Wäre die Herbstmeisterschaft (dieses Jahr zu Ostern) aussagekräftig, hätte der Atlético Celaya FC sein Saisonziel ganz klar verfehlt und der kubanische Trainer müsste um seine Anstellung bangen. "Aber ein Deus denkt nicht im Konjunktiv," so der Betroffene. "Viel mehr Sorgen macht mir die astreine Performance der Jungs von Chuck Norris (der ja übrigens von seiner Tante geboren wurde, da es niemand gewagt hat, seine Mutter zu... lassen wir das). Der Atlante FC ist nun klar der Gejagte, mal sehen wie Chukky damit umgehen kann, seine Rolle umzukehren."
In unnachahmlich souveräner Weise haben die Jungs von C. Deus ihre beiden Heimspiele gegen Mitfavoriten auf den Titelgewinn dominiert. So ganz glücklich ist der Kubaner aber trotzdem nicht, denn der Rückstand auf die Tabellenspitze hat sich nicht verringert. "Ja, es wartet noch viel Arbeit auf uns. Aber unser Ziel ist klar, und dafür müssen wir arbeiten. Die Copa Libertadores ist abgefahren, also müssen wir die Meisterschaft gewinnen, wenn wir den einen Titel holen wollen, und das muss ja unser Anspruch sein. Die Konkurrenz schläft allerdings nicht, ich hoffe jedoch, dass die Doppelbelastung denen ein bisschen zu schaffen macht."
Nach dem ärgerlichen Aus in der Copa Libertadores kann sich C. Deus nun voll auf die nationale Meisterschaft konzentrieren. Das hat bisweilen ganz gut geklappt, auch wenn der Celaya FC in der Tabelle bald aus den Top 10 rauszu fallen scheint. Der Kubaner relativiert: "Wir haben erneut ein Auswärtsspiel gewinnen können, das ist sehr wertvoll und gegen Amok laufende Patenzüger haben wir den Schaden in Grenzen halten können, es ist nicht selbstverständlich, dass das auch anderen gelingt. Und der Rückstand auf Platz Eins beträgt ja nur vier mickrige Punkte und wir haben noch viele Heimspiele und viele Reserven."
Man kann sich darüber beklagen, man kann dagegen trainieren, man kann indifferent sein, man kann sich darüber freuen, kurzum: es gibt viele möglichen Reaktionen auf die aktuelle Situation in Mexico. C. Deus freut sich gemässigt: "Wir sind immer noch im Titelrennen. Das ist gut. Das sind aber ein paar andere Teams auch noch. Wir werden erst so richtig anfangen zu feiern, wenn der Titel wieder dahin zurück kommt, wo er hingehört, nämlich zu uns. Die Richtung stimmt , aber es braucht noch viel Glück und Arbeit."
Und wieder rutscht der Atletico Celaya FC runter in der Tabelle und wieder sieht C. Deus keinen Grund zur Panik. "Es ist alles noch im grünen Bereich," bilanziert er. "Wenn wir so weiter arbeiten wie bisher, wird es sehr schwierig sein, uns zu schlagen. Allerdings ist zu beachten, dass wir ja auch die Copa Libertadores gewinnen wollen." Einige legen diesen kubanischen Optimismus als Grössenwahn aus, andere als notwendiger Ehrgeiz und gar einzig logische Ziele. Erst der weitere Saisonverlauf wird zeigen, wer Recht hat. Nach Saisonbeginn kann man nur sagen, dass weiter in allen Wettbewerben alles möglich ist. Was sich viele andere Teams allerdings auch sagen werden.
Immer noch ist Calvo Deus äusserst zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf. Seine Jungs demonstrieren Effizienz in der Meisterschaft und auch in der Copa Libertadores zeigen sie sich souverän. "Zum ersten Mal seit meinem Amtsantritt kann ich mich ein wenig zurücklehnen, weil sich die Mechanismen schön eingespielt haben. Nun gilt es, den Flow zu behalten. Dies ist natürlich der schwierigste Teil meiner Arbeit. Ich glaube aber, dass wir auf gutem Weg sind. Wenn wir so weitermachen können wir uns sogar den einen oder anderen Abend mit kubanischen Genusswaren leisten. Vielleicht laden wir dazu sogar noch meine werten Herren Kollegen ein. Schliesslich fehlt es hier ein wenig an Action."
Nach zwei Spielen steht C. Deus mit dem Atletico Celaya bereits da, wo er sich am liebsten sieht, nämlich zuoberst: "Es ist kein Geheimnis, dass wir besser abschneiden wollen als letzte Saison, wo wir uns doch immerhin für die Copa Libertadores Qualifikation qualifizieren konnten," so Deus. "Wir wollen dieses Jahr wieder um den Titel mitspielen, es ist ja offensichtlich, dass der in unsere Vitrine gehört, schliesslich warten da schon drei weitere gleiche Trophäen und aller guten Dinge sind nun mal mehr als vier, das weiss auch Kollege Norris. Aber man muss sagen, dass die Konkurrenz nicht schläft, auch im eigenen Land nicht."
Und tatsächlich steht C. Deus noch einmal an der Seitenlinie des traditionsreichsten Vereins Mexikos. Man spekuliert, was ihn dazu bewogen hat. Die Gemütlichkeit des Lebens? Die Möglichkeit das Erste Mal international aufzutreten? Die reiche Zeitungslandschaft? Der Ehrgeiz es seinem Vorgänger gleich zu tun? "Das sind fast alles mögliche Antworten," so der lapidare Kommentar des Kubaners. "Aber klar ist, dass wir nicht im Mittelfeld rumdümpeln wollen. Und dazu müssen wir uns ganz einfach gegenüber letztem Jahr verbessern. Und das will ich versuchen."
Jaja, so geht das halt mit diesen Paten... Eigentlich wollte man doch mindestens bis zuletzt zumindest dem Schein nach um den Titel spielen. Nun hat doch tatsächlich Michael Davin (im allerweitesten Sinne jedenfalls) diesen Plan vereitelt. "Ich gebe ja gern anderen die Schuld," so Deus, "erst mal einen auf dicke machen und dann einfach so mitten in der Saison abhauen geht ja
nun mal gar nicht. Aber schlussendlich sind wir selber Schuld. Ein bisschen weniger Risiko hätte uns gut getan. Wir wären auf Platz zwei, könnten weiter vom Titel träumen (das gönnen wir nun von Herzen den Studenten) und hätten realistische Chancen auf die Libertadores. Nun, müssen wir gar um die Americana bangen (aber da wollen wir ja eigentlich sowieso nicht hin).
Drei Spieltage vor Schluss sieht die Lage für den Serienmeister besser aus, als man drei Spieltage früher noch befürchtet hatte. "Das ist zwar schön, weil doch etwas unerwartet," so C. Deus "aber nun ärgert man sich natürlich umso mehr über die kleinen Unachtsamkeiten, welche vor nicht allzu langer Zeit in taktischer Hinsicht begangen wurden. Ärgerlich ist ebenfalls, dass nun drei Teams drei Punkte quasi geschenkt kriegen. Aber insgesamt bin ich nicht unzufrieden mit dieser Saison. Es hätte schlimmer kommen können." Die Gretchenfrage bleibt natürlich, ob der Traditionsverein das Experiment mit dem Exilkubaner noch eine weitere Saison durchzieht. "Es sieht so aus," ist die kurze Antwort desselben.
Eigentlich war dieser Spieltag als Grossangriff geplant gewesen. Der Plan von C. Deus ist aber nur halbwegs aufgegangen. In der Tabelle ist man zwar aufgestiegen, aber Kraft hat das Ganze schon gekostet. Das Ganze ist umso verzwickter, weil das Restprogramm nicht ohne ist, und noch viele Gegner warten, die den Titel ebenfalls gewinnen wollen und können. "Ja, das war vorauszusehen," so Deus, der plötzlich anfängt tiefzustapeln: "Natürlich erwarteten hier alle, inklusive mir, die vierte Meisterschaft in Folge. So wie es im Moment aber aussieht, müssen wir froh sein, wenn wir es überhaupt in die internationalen Wettbewerbe schaffen. Und das ist dann doch auch mein persönlicher Mindestanspruch."
Nach dem kläglichen Aus in der Copa Libertadores kann man sich in Celaya nun endgültig auf die nationale Meisterschaft und die dritte Titelverteidigung in Folge konzentrieren. Das hat allerdings auch schon einfacher ausgesehen. Die Mannen um C. Deus sind in der Tabelle etwas abgerutscht und die Studenten aus Teco oder so machen einen äusserst sattelfesten Eindruck. Zu allem
Überfluss folgen an diesem Spieltag nun auch gleich zwei Schlüsselspiele gegen Teams aus der unmittelbaren Nachbarschaft der Tabelle. " Da dürfen wir uns keine Ausrutscher mehr leisten," analysiert Deus. "Die Saisonhälfte war zwar erst vor kurzem, aber plötzlich geht es schnell und die Abschlusstabelle ist da. Fehler werden da schnell und erbarmungslos bestraft."
Waehrenddem andere auf internationale Titel schielen (Gratulation schon mal zu dieser soweit einwandfreien Leistung) und auch noch mit dem nationalen Titel liebaeugeln, werden die Sorgenfalten auf der Stirn von C. Deus immer groesser. Das Aus in der Copa Libertadores immer noch nicht verdaut, steht Atletico Celaya zwar immer noch in der Spitzengruppe der mexikanischen Liga, aber weder die Reserven noch die Ausgangslagen sind so gut wie Mitte Saison oder in anderen Jahren. Somit muss schon damit gerechnet werden, dass diese Saison als Misserfolg gewertet wird. "Aber immer kann man nicht Meister werden, das habe ich schon immer gesagt," betont Deus einmal mehr. Ob das schon prophylaktisch wirkt? Denn unter Xerez hat das doch funktioniert.
Noch immer geht es im Gleichschritt weiter in der mexikanischen Liga. Es schein fast so, als ob sich die Studenten aus Guadalajara ein wenig absetzen können. Deus hält mit seiner Truppe immer noch mit. "Aber wir dürfen auch nie den Druck von hinten aus den Augen verlieren," warnt der Kubaner. Wie schnell es gehen kann, hat Deus in der Copa Libertadores schmerzhaft lernen müssen, wo man innerhalb von zwei Spielen vom absoluten Favoriten zum Aussenseiter degradiert wurde. "Das hat geschmerzt. Aber noch ist nichts verloren. Ausserdem haben wir ja auch in der nationalen Meisterschaft noch so einiges vor." Was das ganze mit dem Titel zu tun hat, ist nicht klar, aber auch nicht wichtig.
Es war ja schon vor Saisonbeginn klar: Eigentlich ist Celaya DER Titelfavorit schlechthin. Einzig der Trainerwechsel und die schleierhafte Wahl von C. Deus liess Zweifel einerseits und Hoffnung anderswo aufkommen. Nun ist die Hälfte der Saison gespielt. International machen Deus' Jungs einen bestechenden Eindruck. In der Meisterschaft läuft es zwar nur zu Hause. Da aber dafür so gut, dass man klarer Führer der Oddset-Liste ist. C. Deus ist kein Tiefstapler. "Wir können und wollen den Titel holen. Das ist ganz klar. Allerdings dürfen wir nicht allzu enttäuscht sein, falls nichts daraus wird. Man kann nicht immer erster sein. Selbst in Mexiko nicht."
Niemand wird bestreiten, dass es etwas uninspiriert ist, was der Serienmeister mit seinem neuen Trainer im Moment in der Liga leistet. Immerhin, auch das kann niemand bestreiten, sind immer noch alle Möglichkeiten intakt. Es wird keine totale Absturzsaison geben, wie das von vielen befürchtet wurde, nachdem C. Deus angeheuert wurde. In der Copa Libertadores winkt sogar der Viertelfinal "und danach ist alles möglich," weiss C. Deus. Seitdem der Hansdampf aus Tijuana das Land fluchtartig verlassen hat, ist auch bei Celaya Ruhe eingekehrt. "Konstanz ist wichtig, um Erfolg zu haben," verrät Deus sein neues Rezept. Die Frage ist nur, ob das auch genug ist, um aus dem Mittelmass herauszuragen.