Was für eine spektakuläre Wende in der Bundesliga: Gestern noch in akuter Abstiegsgefahr, heute nur noch drei Punkte hinter der Tabellenspitze. Die Rasenallsportler aus Leipzig mischen die Bundesliga auf! Jetzt scheint sogar die Meisterschaft in Reichweite.
Ins Meisterrennen eingreifen werden Carsten Ramelows Kommerz-Kicker ohnehin: Am kommenden ZAT geht es gegen gleich drei Top-Teams der Liga. Die Performance der Leipziger wird damit
erheblichen Einfluss darauf haben, wer am Ende oben stehen wird.
Carsten Ramelow kündigt nach dem Fiege-Frieden mit Weichflöte an, alles dafür zu tun, dass die Meisterschale in diesem Jahr nicht in eine Turnhalle geht. "Das ist das Mindeste, was wir mit den Brause-Millionen für den VfL Bochum und Weichflöte tun können. Parallel drücken wir die Daumen, dass die Jungs von der Castroper noch den Klassenerhalt schaffen."
Die Situation im Tabellenkeller der Bundesliga spitzt sich zu. Nach 25 Spieltagen hat der Dino aus Hamburg nur noch Restchancen auf den Klassenerhalt, davor kämpfen der VfL Bochum, der VfB Stuttgart, RB Leipzig und ein paar weitere Teams gegen den Abstieg.
Am kommenden ZAT kommt es gleich zu zwei Abstiegskrachern in der Red Bull-Arena in Leipzig. Sowohl der 16. als auch der 17. werden beim 15. der Tabelle vorstellig.
Besonders brisant: VfL-Coach Weichflöte, der das Hinspiel gegen die
RasenBallsportler noch mutig boykottiert hatte, steht mit dem Rücken zur Wand. Entscheidet er sich erneut für einen Boykott, verliert er wertvolle Punkte um den Klassenerhalt. Haut er dagegen alles rein, droht er 7,2 TK für einen mickrigen Punkt aufzuwenden und auf diese Weise seine Chancen auf den Klassenerhalt zu schmälern - könnte dafür aber auch das Konstrukt aus Leipzig mit in den Abstiegssog reißen.
Man darf also gespannt sein auf die Ergebnisse am Freitagabend.
Im Abstiegskampf liegen bei RasenBallsport Leipzig die Nerven blank: Unter der Woche gab Carsten Ramelow bekannt, dass Linksverteidiger und Kapitän Daniel Zimmer ab sofort nur noch mit der zweiten Mannschaft trainieren darf.
"Zimmer hat für meinen Geschmack einfach viel zu viele Tattoos. Das passt nicht zum Saubermann-Image von RB Leipzig. Ich habe mich deshalb entschieden, dieses Zeichen zu setzen."
Auch sportlich konnte Zimmer zuletzt kaum noch überzeugen. In den nächsten Wochen dürfte er mehr Zeit haben, um Zeit mit seinem guten Freund, dem Sturmtank des VfL Bochum, zu verbringen.
Die Lage bei den Rasenballsportlern aus Leipzig spitzt sich zu: Noch immer verharrt man auf Abstiegsplatz 17, es droht der schwere Gang in die Zweitklassigkeit. Trainer Carsten Ramelow hat den Ernst der Lage erkannt: "Wir können jetzt nicht mehr auf die Gegentortabelle schauen. Jetzt gilt es, alles daran zu setzen, den Abstieg zu verhindern."
Der Abstieg wäre eine Katastrophe für den ambitionierten Getränkekonzern aus Österreich, der mit dem Club eigentlich international spielen möchte. Dafür braucht es jedoch eine klare Leistungssteigerung im Saisonendspurt.
Das hatte Carsten Ramelow sich anders vorgestellt: Statt unangefochten die Herbstmeisterschaft in der Gegentortabelle zu feiern, müssen sich die Rasenballsportler Werder Bremen um zwei Tore geschlagen geben.
Ramelow zollt dem Kontrahenten Respekt, möchte sich jedoch keinesfalls mit der Vizemeisterschaft abfinden: "Glückwunsch an Perdito zur Herbstmeisterschaft. Damit
hätte vor der Saison wohl niemand gerechnet. Doch die Saison ist noch lang und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Jungs von der Weser beim Betteln um Gegentore einen so langen Atem haben werden wie wir."
Problem für Ramelow: Das Mastermind aus Bochum könnte auch das Rückspiel bei den Bullen boykottieren und den Gegentorschnitt so empfindlich nach unten drücken.
Im Kampf um die meisten Gegentore der Bundesliga hat Perdito am vergangenen Spieltag ein verheerendes Eigentor geschossen. Im Heimspiel gegen die Rasenballsportler aus Leipzig schossen seine Jungs gleich fünf Tore, während Ramelows Truppe die weiße Weste wahrte und dem Gegner kein einziges Tor schenkte.
So stehen Werder und RB nun also gleichauf an der Spitze und Ramelow ist gewillt, die Tabellenführung schon am kommenden Spieltag zu übernehmen. "Ich bin mir sicher, dass wir wieder mindestens fünf Dinger auswärts kassieren, und vielleicht schießt ja auch mal auswärts wieder jemand ein paar mehr Tore gegen uns."
Nach dem Gastspiel in Bochum kommt es am Freitag zum nächsten brisanten Gastspiel der roten Bullen, wenn Carsten Ramelows Rasenballsportler zu den Löwen aus München reisen. Deren Coach hatte sich zu Beginn der Saison neben der Weichflöte als lautstärkster Kapitalismuskritiker hervorgetan.
Carsten Ramelow schätzt die Lage realistisch ein: "Wir gehen nicht davon aus, wie in Bochum etwas geschenkt zu bekommen. Die Löwen werden bis in die Haarspitzen motiviert sein und ganz sicher nicht freiwillig auf das Toreschießen verzichten. Dementsprechend werden wir klug mit unseren Ressourcen umgehen."
Wenn neuerdings jeder Artikel der Weichflöte mit der Selbstbeschwörungsformel "Weichflöte bleibt sachlich" beginnt, ist das wohl ein klassischer performativer Widerspruch, war es doch die Flöte selbst, die unter der Überschrift "Für die Basisbegabten" eine nicht gekannte Unsachlichkeit in die Zeitung der Bundesliga brachte.
Sei es drum, diese Auseinandersetzung wird am nächsten ZAT auf dem Platz ausgetragen, wenn Carsten Ramelows Rasenballsportler an der Castroper Straße antreten. Dann wird die weiche Flöte auf dem Platz lernen, dass Geld eben doch
Tore schießt. "Der VfL Bochum taumelt nach dem schwachen Saisonstart Richtung 2. Liga. Es ist traurig mit anzusehen, was die Weichflöte aus diesem tollen Verein macht. Doch wir werden bis ans Maximum gehen, um den VfL einen Schritt weiter Richtung Zweitklassigkeit zu schießen und bestenfalls für die nächste Trainerentlassung in dieser Saison zu sorgen", so Carsten Ramelow vor dem mit Spannung erwarteten Topspiel. "Was jetzt ein faires oder unfaires Verhalten im sportlichen wie wirtschaftlichen Wettbewerb ist, ist eine müßige Debatte, die ich gerne anderen überlasse."
Nachdem die ersten Klagen über die wieder eingekehrte Langeweile in der Bundesliga kamen, ist Carsten Ramelow natürlich zur Stelle. Und Angriffsfläche genug bietet die basisbegabte Weichflöte allemal, vermag sie doch nicht den offensichtlichen Widerspruch in ihren "Argumenten" zu erkennen.
Deshalb nochmal ganz langsam: Einerseits beklagt die Weichflöte einen "zunehmenden Kapitalismus, der den Sport in den Hintergrund drängt."
Andererseits verteidigt sie den fairen sportlichen und _wirtschaftlichen_ Wettbewerb gegen den unfairen Eingriff durch RB in denselben.
Beide Aussagen stehen in offensichtlichem Konflikt zueinander: Man kann nicht einerseits zu viel Kapitalismus beklagen, andererseits aber den Kapitalismus (= freien wirtschaftlichen Wettbewerb) gegen den Eingriff durch RB beklagen. Solange Weichflöte diesen Widerspruch nicht auflösen kann, wird Carsten Ramelow die "Debatte" nicht ernstnehmen.
Was für ein starkes Signal! In einem mutigen Akt des Widerstands gegen Red Bull, den im Fußball Überhand nehmenden Kapitalismus und den konsumorientierten Eventbesucher hat sich VfL Bochum-Coach Weichflöte zu der wohl drastischsten denkbaren Maßnahme entschieden: Im Heimspiel gegen das Konstrukt aus Leipzig verweigerte man kurzerhand das Toreschießen.
Der Punkt, der dadurch auf dem Konto von RB Leipzig landet, könnte das ganze Konstrukt ins Wanken bringen und darüber hinaus Signalwirkung über die Bundesliga hinaus haben. In New York und Salzburg, aber auch etwa in Wolfsburg und Leverkusen, zittert man bereits aus Angst vor mühelos gesammelten Punkten.