Wie aus in der Regel gut unterrichteten Kreisen kolportiert wird, darf man dem neuen Urgestein unter Griechenlands Trainern wohl recht herzlich gratulieren. Angeblich hat er seiner ewigen heimlichen Liebe, der wohlbekannten Hannelore, nun endgültig den Laufpass gegeben. An ihrer Stelle soll eine holde junge Maid getreten sein, die er nun angeblich geehelicht hat. Nun denn, so lasst Posaunen und Trompeten erklingen und den zu Bemitleidenden ordentlich feiern. Am Wochenende hat der Trainer zur Feier in die örtliche Kneipe gebeten und dazu alle griechischen Trainer herzlichst eingeladen. Die Fahrt ist selbständig zu organisieren, doch Speisen, Getränke und Übernachtung gehen zu Lasten unbekannt bleibend möchtender Dritter. Hellas!
Nein, natürlich nicht. In einem kleinen Örtchen, hoch oben im Norden Griechenlands, ist die Stimmung nicht die Allerbeste. Die Dorfbewohner sind rebellisch und rebellieren gegen den örtlichen Fußballclub und seine Potentaten. Denn diese hatten es gewagt, die Eintrittspreise für diese Saison massiv anzuheben. Begründet wurde dieser Schritt mit dem gestiegenen Niveau, das die Mannschaft auch in den Europapokal geführt hat. Von den chronisch klammen Taschen beim AO Veria war dagegen in der Begründung für die Preisanhebung keine Rede. So ein Zufall...
Nein, im Gegenteil. Die Verantwortlichen aus Veria haben in der Saisonpause beschlossen, in der neuen Saison wieder verstärkten Wert auf die Öffentlichkeitsarbeit zu legen. Das bedeutet natürlich nicht, dass der Verein plötzlich Geld für einen eigenen Pressesprecher hätte. Vielmehr wurde der Vertrag mit Coch Powerkraut dahingehend geändert, dass er auch diese Arbeit zukünftig erledigen muss. Zudem wurde
das Gehalt um einige, sagen wir mal Sachbezüge, erweitert. Denn schließlich muss ein bodenständiger Fußballtrainer ja irgendwie von der Muse geküsst werden, wenn er literarisch tätig werden soll. Und die Muse kostet eben. Also übernimmt AO Veria die "Musen-Kosten" des Trainers. Beiderseitig wurde Einvernehmen daüber erzielt, dass der Begriff Musen-Kosten großzügigst auszulegen ist.
Ein angeblicher Skandal erschüttere Veria. So titelt zumindest die Hauptstadtpresse. Aber halten wir uns doch einfach an die Fakten. Erstens: Die Leihgebühr, die Max für den Sportwagen zu entrichten hat (und von der er immer noch die erste Rate fällig ist), wird von Powerkraut selbstverständlich in der Steuererklärung angegeben. Zweitens: Die Spieler von Veria nagen keineswegs am Hungertuch. Neben den offiziellen Gehaltszahlungen hat sich in Veria schon seit
Jahren ein Schwarzgeldentlohnungssystem eingespielt. Auch wenn die Kassen vielleicht leer aussehen, irgendwo gibt es in Griechenland immer noch eine weitere Kasse. Und Drittens: Man glaubt es zwar kaum, aber auch die griechische Steuerfahndung soll gelegentlich aktiv werden. Da ist es doch gut zu wissen, dass Powerkraut ein enger Freund des höchsten Fahnders Griechenlands ist. Nur mal für den Fall erwähnt, dass jemand gedenken sollte, demnächst Punkte aus Veria zu entführen...
Es wird ein gewaltiger Paukenknall, der diese Woche Griechenland erschüttert: Die Verantwortlichen von Veria haben Adidas als neuen Hauptsponsor vorgestellt. Das wirft natürlich einige Fragen auf.
Noch in der letzten Saison wurde vollmundig angekündigt, den laufenden Vertrag mit Barbagianni erneuern zu wollen. Und nun diese 180-Grad-Wende. Weg vom besten Ouzo
Griechenlands hin zu einem zwielichtigen (?) Sportartikelhersteller. Böse Stimmen behaupten, Trainer Powerkraut habe sich gegenüber dem Vorstand massiv für Adidas ausgesprochen und so maßgeblich zum Sponsorwechsel beigetragen. Ebenfalls soll er letztes Wochenende in der Schweiz gewesen sein. Er selbst wurde nicht gesehen, aber sein Auto stand im Halteverbot auf dem Züricher Bahnhofsplatz...
Es hatte beinahe schon komische Züge an sich, als Powerkraut im letzten Training vor dem Spiel beim griechischen Meister Apollo die Mannschaft zum Gesprächskreis in den Mittelkreis bat. Natûrlich hatte unsere Zeitung keinen direkten Zeugen in diesem Kreis, aber mehrere Spieler gaben nach dem Training fast gleichlautende Erklärungen ab. Im Mittel- bzw. Gesprächskreis sei es um die mentale Vorbereitung auf das vermeintliche Spitzenspiel. Einige der Spieler waren nach der Ansprache verwirrt, andere voll motiviert. Aber was hatte Powerkraut denn nun gesagt? "Seid wie ein Ventilator!"
Oder so ähnlich. Nach 2 knapp gewonnenen Heimspielen, in denen die Abwehr von Veria einen Bombenjob gemacht hat, hofft man auch im Norden Griechenlands auf eine Fortsetzung des Trends. Denn der gemeine Grieche an sich ist eher von konservativer Art und hält gerne an den bisherigen Grundsätzen fest. Und die sind in dieser Saison: Die Heimnull muss stehen! Und diese Grundeinstellung wurde so auch als oberste Priorität vom ganzen Trainerstab seit Saisonbeginn propagiert. Dies heisst jetzt natürlich nicht, dass man in besonderen Situationen nicht dazu bereit wäre, das Gegenteil von dem zu machen, was man eigentlich machen wollte. Aber solange der Trend so ist wie er momentan ist, solange ist er eben so.
Powerkraut ist sich ja durchaus bewusst, dass er mit seiner fröhlich-offenen Art manchmal auf Zeitgenossen trifft, die diese Art nicht besonders schätzen. Aber das man auf derartige Ablehnung, ja fast schon Ignoranz in der eigenen Liga stösst, dass findet er schon befremdlich. Der Meister aus Kreta ignoriert nonchalant, dass man gegen Veria verloren hat und behauptet einfach, er hätte gegen Apollo Athen verloren. Na gut, wenn sich das besser anhört... Aber das ein anderer Kollege den ersten Meistertitel Powerkrauts in Griechenland (Saison 26) gar völlig in Abrede stellt, das hat dann dem Ouzofass dann doch den Boden ausgeschlagen. Den Trainer derart in Rage gebracht ist es einer gegnerischen Mannschaft nie zu raten, bei AO Veria anzutreten...
Es ist wieder Fussball in Griechenland. Auch wenn andere Geschäftsbereiche und vor allem die Unterhaltungsbranche zur Zeit schwere Gewinneinbußen hinnehmen müssen, der Fußball wird in Griechenland weiter als König behandelt. Die Stadien sind weiterhin rappelvoll, die Fans ebenso. Das hebt die Stimmung, das macht Laune, auch wenn Fasching schon ein paar Tage vorbei ist. Die Laune beim Trainer des AO Veria dagegen war auch schon einmal besser. Das wird wahrscheinlich am undankbaren vierten Platz liegen, der sich leider ausserhalb jeglicher Medaillenränge befindet. Da kann man ja eigentlich noch froh sein, dass die Meisterschaft in Griechenland keine Weltmeisterschaft ist, denn hier bekommt man sogar noch was für den vierten Platz...
Zwar stehen die Olivenbäume weiterhin auf dem weitläufigen Privatgelände von Powerkraut und grünen so vor sich hin, aber wirkliche Freude empfindet der Botanikfan momentan nicht an seinen Gewächsen. Es wird einfach Zeit für die Blütenzeit. Die Blüte des Olivenbaums ist nicht so schön wie eine Kirschblüte, dennoch ist sie durchaus in der Lage, alleine durch die Betrachtung ihrer selbst, einem der Flora zugeneigten Zeitgenossen die ihm zur Verfügung stehende Lebenszeit für die Zeit des Betrachtens äußerst angenehm zu gestalten. Doch leider ist noch keine Blütezeit im weitläufigen Grundstück des Trainers und so beschäftigt man sich in der Zwischenzeit einfach mit dem profanen Fußball. Helau!
Man merkt es, wenn einem der Rücken weh tut. Wenn man nicht nur zum Autofahren sondern auch zum Zeitungslesen eine Brille braucht. Wenn man auf die Bitte eines Kindes, mit ihm zu kicken, nur noch müde lächelt. Oder wenn in dem sozialen Umfeld, in dem man sich momentan bewegt, noch ältere Mitglieder aussteigen. Oder noch einfacher, man merkt es daran, dass man plötzlich als dienstältester Trainer aufgeführt wird. Das tut schon weh. Also nicht körperlich direkt, aber anders eben. Aber so ist das halt in Griechenland, da ist alles etwas anders. Und das ist auch gut so!
Auf der letzten Mitgliedervollversammlung ging es hoch her. Neben vereinseigenem Ouzo gab es auch Emotionen in Hülle und Fülle, vor allem, als das Thema Namensänderung auf dem Programmplan stand. Traditionalisten gegen Modernisierer. AO Veria oder FC Veria? Das war die heiß diskutierte Frage. Die Einen sagten, wir heißen schon immer AO Veria, unser Name gehört zu den bekanntesten des Copaversums. Warum sollten wir den ändern? Die Anderen
sagten, ja eben, drum! Öfter mal was Neues. Sogar das Argument der Annäherung an die Realität wurde gebracht. Aber welche Realität? Powerkraut verstand es nicht. Wir sind doch hier In der Virtualität, was hat die Realität hier zu suchen? Es waren verwirrende Fragen, die aber nicht abschließend geklärt werden konnten. Die Hauptversammlung beschloss daher, eine Troika einzusetzen, um die Frage von externen Fachleuten klären zulassen.
Nach einem 6-Punkte ZAT begann der Meistertrainer aus Kreta mit dem stänkern und rief via Zeitung dazu auf, dem aktuell Führendem, AO Veria, doch bitte mehr Tore einzuschenken. Ein durchaus legitimes, wenn auch nicht sonderlich faires Verhalten. Aber eine Frage bleibt dennoch offen; warum beschwert sich Puddel über nicht geschossene Tore in Veria, wenn seine eigene Mannschaft im dortigen Stadion auch nur Angsthasenfußball zeigte? Keinen Mumm, mit gutem Beispiel voranzugehen? Fast sieht es so aus. Aber das Rückspiel für Veria in Kreta steht ja noch aus und Powerkraut verspricht schon jetzt, dass es ein wahres Schützenfest geben wird.
Nein, nein. Dieses mal sind es keine geometrischen und physikalischen Probleme, die Powerkraut beschäftigen. Es ist eine kleine schweizer Bank. Um genau zu sein, die älteste Privatbank der Schweiz. Wie jeder anständige Grieche, der etwas auf sich hält, unterhält auch Powerkraut dort ein Konto, auf das er sich 7/10 seines Gehaltes steuersparend überweisen lässt. Und jetzt das, die Bank gibt das Bankgeschäft auf. Eine Katastrophe! Da wird selbst der miserable Tabellenplatz zur Nebensache. Was nun? Zypern? Delaware? Oder doch Singapur? Eine schwierige Entscheidung. Fast so schwer, wie die Mannschaftsaufstellung für die nächsten Partien zu würfeln. Aber warum sollte man es als Trainer in Griechenland auch leicht haben?
Die schiefe Bahn ist ja letztendlich auch nichts anderes als eine gegen den Horizont geneigte, endliche Gerade. Also eigentlich kein Grund, gleich das schlimmste zu befürchten. Dennoch hatte man sich bereits letzte Woche mit dem Thema "Schiefe Bahn" befasst, und daraus wären nach dem letzten Spieltag die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Wir halten fest, AO Veria wollte nicht schon gleich zum
Beginn der Saison an der Spitze stehen. Nun ist es passiert. Und jeder weiss, was passiert, wenn man den Startpunkt auf der schiefen Gerade am obersten Punkt beginnt: Es kann nur abwärts gehen. Dagegen gibt es nur eine Lösung: Verändere die schiefe Bahn. Manchmal muss man sich halt die Realität an die Gegebenheiten anpassen. Hört sich kompliziert an, ein Grieche weiss damit aber bestens umzugehen.
Der Gedanke plagte ihn ein ganzes Wochenende komplett, den Rest der Woche immerhin noch partiell. Aber auch das Partielle ist ein Teil des Ganzen und daher nicht zu negieren. Powerkraut wollte das aus den Spielresultaten resultierende Tabellenbild nur eingeschränkt annehmen. Denn ihm ist die Saison noch viel zu jung, um jetzt bereits von der (fast) Tabellenspitze vorlaut auf den Rest des Feldes herabzublicken. Da mit dem (aktuell) Tabellenersten ein taumelnder Verein ohne Führung an der Spitze steht ist AO Veria ja (quasi) Tabellenführer aller echten Griechen. Doch wie man noch gut in Erinnerung hat (in Veria auf jeden Fall!), gehen Frühstarts in der Regel schief. Befindet man sich also schon wieder auf der schiefen Bahn? Der Gedanke lässt ihn einfach nicht los...