Drei Spieltage, drei Geschichten – und in Rosario brennt die Luft. Zunächst fegte Newell’s Old Boys Atlético de Rafaela mit 4:0 vom Platz. Dann folgte beim 0:4 gegen Argentinos Juniors der sportliche Kater. Doch was anschließend gegen Rosario Central geschah, dürfte die Stadt noch lange beschäftigen: Newell’s verlor das Derby zu Hause mit 1:2 – und für die Anhänger fühlte es sich an, als hätte man ihnen persönlich den Schlüssel zur Stadt gestohlen.
Schon vor dem Anpfiff lag eine Spannung über Rosario, die selbst Kevin Phillips’ geliebter Kaffee nicht hätte beruhigen können. Die Fans erwarteten keinen gewöhnlichen Fußballabend, sondern einen Kampf um Ehre, Stolz und die Vorherrschaft in der Stadt. Jede Grätsche wurde gefeiert, jeder Fehlpass mit entsetzten Blicken quittiert. Als Rosario Central schließlich den entscheidenden Treffer setzte, verwandelte sich die Hoffnung auf einen triumphalen Abend in blanke Verzweiflung. Auf den Rängen herrschte Fassungslosigkeit, während die Gästefans ihren Triumph genüsslich auskosteten. Für sie war es ein Sieg, den man noch beim nächsten Familientreffen, beim Bäcker und vermutlich sogar beim Zahnarzt erwähnen würde.
Und Kevin Phillips? Der englische Trainer soll die Niederlage zunächst mit der Ruhe eines Bibliothekars aufgenommen haben. Ein
Derby sei schließlich auch nur ein Fußballspiel – eine Einschätzung, die ihm in Rosario ungefähr so viel Sympathie einbringen dürfte wie ein Rosario-Central-Schal im heimischen Fanblock. Während die Anhänger bereits vom Ende der Fußballwelt sprachen, soll Phillips lieber seine Notizen sortiert haben. Möglicherweise suchte er auch nach dem spanischen Wort für „Das darf uns nie wieder passieren“.
Tabellarisch steht Newell’s mit 44 Punkten weiterhin auf Rang fünf, nur drei Zähler hinter Spitzenreiter CA Lanús. Doch die Niederlage gegen den Erzrivalen wiegt schwerer als jeder verlorene Tabellenplatz. Die Fans wollen Wiedergutmachung – und zwar nicht irgendwann, sondern am liebsten gestern.
Am nächsten ZAT warten River Plate auswärts, CA Tigre auswärts und anschließend Spitzenreiter Lanús zu Hause (Spitzenreiter und ohne Coach -> eine Ohrfeige für alle anderen 19 Trainer der Liga). Drei schwierige Aufgaben, bei denen Phillips beweisen muss, dass seine Mannschaft mehr kann, als nach einem Derby die Wunden zu lecken. Vielleicht hilft ihm bis dahin auch sein Spanischkurs: Gerüchten zufolge beherrscht er inzwischen „otro café“ und „buenos días“ fließend. Für den Satz „Wir holen uns die Stadt zurück“ dürfte allerdings noch etwas Unterricht nötig sein.
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