Während halb Brasilien noch versucht zu verstehen, wie Grêmio Prudente Flamengo mit 5:0 aus dem Stadion schoss, blickt man bei Avaí FC mittlerweile mit einer gewissen Gelassenheit auf das allgemeine Chaos der Liga. Trainer Daadi wirkte nach dem überzeugenden 3:0 gegen Recife zwar zufrieden, das anschließende 0:5 bei Flamengo wurde intern jedoch eher mit einem Achselzucken aufgenommen. „Wer in dieser Liga glaubt, jede Auswärtsfahrt kontrollieren zu können, glaubt vermutlich auch noch an ehrliche Schiedsrichterinterviews“, kommentierte der Coach trocken.
Tatsächlich entwickelt sich die Série A zunehmend zu einem taktischen Minenfeld. Während einige
Teams zuhause plötzlich völlig eskalieren, sparen andere scheinbar wahllos Kräfte, nur um wenige Tage später wieder Tore wie Konfetti zu verteilen. Besonders auffällig: Kaum jemand scheint noch zu wissen, wann ein Gegner minimalistisch denkt – oder gerade genau darauf spekuliert, dass man das glaubt.
Vor den kommenden Aufgaben gegen Clube do Remo und Palmeiras gibt man sich bei Avaí entsprechend vorsichtig. Intern soll Daadi zuletzt mehrfach betont haben, dass man nicht nur Spiele gewinnen müsse, sondern vor allem vermeiden sollte, „für andere Trainer zu lesbar zu werden“. Ein Satz, der in Brasilien derzeit vermutlich mehr wert ist als jede Tabellenanalyse.
Daadi entdeckt in Brasilien gerade die Schönheit des knappen Ergebnisses. Bei Atlético Paranaense gab es ein kalkuliertes 0:1, zuhause gegen Corinthians folgte ein ebenso nüchterner wie wertvoller 1:0-Erfolg. Zwei Spiele, zwei Resultate, null Spektakel – Fußball für Freunde effizienter Ressourcenverwaltung.
Während andere Teams Tore verteilen wie Konfetti im Karneval, arbeitet Avaí lieber mit
chirurgischer Präzision. Ein Tor Unterschied reicht schließlich auch für drei Punkte.
Nun geht es doppelt auswärts weiter: erst zu Grêmio Prudente, dann zu Vitória. Zwei Reisen, zwei Prüfungen und vermutlich erneut die Frage, wie viel Risiko Daadi wirklich für vertretbar hält. „Schönheit ist vergänglich. Punkte bleiben“, erklärte er mit verdächtiger Gelassenheit.
Avaí bleibt sich treu: auswärts ein 0:4 bei América FC Natal, zuhause ein 5:1 gegen Anapolina. Zwei Gesichter, ein Verein und vermutlich leichte Verwirrung bei allen Beteiligten. In Florianópolis rollt der Ball aktuell wie im Karneval – laut, bunt und torreich. Auf Reisen hingegen wirkt das Team gelegentlich so, als hätte man versehentlich nur das Handgepäck
mitgenommen.
Vor dem nächsten Spieltag kam dann noch Post vom Verband: Atlético Paranaense hat plötzlich einen neuen Trainer. Timing ist bekanntlich alles. Daadi nahm es sportlich: „Natürlich. Erst verlieren wir auswärts regelmäßig, jetzt darf ich auch noch gegen einen frischen Kollegen improvisieren.“
Danach wartet Corinthians. Zuhause. Zum Glück.
Bei Avaí FC sprach man nach dem Brasilien-ZAT von „einer lehrreichen Mischung aus Präzisionsarbeit und kontrolliertem Totalschaden“. Trainer Daadi durfte sich zunächst über einen gelungenen 2:1-Auswärtssieg bei Grêmio Prudente freuen, ehe Esporte Clube Vitória anschließend den kompletten Warnblinkmodus aktivierte und fünf Tore im eigenen Stadion parkte. „In Brasilien weißt du manchmal erst nach dem Abpfiff, ob du Fußball gespielt oder an einer Massenkarambolage teilgenommen hast“, kommentierte Daadi trocken. Immerhin sei der Auswärtssieg bei Grêmio „fast schöner als jede Schadensmeldung danach“ gewesen.
Zwei Spiele, null Punkte, sieben Gegentore – in Florianópolis spricht man bereits von einer kleinen sportlichen Naturkatastrophe.
Besonders schmerzhaft: Die 2:3-Niederlage bei Santos gegen einen Trainer, der vor dem Spiel entlassen wurde. Daadi verlor also faktisch gegen ein taktisches Gespenst aus Mexiko. Zuhause folgte ein 1:4 gegen Vasco. Deren Trainer wirft auswärts mit Toren um sich, als gäbe es TK im brasilianischen Schlussverkauf.
Im Umfeld von Avaí wächst die Nervosität. Erste Gerüchte über mögliche Nachfolger machen bereits die Runde. Daadi selbst bleibt gelassen: „Noch bin ich hier. Und solange ich hier bin, wird zumindest Unterhaltung geboten.“
1:0 zum Auftakt! Manche nennen das knapp. Wir nennen das ein Statement. Florianópolis hat wieder gelebt. Nicht schön, nicht perfekt – aber echt. Genau so fängt man nach zwölf Jahren wieder an: mit einem Sieg, der mehr fühlt als erklärt.
Und jetzt direkt Englische Woche:
Santos auswärts. Oder vielleicht… jemand ganz anderes? Denn der Verband schickt Nachrichten, die klingen wie ein
taktisches Rätsel: Paten, Leihzüge, fremde Handschriften. Vielleicht spielen wir gegen Santos. Vielleicht gegen Mexiko. Vielleicht gegen eine Idee.
„Ehrlich? Egal. Dann eben zwei Gegner in einem Spiel…“, so Daadi in der PK zum 2. ZAT.
Danach kommt Vasco mit einem 4:3-Auswärtssieg im Gepäck. Sie schießen Tore wie im Karneval – laut, wild und ohne Pause.
Kein Anpfiff, kein Aufschrei, kein Wahnsinn in der Nachspielzeit. Nur das Meer vor Florianópolis, das geduldig gegen die Küste schlägt, als hätte es immer gewusst, dass wir zurückkommen.
Und jetzt?
Direkt São Paulo FC.
Kein langsames Reinkommen, kein vorsichtiges Abtasten.
Gleich einer dieser Namen, die man nicht spielt – gegen die man sich beweisen muss.
Ehrlich? Perfekt.
Wir sind Avaí. Kein Museum, keine Vitrine
voller alter Titel. Wir sind das Flutlicht, das plötzlich angeht, wenn keiner damit rechnet. Wir sind das Spiel, das kippt, obwohl es keiner auf dem Zettel hatte.
Zwölf Jahre Pause ändern nichts an dem Gefühl:
Wenn der Ball rollt, zählt nur dieser eine Moment.
Vielleicht sind wir noch rostig.
Vielleicht sind wir naiv.
Aber vielleicht ist genau das unser Vorteil.
São Paulo kommt mit Geschichte.
Wir kommen mit Hunger.
Und Hunger war schon immer schwerer zu verteidigen.