jean grinst.
„Und ehrlich gesagt hoffe ich, dass er nächste Woche wieder ein Interview gibt. So viel Unterhaltung bekommt man in der Liga schließlich nicht jeden Spieltag.“
Und schon wieder geht es bergab mit den Königlichen, inzwischen ist man soweit unten, dass es (im Moment) gar nicht weiter nach unten geht. Die Verantwortlichen halten sich bedeckt, ein sicheres Zeichen, dass die Luft für Trainer Italicus dünner wird. Oder gar schon zu dünn?
Fakt ist, dass das einzige Saisonziel, nämlich mindestens einen Platz vor jean baratte zu stehen, momentan in weiter Ferne liegt.
Dessen große Liebe (der Abstiegskampf) liegt für diesen genau so weit entfernt.
Angesprochen auf das von der adligen Nummer aufgebrachte homo-erotische Bro-Gehabe äußerte sich Italicus wie folgt: "Es ist klar, dass eine Figur aus den 70ern noch dieses patriarchalische Machogehabe vor sich her trägt, aber sich im Innern nach ganz anderen Dingen sehnt. Er kann nichts dafür, aber es ist traurig."
Die aktuellen mehr oder weniger hübsch verpackten Andeutungen in der kolumbianischen Presselandschaft lassen Flemme erstaunt zurück. Daran wird er sich nicht beteiligen. Muss ja jeder selber wissen, was er so von sich gibt. „Bis auf weiteres werde ich auch keine Interviews mehr geben. Weder Journalistinnen aus Neustadt, noch ansonsten. Klappe zu, Elefant im Raum tot. Licht und Stromzähler aus!“
Flemme sitzt nicht bei den coolen Kids, er hört auch keinen Deutschrap. Er hat eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Flemme sitzt vorne im Bus. Er ist Busfahrer.
kehrt ein bei Once Caldas. Meint zumindest Trainer Balaleika: „Die Jungs haben verstanden, dass wir nicht kopflos nach vorn stürmen dürfen und hinten unseren Torwart mutterseelenallein verwaist zurücklassen dürfen. Der wollte sich schon manchmal adoptieren lassen…mittlerweile stehen wir hinten etwas stabiler. Vorn leiden darunter etwas unsere Qualitäten. Die Liga ist sehr interessant, alles ist möglich -für jeden. Die Truppe ist jung und kann sich noch entwickeln. Ich habe jedenfalls noch kein Rückflugticket gebucht und bleibe engagiert.“
Bogotá. Als Karla Krause geborene Kolumna am Trainingsgelände von Independiente Santa Fe erscheint, trägt sie in der einen Hand ihr Mikrofon und in der anderen einen Werkzeugkoffer. Luminos betrachtet erst sie, dann den Koffer.
„Ist das Interview kaputt?“ „Graf Zahl schickt mich.“
„Dann vermutlich.“
Karla stellt den Koffer ab. Darin liegen ein Stromprüfer, zwei Sicherungen, ein Smart Meter und eine Broschüre über Balkonkraftwerke.
„Graf wollte wissen, ob Sie sich mit so etwas auskennen.“
„Graf Zahl? Der Trainerliebling der breiten Massen?“ „So bezeichnet er sich.“
„Wie breit sind diese Massen?“
Karla blättert durch ihre Unterlagen. „Diese Frage steht nicht auf meiner Liste.“
„Schade. Das wäre erstmals interessant geworden.“
Luminos führt sie zur Trainerbank. Karla schlägt ihren Notizblock auf. Die erste Frage lautet tatsächlich: Kennt Luminos Smart Meter?
„Der Mann ist gerade erst aus dem Urlaub zurück und kontrolliert schon die Stromrechnungen anderer Leute? War das eine Reise oder ein Praktikum bei den Stadtwerken?“ „Er sagt, sein Herz sei noch nicht in Kolumbien angekommen.“
„Dann sollte er zum Fundbüro. Vielleicht liegt es noch auf dem Gepäckband.“ „Das klingt
gehässig.“
„Dafür sind Sie doch hier.“
Karla tippt mit dem Stromprüfer gegen die Broschüre. „Graf wundert sich außerdem, ob Sie schon einmal etwas von Balkonkraftwerken oder der EEG-Umlage gehört haben.“
„Kaum zurück, spricht er über mein Balkonkraftwerk, die Kollegen und seine eigene Gefühlswelt. War im Urlaub niemand da, der ihm zugehört hat?“ „Ich führe hier das Interview.“
„Sehr gut. Beim letzten Mal hatte man zwischendurch den Eindruck, Graf führe es mit seinem Spiegelbild.“
Karla senkt kurz das Mikrofon.
„Soll ich ihm etwas ausrichten?“
„Nicht nötig.“ „Und was passiert am Freitag?“
„Fußball. Ein Format, bei dem wenigstens nicht einer gleichzeitig Reporter, Gesprächspartner und begeistertes Publikum spielt.“
Karla klappt den Notizblock zu und geht Richtung Ausgang. Neben der Trainerbank bleibt die Broschüre über Balkonkraftwerke liegen. Luminos hebt sie auf und schreibt auf das Titelblatt:
Am Freitag geht Santa Fe ans Netz. Die Liga sollte ihre Sicherungen prüfen und Graf Zahl darf schon einmal zählen.
Dann reicht er Karla die Broschüre hinterher.
„Für Graf?“
„Für die ganze Liga. Aber er wird sich ohnehin angesprochen fühlen.“
Rosario. Bogotá. Bislang ist es doch ein Einstand nach Maß für den Trainerliebling der breiten Massen, Graf Zahl. Doch nicht alles ist so wie es scheint. Unsere ausgelutschte Starreporterin Karla Krause geborene Koluma schaut sich das genauer an.
Karla Krause geborene Kolumna: Herzlichen Glückwunsch zum famosen Saisonstart, Senor Zahl! Graf Zahl: Buenos dias, Senorita Krause! Ich sehe, Sie haben endlich den Doppelnamen abgelegt. KKgK: Ja, wissen Sie, dieses Akronym war vielleicht vor zwölf Jahren für unterbelichtete Schimpansen lustig, aber jetzt ist es nicht mal für diese noch witzig. GZ: Si, si. Wir werden alle erwachsen und reifer. KKgK: Sie auch? GZ: Naturalmente sie. Na ja, mit Maßen. Mit dem von der verrückten Rennmaus aus Mexiko plagierten Interviewstil machen wir natürlich auch in 2026 wieder weiter. Periodista: Per favore? GZ: Falsches Land, leg dich wieder schlafen. KKgK: Por supuesto, können Sie diese albernen Seitenhieben nicht lassen, oder? So erwachsen sind Sie dann doch nicht? GZ: Claro que si. Aber was soll das hier gerade werden? Ein selbsttherapeutisches Interview mit mir selbst, wo wir die vierte Wand durchbrechen? KKgK: Sie haben ja Recht, kommen wir wieder zurück nach Kolumbien. Wie läuft es hier? GZ: Sportlich ganz okay,
aber ich bin mit meinem corazon noch nicht hier angekommen. KKgK: Woran liegt's? Heimweh? Schwelgen Sie noch in der Vergangenheit? GZ: Ja tatsächlich. Und irgendwie fremdel ich noch ein bisschen mit den Kolumbianern hier. Ich meine, was soll das alles? KKgK: Bitte führen Sie aus. GZ: Ich verstehe dieses tendenziell homo-erotische Bro-Gehabe zwischen dem Franzosen (?) und dem Italiener nicht. Wenn der eine vor dem anderen stehen will, muss der andere ja dann wieder hinter dem anderen stehen. Sieht so eine Midlife-Crisis aus? Können die nicht einfach sich eine Harley kaufen oder mit der vollbusigen blonden Sekretärin durchbrennen? KKgK: Ja, das ist in der Tat merkwürdig. Aber sicherlich nicht alles, oder? GZ: Ja, tatsächlich. Ich würde mal gerne wissen, ob der lumineszierende Spielleiter schon mal was von Smart Metern und Balkonkraftwerken gehört hat? Auf jeden Fall sehr interessant, was er da zusammen schreibt. Was kommt als nächstes? Berichtet er uns von der EEG-Umlage auf seiner Stromrechnung? KKgK: EEG gibts doch gar nicht in Kolumbien? GZ: Na und? Ich bin doch hier eh nur zum rumzetern da. KKgK: Das haben Sie auf jeden Fall schon geschafft. Wollen Sie auch noch was zu den anderen Kollegen loswerden? GZ: Wem? KKgK: Gracias, das war wieder sehr einleuchtend. Schauen wir mal, was diese Saison noch so bringt!
In Cartagena ziehen die Hunde die Schwänze ein, die Katzen kommen aus dem Buckel-Machen nicht mehr raus, sämtliche Nerven liegen blank und überall fliegen die Fetzen: Deportes Tolima mit dem Trainer jean baratte liegt vor den Königlichen in der Tabelle!
Wie konnte es dazu kommen? Der Fuchs Balaleika, Trainer von Once Caldas, hatte offenbar seine Mannschaft so gut eingestellt, dass sie tatsächlich mit Raketenantrieb an die Tabellenspitze stürmte. Und leider waren dabei die Königlichen aus
Cartagena das Opfer. Trotz drei geschossener Tore verlor man zu Hause gegen die Mannschaft der Stunde, da konnte man sich auch nur bedingt über die Nullnummer und damit den Punkt aus dem Auswärtsspiel gegen Deportivo Cali freuen.
Trainer Italicus wirkte ob des Tiefschlags noch etwas benommen, versucht aber nun, seine Mannen wieder aufzurichten, schließlich geht es jetzt nach einem kurzen Abstecher zum adligen Pesoverein gegen jean baratte selbst! Hier sind alle Tricks gefragt (ob sich da eine Anfrage bei Balaleika lohnt?).
Bei Deportes Tolima wird in diesen Tagen nicht mehr verteidigt – dort wird nur noch mit offenem Visier gelebt.
Trainer jean baratte präsentierte seinen Fans innerhalb weniger Tage das komplette Fußballprogramm. Erst ein spektakulärer 4:3-Heimsieg gegen Independiente Medellin, bei dem jeder Angriff nach einem Tor roch. Anschließend folgte bei Once Caldas eine historische 0:6-Klatsche, bei der die Abwehr vermutlich noch heute nach dem Bus sucht.
Nach vier Spieltagen stehen bereits 16 Gegentore zu Buche – Ligaspitze. Leider in der falschen Statistik.
Ein Reporter fragte jean nach dem Spiel vorsichtig, ob ihn die Anzahl der Gegentreffer beunruhige.
jean lächelte entspannt.
„Überhaupt nicht. Wer sechs Tore kassiert, weiß wenigstens, woran er arbeiten muss. Mannschaften, die nur eins kassieren, haben viel mehr Analysearbeit.“
Auf den Einwand, dass Tolima inzwischen eine Tordifferenz von -8 aufweise, wurde jean sogar nostalgisch.
„Ach… das erinnert mich an alte Zeiten.“
Insider wissen sofort, was gemeint ist.
Denn während andere Trainer von Meisterschaften, Pokalen oder internationalen Nächten träumen, fühlt sich jean traditionell dort am wohlsten, wo jeder Punkt doppelt zählt und der Tabellenrechner bereits im August Überstunden macht.
Ein Vereinsmitarbeiter verriet:
„Nach dem 0:6 wirkte der Trainer fast erleichtert. Er murmelte nur: ‘Endlich wieder vertrautes Terrain.’“
Auch die Defensive soll inzwischen neue Trainingsformen ausprobieren. Angeblich übt die
Viererkette mittlerweile mit aufblasbaren Verkehrshütchen – die bewegen sich wenigstens nicht aus der Position.
In der Kabine wurde nach dem Debakel ein großes Schild aufgehängt:
„Wer heute kein Gegentor verursacht hat, darf zuerst duschen.“
Immerhin gibt es auch Positives zu vermelden: Durch die jüngsten Ergebnisse ist Deportes Tolima wieder an Italicus vorbeigezogen. jean ließ es sich nicht nehmen, seinem langjährigen Rivalen ein paar warme Worte mit auf den Weg zu geben.
„Ich schätze die Arbeit von Italicus wirklich sehr. Er ist ein hervorragender Trainer. Deshalb hoffe ich natürlich, dass wir uns in dieser Saison noch ganz oft gegenseitig überholen. Das hält unsere Freundschaft frisch – und den Tabellenrechner beschäftigt.“
Beobachter sind sich sicher, dass jean dabei weniger den Kampf um die internationalen Plätze im Blick hat.
Vielmehr geht es um die prestigeträchtigen Ranglistenplätze zwischen Platz sechs und neun, wo man sich Woche für Woche mit einem einzigen Gegentor oder einem glücklichen 4:3 die Klinke in die Hand gibt.
Sollte die Gegentorflut in diesem Tempo weitergehen, dürfte jean baratte schon bald wieder sein absolutes Lieblingsthema auspacken:
Den gepflegten, traditionsreichen und nervenaufreibenden Abstiegskampf.
Und wer jean kennt, weiß: Während andere Trainer vor dem Tabellenkeller davonlaufen, bestellt jean dort schon einmal einen Kaffee und sagt mit einem Grinsen:
„Bis nächste Woche, Italicus – mal sehen, wer dann wieder vor wem steht.“
Mit ein wenig mehr Mut vor dem gegnerischen Tor könnte La Equidad jetzt von der Tabellenspitze grüßen. Leider agierte das Team bei Envigado zu mutlos und musste somit die erste Saisonniederlage hinnehmen. Am kommenden Spieltag kommt es nun zum bisherigen Spitzenspiel, wenn Once Caldas zu Gast ist. Ein klarer Heimsieg wird erwartet, um hinterher vielleicht selbst vom Platz an der Sonne grüßen zu können. Und dann noch vielleichter - in einer fernen Zukunft - ab dem vierten Freitag einer Saison nicht nur einen nationalen Zug abgeben zu dürfen.
an die Tabellenspitze stürmt Once Caldas. Balaleika wirkt dennoch etwas unsicher „Ehrlich gesagt, macht mir die Verfassung der Mannschaft etwas Angst. Sie rennen hier an jedem Spieltag, als gäbe es kein Morgen. Man kennt das ja…toller Saisonstart und am Ende geht die Luft aus. Aber was soll ich machen? Ich kann die Jungs schliesslich nicht an das Torgebälk ketten. Wäre ja irgendwie auch nicht mit der Spielidee vereinbar, oder? Deshalb heißt es auch nächste Woche wieder: Volle Pulle und auf sie mit Gebrüll!“.
Jeder Spieler hat die Möglichkeit Berichte für die Zeitung zu verfassen. Für jeden Bericht gibt es bis zu 0,3 Punkte auf das TK deiner Mannschaft.
Bonusstaffel:
ab 150 Zeichen + 0,1 Punkte
ab 250 Zeichen + 0,2 Punkte
ab 500 Zeichen + 0,3 Punkte
Werden pro Runde mehrere Berichte verfasst, wird nur der Erste vergütet.
Für jede Liga ist ein Kolumnist möglich, der regelmäßig Berichte zur Lage der Liga verfasst. Wenn Du Interesse daran hast, schicke eine kurze Mail ans CopaTeam.
Achtung:
Bitte beachte, dass nur ein Bericht pro Spielrunde vergütet wird.
Kopierte oder unsinnige Artikel werden kommentarlos von der Redaktion zensiert.
Im Wiederholungsfall behält sich der Spielleiter strengere Maßnahmen vor, die im individuellen Fall auch bis zur Entlassung führen können!
Gleiches gilt für das Veröffentlichen von selben Berichten für mehrere Accounts oder in der Liga und dem Pokal.