Es gibt diesen leisen Sog zurück zu einer Zeit, in der ein ZAT länger vibrierte als sein Ergebnis. Namen, die man nie sah und doch kennt. Plötzlich sind sie wieder da, unverändert in der Erinnerung und man ist froh und spielt einfach weiter.
Daejeon – In der K-League überschlagen sich die Ereignisse, und das bizarre Trainer-Karussell der südkoreanischen Liga hat eine neue Dimension des Absurden erreicht. Ausgerechnet beim Großklub Jeonbuk Hyundai Motors kam es zum vollkommenen Eklat: Der dortige „Supercoach“ zum zweiten Mal in dieser Saison blau gemacht und wurde vom Vorstand umgehend vor die Tür gesetzt!
Doch wer glaubte, Jeonbuk würde nun nach einem neuen Übungsleiter suchen, kennt die Regularien der K-League schlecht. Da das Regelwerk jedem vereinslosen Trainer erlaubt, pro Saison bis zu zweimal einen Posten zu übernehmen, heuerte der entlassene Supercoach kurzerhand – sich selbst wieder bei Jeonbuk an!
Dabei blickte die gesamte Konkurrenz monatelang voller Ehrfurcht und Zittern auf den Krösus: Jeonbuk hortete gigantische Monster-TK-Reserven, und die halbe Liga
befürchtete schon, der Supercoach würde demnächst jedes Spiel mit einer drückenden 6:0-Abfertigung aufrollen. Stattdessen hat der Übungsleiter dem Traditionsverein nun massiven Schaden zugefügt, denn jedes „No Manager Return“ bedeutet gnadenlosen TK-Abzug am grünen Tisch!
Daejeon-Coach Anafal konnte sich beim Blick auf den Jeonbuk-Skandal einen süffisanten Kommentar nicht verkneifen. Kurz und frech grunzend entfuhr es dem DCFC-Cheftrainer im Presseraum: „So super ist der Supercoach scheinbar doch nicht!“
Allerdings mahnen kritische Stimmen in Daejeon zur Demut: Auch Anafal muss sich schleunigst an die eigene Nase fassen! Wer Woche für Woche derart enorme Kraft- und Taktikreserven ungenutzt auf der hohen Kante liegen lässt wie der DCFC-Coach, betreibt schließlich auch nicht gerade die hohe Schule des Supercoachings!
Daejeon – Mit seiner messerscharfen Analyse der K-League hat Trainerkollege Chrille mitten ins Wespennest gestochen: 50 Prozent leere Trainerbänke und ein Spieltag, an dem die Geistervereine und die echten Trainer völlig unter sich bleiben – das ist das bizarre Szenario am kommenden Freitag.
Bei Daejeon Citizen FC ließ diese Steilvorlage Coach Anafal im klimatisierten Büro sofort den Taschenrechner zücken. Die Konstellation brennt lichterloh: Chrille empfängt mit Daegu FC den aktuellen Tabellenführer, hat satte 8 TK mehr auf der hohen Kante als der Spitzenreiter und liegt selbst nur 6
Zähler hinter Platz 1.
Wenn Chrille im Duell der „echten Trainer“ den Mut aufbringt und den Ligaprimus voll attackiert, könnte Anafal zum lachenden Dritten – und DCFC zum alleinigen Spitzenreiter werden! Schließlich teilt sich Daejeon den Thron aktuell punktgleich mit dem Führenden.
Doch Anafal warnt vor verfrühten Feierlichkeiten. Bevor man gebannt auf Chrilles Coup schielt, muss DCFC erst die eigene, knallharte Pflichtaufgabe lösen: Das Auswärtsspiel bei Suwon FC wird wie immer ein Ritt auf der Rasierklinge. Erst wenn die drei Punkte aus Suwon im Sack sind, darf gekrönt werden!
Daejeon – Draußen auf dem Trainingsgelände von Daejeon Citizen FC floss der Schweiß in Strömen. Unter der gnadenlosen Anleitung des Co-Trainers („Mehr Kuh, weniger Trainer“, wie die kritische Vereinspresse treffend zu Protokoll gab) quälten sich die Profis durch schwere Kraftzirkel. Coach Anafal hingegen hatte sich eine strategische Auszeit gegönnt: In der frostigen Eiseskälte seines von High-End-Ventilatoren heruntergekühlten Büros widmete er seine volle Aufmerksamkeit den weltpolitischen Geschehnissen des Fußballs.
Auf dem Schirm: Das vielzitierte, fast 40-minütige Giganten-Interview von Copa-Monopolist Saminfantino, geführt von Dr. Calkmul für die auflagenstärkste Kolumne Österreichs. Doch je länger der Stream lief, desto höher stieg der Puls des Cheftrainers.
Dass die AFC und andere Kontinentalverbände längst einen wütenden offenen Brief gegen die ungenierten Machtansprüche Saminfantinos aufgesetzt hatten, wog schon schwer. Doch was Anafal endgültig die Zornesröte ins Gesicht trieb, war die radikale Fragen-Zensur: Keines der heiklen Themen rund um die jüngste Skandal-WM
durfte in dem Videobeitrag auch nur ansatzweise angesprochen werden!
Im Büro von Daejeon schwang Anafal die Faust gegen die Klimaanlage: „Mindestens aus diesem Grund darf die Copa-WM nie wieder in Marokko stattfinden – und Marokko darf sie erst recht nie wieder gewinnen!“, polterte der Übungsleiter.
Wo das skandalöse Videomaterial abzufragen ist, bleibt derweil ein großes Rätsel der Sportwelt. Unter Fans und Journalisten kursiert das Gerücht, dass der Verband das Material unter Verschluss hält – oder es demnächst überraschend auf der offiziellen Copa-Website auftaucht. In der österreichischen Presse wird das spektakuläre Calkmul-Interview jedenfalls schon wie der große Medien-Coup des Jahres angepriesen!
Doch bei all der berechtigten Kritik an Saminfantinos Monopol-Gefahren und den Fragen-Zensuren ließ Anafal zwischen zwei kühlen Schlucken Ventilator-Luft dann doch noch ein etwas versöhnlicheres Seufzen hören. Er lehnte sich im Drehsessel zurück und tippte eine kurze Nachricht ins Regie-Buch:
„Aber hey... trotz alledem: Ein fettes Danke an SamiNo, dass die Copa endlich wieder zurück ist!“
Daejeon – Das Abenteuer Champions League war kurz, schmerzhaft und schneller vorbei, als man im Lager von Daejeon Citizen FC überhaupt „K-League“ buchstabieren konnte. Doch statt Trübsal zu blasen, nutzt Coach Anafal den frühen K.-o.-Schock als Brandbeschleuniger für den Ligaalltag. Der Blick ist starr nach vorne gerichtet: Wenn man international mitmischen will, muss in
dieser Saison schlicht der K-League-Titel her!
Auf dem heimischen Rasen brennt die Hütte ohnehin, die Festung Daejeon steht wie eine Eins. Jetzt muss Anafal seiner Truppe nur noch beibringen, dass Auswärtsspiele nicht zum Sightseeing da sind. Das Ziel ist klar formuliert: Volle Konzentration auf die Meisterschaft – damit der nächste Ausflug auf die asiatische Bühne keine Kurzvisite bleibt!
Daejeon – Wäsche gewaschen, Koffer gepackt, Punkte verschenkt: Das Auswärts-Prozedere des Daejeon Citizen FC läuft in dieser Saison so verlässlich wie ein Schweizer Uhrwerk. Auf fremdem Rasen verteilt das Team von Trainer Anafal die Zähler aktuell großzügiger als Werbegeschenke auf einer Klubsport-Messe. Der Reiseservice von DCFC umfasst offenbar nicht nur Hin- und Rückflug, sondern auch drei Punkte als Gastgeschenk für die Gastgeber.
Doch die Tabelle lügt bekanntlich nicht
– und da steht der amtierende Meister weiterhin grundsolide im oberen Drittel. Solange die eigene Heimfestung steht und im heimischen Stadion absolut nichts anbrennt, ist in der K-League alles voll im Soll.
Anschluss an die absolute Spitze ist da, die Punkte stimmen und Anafal kann beruhigt schlafen. Die Auswärtsbilanz nennt man im Klub mittlerweile einfach schonend „ökonomisches Kraftsparen“. Wenn der FCDC seine Heimspiele weiter so stoisch abliefert, reicht der auswärtige Minimalismus völlig aus!
Daejeon – Zwischen Passkontrollen, Stewardessen-Sicherheitsunterweisungen und Flügen über das Ostmeer schaukelt der Daejeon Citizen FC aktuell sein Mammutprogramm. Während Trainer Anafal und seine Truppe in der AFC Champions League die Asien-Tournee zelebrieren, klappt zumindest daheim in der Liga alles wie am Schnürchen.
Die Hausaufgaben vor heimischem Publikum werden stoisch abgeliefert. Im eigenen Stadion ist die Punkteausbeute makellos, das Terrain eine uneinnehmbare Festung. Dass es
in der Fremde aktuell eher beschaulich aussieht und man auswärts fast nix holt? Reine Physik! Wenn man mehr Zeit in der Luft als auf dem Rasen verbringt, leidet das Auswärtskonto nun mal unter der fiesen Doppelbelastung.
Für Anafal gilt daher die eiserne Flugmeilen-Regel: Solange die Koffer gepackt werden, muss das eigene Stadion weiter ordentlich moderiert werden. Koffer rollen, Heimspiel gewinnen, Bordkarte zücken – der FCDC-Express fliegt unbeeindruckt weiter Richtung Titelverteidigung!
Bei Daejeon Citizen FC beginnt nun die Doppelbelastung. Während der frischgebackene südkoreanische Meister international in der AFC Champions League unterwegs ist, wartet in der Heimat weiterhin das ganz normale Liga-Geschäft.
Und genau dort liegt für Trainer Anafal offenbar die Priorität.
Die Champions League? Eine schöne Sache. Große Bühne, fremde Länder, neue Gegner – und zweifellos eine wilde, mutige Affäre.
Aber die K-League? Das ist das Tagesgeschäft.
Anafal soll deshalb intern bereits klargemacht haben, dass man sich von der internationalen Abenteuerlust nicht vom Wesentlichen ablenken lassen will.
Schließlich ist ein Meistertitel nicht dafür da, anschließend wochenlang dem internationalen Glamour hinterherzulaufen.
Die Realität ist ohnehin schon anspruchsvoll genug: Erst Japan, dann Usbekistan – und zwischendurch wartet die heimische Konkurrenz darauf, dass der Meister vielleicht doch einmal müde aus dem Flieger steigt.
Daejeon muss also auf zwei Hochzeiten tanzen.
Anafal hingegen scheint die Rollen klar verteilt zu haben: Die K-League ist die Ehe. Die Champions League ist die Affäre.
Und wie jeder erfahrene Ehemann weiß: Eine Affäre darf aufregend sein, aber wegen ihr sollte man besser nicht das Tagesgeschäft zu Hause vernachlässigen.
Was ist denn da passiert? Der amtierende Meister Daejeon Citizen FC ist nach zwei Spieltagen tatsächlich auf Rang 10 angekommen – noch drei Plätze vom Tabellenkeller entfernt.
Und die Zahlen sehen ebenfalls eher nach Winterschlaf als nach Titelverteidigung aus: 1:5 Tore.
Trainer Anafal soll seine Mannschaft inzwischen etwas deutlicher daran erinnert haben, dass eine Meisterschaft nicht automatisch bedeutet, dass die Gegner künftig freiwillig die Punkte in Daejeon abliefern.
„Jungs, langsam aufwachen! Und vor allem: Tore
schießen!“
Denn während DCFC noch nach dem richtigen Rhythmus sucht, zieht Suwon FC bereits davon. Und ausgerechnet Suwon kommt heute nach Daejeon.
Das ist ungefähr so, als würde man feststellen, dass der Zug schon abgefahren ist – und dann kommt der Zugführer persönlich vorbei, um zu fragen, ob man noch mitfahren möchte.
Der Meister braucht heute keinen Schönheitspreis und keine philosophische Taktikvorlesung. Er braucht Tore. Punkte. Und ein deutliches Lebenszeichen.
Der amtierende Meister Daejeon Citizen FC ist mit einem knappen 1:0-Heimsieg in die neue Saison gestartet. Drei Punkte sind drei Punkte – doch so richtig im Flow ist DCFC offenbar noch nicht.
Die Mannschaft wirkt noch nicht vollständig eingespielt, die Abläufe funktionieren eher nach dem Motto: „Einer weiß schon, was er tut – die anderen werden es hoffentlich noch herausfinden.“
Doch Anafal befürchtet ein ganz anderes Problem: In der Tabelle steht hinter dem Vereinsnamen plötzlich ein großes (M). Und dieses (M) könnte auf die Konkurrenz offenbar
wie ein Caution Signal wirken: Achtung! Hier kommt der Meister!
Anafal befürchtet deshalb, dass die Gegner gegen den Titelverteidiger besonders motiviert auftreten und DCFC dadurch mehr Gegentore kassieren könnte, als dem Coach lieb ist.
Momentan bleibt nur Geduld.
Bis das ominöse M seine Nebenwirkungen verliert und die Konkurrenz wieder vergisst, dass Daejeon amtierender Meister ist, wird Anafal wohl vor allem eines tun: Heimspiele gewinnen, ruhig bleiben und hoffen, dass das M irgendwann nicht mehr ganz so rot leuchtet.
Das frühe und schmerzhafte Aus in der Champions League ist beim DCFC längst Haken hinter der Vergangenheit. Weder beim Coach noch in der Mannschaft hinterließ die internationale Enttäuschung dauerhafte Spuren – der Fokus gilt voll und ganz dem Tagesgeschäft.
Und dort liefert der amtierende südkoreanische Meister verlässlich ab: Die wichtigen Pflichtaufgaben werden souverän erledigt. Allen voran in der heimischen Festung lässt der DCFC nichts anbrennen. Doch auch in der Fremde schlägt das Team eiskalt zu – begünstigt von der Fahrlässigkeit so mancher Gegner, die den Champion aus Südkorea offenbar immer noch nicht ernst genug nehmen. Ein fataler Irrtum, den die Konkurrenz ab und zu mit Punkten bezahlt.