Während der langen Abwesenheit von Castaño Deus (die sogar zur Kenntnis genommen wurde) sind seine Young Boys auf Platz Netto Null vorgerückt: Zwei Punkte hinter den internationalen Plätzen und zwei Punkte vor Platz neun. Nur interessiert das niemanden. Kein Wunder, wenn man sieht, was in der Schweiz sonst so läuft: Ein Mähbie und ein Vampir kochen Sonnencreme. Bob der Baumeister heiratet das Bankgeheimnis. Die Badewanne und der Flamingo stehen mehr als nur rum und Mathematik hat der Kubaner sowieso nie verstanden. Kein Wunder, kommt er in der Schweiz nicht mehr nach, was er alles noch abstimmen soll.
Etwas verwirrt steht Castaño Deus vor dem übrig gebliebenen e-Mähbie (Version unbekannt) und überlegt, ob er noch einen Gang höher schalten oder die Schnitthöhe wechseln sollte. "Aber dafür haben wir Alois Grünhalter," so der Kubaner. "Wir müssen uns jetzt sowieso dem kühlen Nass widmen, um in dieser Liga Ernst genommen zu werden." Auf einer Insel gross geworden, ist Deus in dieser Disziplin genauso kompetent und erfolglos wie im Fussball. Ob es in der Schweiz darauf ankommt, ist allerdings eine andere Frage.
Wenn junge Buben auf eine Horde e-Mähbies treffen, dann ist Spielen angesagt. Jedes Hygiene-Konzept wird sofort obsolet. Castaño Deus ist bemüht, ein Grinsen zurückzuhalten. "Ich wollte schon immer mal wissen, was passiert, wenn Alois Grünhalter auf elf gut eingecremte und taktisch bestens geschulte, mit Säcken voller Ricola und Shampoo ausgestattete, Berner Buben trifft. Was macht er, wenn er auf eine
variable und unberechenbare 3-2-3 Formation trifft? Setzt er den Schaum unter Strom? Kann er das verhindern? Rettet er den Schmeterling? Wie schlägt sich der Zamboni gegen eine Überzahl e-Mähbies, die nicht wissen, wohin sie gehen?" Gespannt warten wir, passiert, wenn das Szenario dann wirklich mal eintrifft. An diesem ZAT warten humorlosere Gegner auf die Young Boys aus Bern. Ob Deus da auch grinsend spielen lässt?
Kaum sind die Temperaturen gefallen, die Gewitter vorbeigezogen, die Regenbögen aufgetürmt, der Duft des Asphalts in der Luft, die Vögel ebenso, die Menschen ... ach lassen wir das.
Genau zu diesem Zeitpunkt sitzt Castaño Deus in seinem Garten, braungebräunt (weil mal rot) und mit müden Beinen. Die Pressekonferenz findet heute per Videotelefonie statt und der Kubaner berichtet von dort: "Meine Beine sind müde. Die Gratwanderung mit Nouri war super
anstrengend." Wir ahnten gar nicht, dass Nouri wandert. "Dochdoch," grinst Deus. "Es gab zwar Kernobst, aber auch knapp 2'000 Höhenmeter. Das anschliessende Biertrinken mit Herbie war ziemlich anstrengend." Das hingegen ahnten wir. "Jaja," so Deus weiter grinsend, "er hat plötzlich angefangen, wie wild Rechenaufgaben zu lösen. Da bin ich schon froh, kann ich mich hierher zurückziehen und mich meiner wahren Lieblingstätigkeit zu widmen."
Während sich die Ösis mit Almduddler beschwipsen, bleibt Castaño Deus bei Cervelat. "Da ist immer klar, was drin ist," so der Kulinarik-Kubaner. "Wenn ich in der Sonne liege, natürlich ohne mich einzucremen, genehmige ich mir ab und zu ein Rivella (R) dazu." Vielleicht erklärt das seine Erfolglosigkeit. Was aber mehr interessiert: Wo bräunt sich denn ein Deus? "Natürlich in meinem Garten." Und wie hat er's da mit Wassersparen? "Das habe ich nicht nötig. Bei mir wächst sowieso nur, die einzige Pflanze, die es wert ist, gerollt zu werden: Tabak."
Notorisch erfolglos und kulinarisch bewandert: Castaño Deus mischt mal wieder Kulinarik und Sport, so wie das alle guten Schweizer machen. "Die Cervelat ist ja des nostalgischen Schweizers Nationalwurst. Und in der Copa Super League tummelt sich allerlei nostalgische Copa Prominenz. Da bietet sich der Vergleich an," so der alte und auch nostalgische Kubaner in den Diensten der Young Boys. "Das macht macht meine Aufgabe nicht leichter. Aber ich freue mich, denn von Kuno haben wir gelernt: Irgendeinisch fingt ds Glück eim!
Noch zwei ZATs und in der Super League trennen sich Spreu und Weizen, bzw. die Teams mit von denen ohne Trainer. Ob Castaño Deus ausser dem ominösen Böller jemanden hinter sich lassen kann, scheint zweifelhalft, zu gross ist der Abstand.
"Das ist einigermassen peinlich," so der Kubaner. "Schliesslich beschäftigen sich die Kollegen über mir vor allem mit Arschbomben, Selbstmitleid und Tierhaltung. Wenn das nächste Saison nicht besser wird, so muss ich mich echt hinterfragen," gibt er in einem seltenen Anflug von Selbstreflexion zu Protokoll.
Während sich die Tabellensituation der Young Boys etwas entspannt, will dies auch Castano Deus tun. In der Schweiz ist das allerdings gar nicht so einfach. Soll man an den Bodensee oder nach St. Gallen? Der Kubaner steht eigentlich weder auf Chlor noch auf Volkstheater und alles östlich von Olten ist ihm suspekt. Das Spektakel ist in jedem Fall viel versprechend. Aber ob es entspannt und ob sich die Reise lohnt? "Vielleicht suche ich mir eher Ruhe, um über Taktik nachzudenken." Ob als Eremit mehr Erkenntnis kommt denn als sozialer Planscher und Bogenschiesser? Darüber stritten sich schon die alten Griechen.
Nachdem die Konkurrenz die Ankündigung von Castaño Deus aufgegabelt hatte, war sie gewarnt. Allerdings reagierte sie unterschiedlich darauf. Deus hatte das einigermassen vorausgesehen und war deshalb mit dem Spieltag zufrieden: "Etwas mehr Käse hätte man schon servieren können. Wie man ja jetzt weiss, ist das Raclette eine Ganzjahresmahlzeit. Mit einem guten Ballon Weisser passt das immer! Dann kann man sich den Sbrinz für die Teigwaren sparen. Da ist er sowieso besser aufgehoben." Soll mal einer sagen, man dürfe Fussball und Kulinarik nicht vermischen.
Auch Castaño Deus wurde gefragt, wie ihn der spektakuläre Spitzenkampf der Super League zurück gelassen hat. "Hungrig," so der Kubaner. "Ich halte zwar nichts von Käse. Aber Löcher, die mag ich!" Nun denn, wie dieses Statement in der Schweiz ankommt, wird noch zu sehen sein. Wie es der Zufall will, spielt er gleich gegen die zwei Spitzenkampfteams. "Da bringe ich natürlich meine Gabel mit. Dann können wir sehen, wer den Mist wie führt," so warnt Deus, der offenbar doch etwas mit Kühen anfangen kann.
Wie untypisch: Bewegte Zeiten in der Schweiz. Unruhe geht um. Und ein Deus ist nicht involviert. Fast wäre er beleidigt. "Also wirklich, wenn dann stifte ich eine andere Art von Unruhe," lässt sich Castaño Deus zitieren. "Das Sportliche lässt sich nicht schönreden: Das war ein dilettantischer ZAT."
Der Sport ist aber sowieso nicht das, was die
Schweiz bewegt. Vielmehr geht es um Fondue und um Blümchen. Und natürlich um Klonen und Korruption. "Nach einer Meditation über Zeit und Gleichzeitigkeit, habe ich mich entschieden, das Vergangene vergangen sein zu lassen," so ein philosophisch inspirierter Deus. Ob das die Haare schöner und die jungen Knaben Vorwärts bringen wird, weiss wohl nur der Uhrmacher im Tram.
In einer verrauchten Bar in einem heruntergekommenen Hafenviertel einer bekannten mediterranen Hafenstadt, die schon viel bessere Zeiten gesehen hat, wurden die Agenten hinter Dampf von exquisiten kubanischen Zigarren und ebensolchem Rum fündig: Castaño Deus, erfolgloser Trainerhansdampf mit viel Erfahrung hat immer noch viel Ahnung von Fussball, wie nach einem kurzen Wortwechsel klar wurde.
"Die Young Boys? Sofort! Bern ist eine lebenswerte Stadt, die ich gut kenne und die möglichen Wortspiele mit dem neuen Club liefern einfachen TK-Bonus."
Mit neuem Elan startet P. Deus in seine nächste Saison mit Olympique Marseille. Nach regelmässigen Qualifikationen für die internationalen Wettbewerbe, war die letzte Spielzeit vollkommen verkokst (oder ähnlich): Nur ganz knapp konnte man sich vor dem (virtuellen) Abstieg retten. Dieses Jahr soll alles wieder besser werden, auch weil sich die Liga mehr und mehr füllt und sich namhafte Coaches in la France einfinden. "So macht das Spielen doch um einiges mehr Spass," gibt der erfahrene Kubaner zu Protokoll. Da steigen natürlich auch die eigenen Ansprüche wieder, obwohl es ja eigentlich schwieriger wird.
Wie ein blutigster Anfänger wurde der selbsternannte Titelfavorit Olympique Marseille aus der Europa League gekegelt. Und auch in der nationalen Meisterschaft läuft es überhaupt nicht nach Plan. Dies ist eine völlig neue Situation für P. Deus: "Ja, ich muss mich erst daran gewöhnen, eine zweistellige Zahl bei unserem Tabellenplatz zu sehen. Bei einem Nichterreichen des achten Ranges läuft mein Vertrag automatisch aus. Die Saison ist allerdings noch lang und die Herren vom Präsidium können sich das auch noch anders überlegen."
Erfolgreich wäre besser. P. Deus rutscht mit Olympique Marseille kontinuierlich abwärts in der Tabelle der französischen Ligue 1. Mit den wechselnden Gegebenheiten und Paten scheint der Kubaner immer weniger gut zurechtzukommen. "Ja, wir haben Mühe im Moment," gibt der Realist unumwunden zu. "Immerhin halten wir in der Europa League die Tricolore noch hoch. Diesen Titel wollen wir ja auch unbedingt schon seit ungefähr sieben Saisons. Genau wie der nationale Titel natürlich auch. Beides ist in der momentanen Form eher unrealistisch.
Das hatte man sich in Marseille dann doch anders vorgestellt: "Wenn wir zwei Heimspiele haben, dann wollen wir sechs Punkte holen, das ist klar," so P. Deus. Das ging diesmal schief und prompt rutscht man in der Tabelle weiter nach unten. Der Rückstand auf die Spitze beträgt aber erst vier Punkte. "Alles halb so wild also," beruhigt der Kubaner die Situation, die sich, angesichts des harten Programms, in kürzester Zukunft wohl kaum merklich verbessern wird. "Das ist egal. Wir planen langfristig."