Es war Freitag nachmittag, als Schnippel schwitzend vor dem Computer, also am Spielfeldrand stand und der längst geplanten Taktik den letzten Schliff verlieh. Analyse: Tabellensituation, letzte Spiele, TK-Vergleich, kommende Gegner und die Spiegelwirkung der eigenen Faktoren. Hat wieder nichts gebracht. Hätte er doch die "2" im Auswärtsspiel stehen lassen, war er sich schließlich sicher dass die Bragaer keine Kraft für große
Luftsprünge haben, und hatte dies auch gegenüber den Reportern am Wochenanfang erwähnt. Wenigstens zu Hause lief es wieder, daran wird auch Leiria am kommenden Freitag nichts ändern können. Auswärts geht es zum Tabellenführer, erste Anfragen für den obligatorischen Trikottausch mit den kommenden Europahelden gab es seitens der Spieler, doch wie der Love-Check richtig feststellte gibt es nicht viel Liebe für den Gegner, jedenfalls nicht vor dem Abpfiff.
Schnippels Opa hat schon drauf geschwört, ein Kräuterlikör soll es jetzt also richten, der die Spieler beflügeln soll, besser als das jede österreichische Softdrinkplörre hinkriegen würde. Mehr fällt dem Berliner nicht ein? Nein. Zu schlecht der Tabellenplatz, zu schwer die Last in der Seele, nachdem auch der verhasste grosse Bruder die WM gewonnen hat. Und auch wenn man sich in Coimbra schon dran gewöhnt hat, das Kämpferherz schlägt ab jetzt etwas schneller, zum Saisonfinale. Trotz dem schlechten
TK, wenn auch nicht so katastrophal wie beim kommenden Auswärtsgegner Sporting Braga, für die der aktuelle Tabellenplatz schwer zu halten sein wird, wird man die Auswärtschancen suchen "müssen", um unten rauszukommen. Trainer Schnippel hält am Nichtabstieg weiterhin fest, und will alles dafür tun, CD des Aves in der o.g. Statistik nicht einzuholen. Auf den selbstgemalten Bannern des Fanclubs "Kellerkinder" war passenderweise zu lesen: "Todgesagte leben länger, wir sind noch lange nicht weg"
Immer hin und her, zwischen Platz 16 und 18 dümpelt Trainer Schippel hin und her. Ein Nichtabstiegsplatz wär doch mal was, eine moralische Oase, der eine oder andere würde das hier schon wie eine Meisterschaft feiern. Immerhin hat es diesmal zu Hause geklappt, auch wenn man hier hätte Kräfte sparen müssen, aber darauf soll grundsätzlich ausgebaut werden, sind die Kapazitäten doch eh erschöpft, um auswärts noch die großen Spiele zu reißen, aber selbst da ist sich die
Redaktion nicht sicher, ob Schnippel nicht doch noch mal die Flucht nach vorne wagt. Jetzt fängt er an, die Spieler Schweini, Poldi, Samy und Miro zu nennen, er ist fest überzeugt, dass das helfen wird. "Vielleicht vergisst auch der eine oder andere den kommenden ZAT, und flucht, wenn er am Freitag um 19:02 Uhr mit dem Kopf auf einer zurechtgeknickten Bierdose, und bedeckt mit der Schwarz-Rot-Goldenen Flagge aufwacht, ist doch noch alles möglich." Hr. Schnippel, vielen Dank für diesen biographischen Hinweis.
Die Statistik macht es deutlich, Coimbra ist Unten noch nicht herausgekommen. Das Präsidium ist entsetzt, hat den Krisenstab einberufen. Trainer Schnippel zuckt mit den Achseln, hat er doch gerade erfahren, dass sein Saisonziel ohnehin erreicht ist, weil doch sowiso Keiner Absteigen wird. Trotzdem ist die Leistung blamabel, so viele Heimspiele wurden leichtsinnig vergeigt, das Torekonto ist schlecht, und er ist einfach etwas depressiv zur Zeit. "Was mich aufbaut? na dass heute endlich wieder WM ist, ansonsten
fällt mir nix ein, meine Spieler haben zur Zeit einfach kein Glück, und dann kommt auch noch Pech dazu."
Da kommen trotzdem wieder die stechenden Gedanken an den Heimatverein, der bei der Hinrunde schon Zweitklassigkeit bewies, das Heimspielproblem, das Pech... Trotzdem lässt man den Grünsporn in seiner Allerersten Copa-Saison noch Zeit zum Arbeiten, bescheinigte der Pressesprecher in der heutigen PK nach dem Abschlusstraining. So, jetzt noch ein Schalalalala, und die Zeichen müssten reichen.
Nach dem Wochenende hat sich Coimbra auf einen Nichtabstiegsplatz vorgearbeitet. Obwohl dem Trainer ein erleichtertes Grinsen übers Gesicht ging, müssen die Fehler offenbart werden. In der Auswärtsschlacht bei CD des Aves hatten die Zuschauer 9 zu bewundern, leider hatte die Studentenelf das Nachsehen. "In the long run we are all dead" sagte schon Keynes, aber lieber Schnippel, die Saison ist noch lang, und wir brauchen nur zum derzeit 15. SC Covilha gucken und sehen, was schlechtes ZAT-Management bewirken kann, waren diese doch Anfangs lange
Tabellenführer. Inzwischen fragt man sich, ob sich Barney Stinson überhaupt noch vor den PC bequemt, alles andere als legen..wait for it...dary.
Schnippel argumentierte ggü der Redaktion mit seinem bisher einwandfreien Quizwissen und den aus Kreuzberg importierten 36-Currywürsten, die er unserer Redaktion für unsere unfassbar lesenswerten Artikel allmontaglich bereitstellt.
Schmatzend, Kindl zischend und achselzuckend nehmen wir das zwar zur Kenntnis, aber es ist wohl eher Tatsache, das ein "Nicht-Bonus" ein Nachteil ist als andersrum.
Böse Worte muss es gehagelt haben in Coimbra. Der hiesige Mannschafts-Fachschaftsrat berichtete zwar in einer Sondersitzung von dem hervorragendem Verhältnis des Vorstandes und dem Boden-, bzw. Rasenpersonal, aber dem verängstigtem Schnippel war bei der Anreise am Montagmorgen die Wochenendspannungen noch anzumerken. Zerknittert, lethargisch vor sich herflüsternd und mit zittrigen Beinen stieg er aus Stretchlimo.
Direkt nach den Spielen wagte das sonst so gelassene Greenhorn in der Pressekonferenz den Vergleich zu seinem Heimatclub. "Hertha hat einen Heimsieg in 17 Spielen verbucht, wir kennen alle ihre Zukunft." Das Präsidium nahm dies offiziell
kopfschüttelnd und schweigend hin, hinter den Kulissen scheint es jedoch gebrodelt zu haben, auch wenn der Trainer unsere Vermutung, und die Frage nach seinem grauenhaften Aussehen mit einem kleinen Rülpser, und einem schallenden "SCHLAAND" nur ungenügend beantwortete.
Die Insulaner aus Funchal hatten die Studentenelf gnadenlos mit 4:1 abgeschossen, auswärts wurde man jedoch von den Sporting-Nachbarn in gleicher Weise unterschätzt.
Schnippel verkündete, zu Hause mehr riskieren zu wollen, und der portugiesischen Mannschaft die Daumen zu drücken, weil diese schließlich zu den Lieblingsgegnern der deutschen Elf zählen würde.
Auswärts floppte es am vergangenem Freitagabend, der funkelnde Nieselregen im Scheinwerferlicht schien eine bessere Figur zu machen als das Auswärtsteam von Coimbra. Im eigenen Stadion lief es dafür besser, und die Mannen konnten unter Schnippel den ersten Heimsieg verbuchen.
Davon scheinbar fasziniert sprach der Rechenfuchs gleich von der Chance der englischen Woche, "Tabellenführung" schrien die 22,5 Fans sogar, denn mit 9 Punkten und ein
Paar Unentschieden könnte das schwarz-weisse Schlusslicht schnell in der oberen blauen Hälfte der Tabelle stehen.
Von diesem Theoriegetöse sollten Sie sich jedoch fernhalten, auch wenn das Torekonto inzwischen nicht mehr so abgedroschen daherkommt.
Bleibt zu hoffen, dass der Trainer am Wochenende mehr Kompetenz erweist als beim dieswöchigen Quiz, obwohl doch so einige Latinos in der Mannschaft sind. Die Redaktion wünscht ihm jedenfalls alles Gute!
Montag, 06:30, die Morgensonne erleuchtet den noch kühlen Sand des 42km entfernten Atlantikstrandes, wo der Trainer zum Trainig geladen hat, zu dem er, den Kritikern zum Trotze, selbst erschienen ist. Mit einem frischgepressten Orangensaft wartet er an der Ziellinie des 20 km - Trainingslaufs.
Es war natürlich kein schönes Wochenende, nicht bei den lissaboner Nachbarn, nicht zu Hause gegen die konterstarken Bragaer. Die Offensive ist stark geschwächt und soll im Laufe der Saison zu neuer Stärke finden. Durch
zahlreiche Verletzungen, unter anderem auch als Folgen des Überpesens zu Saisonbeginn, hat der Trainer eine schwere Aufgabe.
"Ich bin mir bewusst, dass der Frust bei den Fans nach diesem Wochenende gewachsen ist. Schöne Spiele sehen anders aus. Wir arbeiten stetig, die Tendenz der Leistungen sowie die Moral sind trotz roter Laterne aufsteigend, wir haben ja schließlich grad mal angefangen."
Klingt wie Friedhelm Funkel in der Rückrunde der Hauptstädter, wir wünschen Coimbra mehr Glück!
die 200.000 Seelen-Stadt an der portugiesischen Küste atmet auf. Mit dem 16. Tabellenplatz sah sich der Vorstand gezwungen, dem Trainer den Laufpass zu erteilen.
Der neue Mann ist bisweilen noch unbekannt, hat jedoch Co-Trainererfahrungen in Berlin gesammelt. Der gebürtige Preusse kommt mit neuem Schwung, neuem Elan, taktischer Intelligenz und psychischem Know-How daher.
Im exklusiven Interview
ließ der Trainer vermelden: "Ich fühle mich hier sauwohl, die Mannschaft ist hochmotiviert und will mehr. Hier ackert jeder bis die Füße glühen. Die Trainigsleistungen sind überdurchschnittlich, und von der südeuropäisch vermuteten Lässigkeit ist hier wenig zu spüren. Die Gegner müssen sich vor diesem Team fürchten, ein einstelliger Tabellenplatz ist unser Ziel."