Küche in Tashkent. Hikaris Frau stellt zwei Einkaufstaschen vor die Tür.
«Zwei?» «Zwei Spiele. Und auf dem Zettel steht diesmal Fleisch.»
«Bernd schreibt, du hättest einen Vegetarier geheiratet.» «Eben.»
Gegen Bunyodkor gab es ein 3:0, wie bestellt. Platz zwei, ein Punkt hinter helmi. helmi schreibt nicht. Er führt.
«Felixus sagt, die Auswärtsdrei sei der ungewöhnlichste Zug der Spielwelt.»
«Ungewöhnlich ist ein Remis. Am letzten Spieltag gab es drei davon.» «Und bei euch?»
«Seit 50 Spielen keins. Halbe halten
nicht.»
Am Freitag fährt Pakhtakor nach Olmaliq. Dort hat diese Saison noch niemand etwas mitgenommen: sechs Heimsiege, 23:4 Tore. Danach kommt Qizilqum nach Tashkent. Das Hinspiel ging 0:2 verloren. Gleichzeitig empfängt helmi Pepeke. Erster gegen Dritten. Danach muss helmi nach Mashal und in der Champions League gegen Wollongong. Wer viel reist, bringt wenig nach Hause. «Und wenn die unentschieden spielen?»
«Dann kaufen wir Fleisch.»
Zwei der sieben Pfeifen im Keller tragen seit Donnerstag neue Schilder: Oksana und Elvijra. Damit Pepeke recht behält.
Aus dem Keller pfeift es. «Horst?»
«Oksana.» «Ich frage nicht.»
Küche in Tashkent. Hikaris Frau stellt eine einzige Einkaufstasche vor die Tür.
«Nur eine?» «Diesmal gibt es nur ein Spiel.»
«Letzte Woche waren es sechs.» «Und du hast sie alle voll nach Hause gebracht. Gewöhn dich nicht daran.»
Erst ein 5:2 gegen Sho'rtanneftgaz, dann ein 1:0 gegen Andijon. Platz drei, drei Punkte hinter helmi.
Aus dem Keller pfeift es zweimal. «War das Bernd?»
«Nein. Der anonyme Vereinsinsider. Er meldet, Pepeke Khan sitzt wieder auf dem Pferd.» «Das hat Pepeke selbst geschrieben. In Großbuchstaben.»
«Eben. Ein Insider muss nicht alles exklusiv haben.»
Seit Pepeke erklärt hat, er sei kein Damenrad, das jeder fahren
dürfe, hängt am Fahrradständer im Hof ein Schild: Reserviert für Seine Hoheit.
«Er schreibt auch, Elvijra und Oksana wohnen in unserem Keller.»
«Nur donnerstags. Da wird geölt.»
Am Freitag kommt Bunyodkor nach Tashkent. Der Tabellenletzte schreibt nicht, dementiert nicht und meldet sich auch sonst eher selten. «Vielleicht kommen sie gar nicht.»
«Irgendwer kommt immer.»
Seine Frau legt einen Zettel in die Tasche. Darauf steht nur ein Wort: Punkte.
«Keine Zahl?» «Felixus will Maß und Mitte hintanstellen. Bei uns bleibt das Maß.»
Aus dem Keller pfeift es noch einmal. «Horst?»
«Horst.» «Ich frage nicht.»
Keller in Tashkent. Hikari hält seiner Lokomotivpfeife Bernd die Zeitung hin.
«Sag was. Von den Trainern kommt ja nichts.»
Seine Frau kommt herunter. «Felixus hat geschrieben.»
«Der vergisst seinen Strategen am Strassenrand. Wir gewinnen 5:2. Bei Bernds 4:0 gegen uns fehlte dann meiner.»
«Du hast keinen Strategen.»
«Siehst du.»
Hikari setzt sich an die Schreibmaschine.
Pepeke Khan hat sein Pferd gegen ein Damenrad eingetauscht. Der Korb bleibt seiner Hoheit vorbehalten.
Xelaju trinkt neuerdings alkoholfrei. Nachbarn berichten, er sei
nüchtern noch unangenehmer.
Elvijra und Oksana sind längst zurück. Sie verstecken sich nur vor Bernd.
«Das ist alles erfunden!»
«Dann sollen sie dementieren. Endlich mal wieder Zeitung.»
Am Freitag kommen der trainerlose Tabellenführer und Andijon. Zwei Heimspiele. Hikari unterstreicht die Sechs auf seinem Einkaufszettel.
«Und wer ist deine Quelle?»
Er deutet auf die Lokomotivpfeife.
«Die kannst du doch nicht Bernd nennen und ihm solche Aussagen unterschieben!»
Supermarkt in Tashkent. Hikari schiebt den Wagen. Seine Frau legt Reis, Öl und sechs kleine Brötchen hinein.
«Warum sechs?» «Felixus backt nach zwei Niederlagen kleinere.»
«Ich wäre lieber zu Hause.» «Damit du wieder vier Tore und keine Lebensmittel mitbringst?»
«Bernd muss geölt werden.» «Bernd W.?»
«Nein.»
Im Keller stehen sieben ausrangierte Lokomotivpfeifen. Hikari gibt ihnen Namen, ölt sie donnerstags und misst anschließend mit einem Fieberthermometer ihre Betriebstemperatur. Eine heißt Bernd. Seine Frau weiß weder, woher die Pfeifen stammen, noch warum eine davon nachts manchmal den Bahnhof von Samarkand ansagt.
Am Zeitungsregal erfährt
Hikari, dass Elvijra und Oksana die Einkaufspaläste der Emirate hassen und nach Usbekistan zurückwollen.
«Verständlich.» «Du bist seit zwölf Minuten hier.»
«Elf zu viel.»
Am Freitag kommt Felixus mit Navbahor nach Tashkent. Danach wartet ausgerechnet Lokomotiv. Pakhtakor holte zuletzt wieder nur drei Punkte: 6:0 gegen Samarkand, 0:3 bei Mashal.
An der Kasse verteilt Hikaris Frau die Einkäufe auf sechs Taschen.
«Drei für Felixus, drei für Bernd?» «Das sind Lebensmittel. Die Punkte besorgst diesmal du.»
Aus Hikaris Mantel ertönt eine Lokomotivpfeife. «War das Bernd?»
«Nein. Horst.»
Seine Frau schließt kurz die Augen. «Ich frage nicht.»
Parkcafé in Tashkent. Hikari betritt das Lokal mit dem verdächtigen Gemüse unter dem Arm. Am hinteren Tisch sitzt seine Frau. Ihr gegenüber: Bernd W. Zwischen beiden stehen vier leere Wodkagläser.
Bernd winkt freundlich.
«Ah! Vegetable husband!»
Hikari stellt das Grünzeug auf den Tisch. «Du solltest es zu Oma Erni bringen.»
«Habe ich. Sie wusste auch nicht, was es ist.» «Und meine sechs Punkte?»
«Drei.»
Gegen das trainerlose Nasaf hatte Pakhtakor zu Hause 1:3 verloren. Bei Oma Ernis Sogdiyona gelang
immerhin ein 2:1. Platz vier statt Einkaufserlaubnis.
Bernd nimmt einen Schluck.
«Three points not six. Me understand mathematics. Lokomotiv have six.»
«Nach fünf Spielen.»
Bernd winkt ab.
«Details for poor people.»
Am Freitag empfängt Pakhtakor Meister Buxoro. Danach geht es zu Neftchi Farg’ona. Die nächste Gelegenheit, die fehlenden drei Punkte nachzuliefern.
Hikaris Frau bestellt noch zwei Wodka. «Musst du vorher wieder Gemüse kaufen?»
«Nein.»
Küche in Tashkent. Hikari stellt zwei prall gefüllte Einkaufstüten auf den Tisch.
«Reis?»
«Da.» «Öl?»
«Auch.»
Seine Frau zieht ein Bündel verdächtig grüner Pflanzen aus der zweiten Tüte.
«Und das sollen Möhren sein?»
«Der Mann im Parkcafé sagte, das sei eine einheimische Sorte.» «Das sieht aus, als würde man es eher rauchen als essen.»
Hikari hatte bereits Ähnliches vermutet. Deshalb hatte er zwei Tische neben Bernd W. gesessen und das Gemüse bewacht. Das mitgebrachte Schachbrett diente nur der Tarnung. Während Bernd einen gewissen Jamal Bond mit zehn Millionen serbischen Dinar auf Elvijra
und Oksana ansetzte, hatte Hikari tatsächlich keinen einzigen Zug gemacht.
Auf dem Platz waren es zuletzt immerhin genug: Olmaliq wurde 3:0 geschlagen, bei Qizilqum setzte es anschließend ein 0:2. Pakhtakor bleibt Dritter.
Am Freitag kommt zunächst das punktlose Nasaf nach Tashkent. Danach wartet auswärts Sogdiyona mit Oma Erni, die ihren neuen Arbeitsplatz durch einen falschen Klick erhielt.
Hikaris Frau drückt ihm das verdächtige Gemüse wieder in die Hand.
«Nimm das zu Oma Erni mit. Entweder weiß sie, was es ist, oder sie legt es in Wodka ein.»
«Und Nasaf?» «Bring erst sechs Punkte nach Hause.»
«Und dann?» «Dann reden wir noch einmal über deine Einkäufe.»
Küche in Tashkent. Hikaris Frau nimmt ihm die leere Einkaufstasche ab.
«Reis?»
«Ausverkauft.» «Öl?»
«Auch.» «Was hast du dann mitgebracht?»
«Vier Auswärtstore.»
Bunyodkor hatte nichts dagegen. Pakhtakor gewann 4:0 und steht nach dem ersten Spieltag auf Platz drei. Nach sechzehn Trainerjahren ist Hikari vieles genannt worden. Effizienter Einkäufer gehörte bisher nicht dazu.
Auf dem Küchentisch liegt die Zeitung. Pepeke Khan kündigt an, erst hoch zu reiten und danach mit Bernds Lok nach Tashkent zu kommen. Hikari
nimmt den Einkaufszettel und schreibt darunter: Reis, Öl, Möhren. Wer ohnehin in die Hauptstadt fährt, muss nicht mit leeren Händen anreisen. Ob Steppenfürst, Lokführer oder Horst ist seiner Frau egal. Nur Vodka-Redbull wird nicht angenommen.
Vorher empfängt Pakhtakor Olmaliq, das zum Auftakt fünfmal traf. Danach geht es zu Qizilqum, das ebenfalls mit einem Sieg begann. Die nächste Einkaufstour dürfte also teurer werden.
«Und wenn Pepeke nichts mitbringt?»
«Bernd fragen.» «Und wenn beide nur trinken?»
Hikari faltet die Liste zusammen.
«Horst.»
Ein Laden in Tashkent. Hikari reicht der Verkäuferin den Zettel seiner Frau.
«Reis ist aus. Öl auch. Möhren ebenfalls.»
«Plov?» «Vergessen Sie es.»
Seit dreizehn Saisons kauft Hikari hier ein. Heute weiss er genau, was er will. Natürlich ist nichts da.
Hinten stehen vier neue Regale.
«Drei leer.» «Sie haben für die Erweiterung gestimmt.»
«Stimmt.»
Nasaf, So'g'diyona und Sho'rtanneftgaz kamen ohne Personal. Auch Bunyodkor ist unbedient. Hikari legt dort heute alles auf den Tresen.
Auf einer Getränkekiste liegt die Sportzeitung. Felixus
nennt Platz fünf «durchaus erfolgreich», den eigenen Wettbewerb aber «Cup der Verlierer». Danach fragt er, ob schachspielende Alkoholiker neue Trainer abschrecken.
Hikari legt die Zeitung zurück. Die Werbung für Usbekistan läuft offenbar über Namangan.
Pepeke Khan freut sich derweil über «mehr Gelegenheiten, um am Saisonende knapp zu scheitern».
Der Mann weiss, wovon er schreibt.
Tor-Stan und Bananenbieger kaufen inzwischen in den Emiraten. Der Letzte der Vorsaison sitzt nun auf dem Stuhl des Meisters.
Das Telefon klingelt. «Hast du alles?»
«Nichts.» «Dann nimm, was übrig ist.»
Am Stadttor von Tashkent, wo die Seidenstrasse eng wird, sitzt Hikari mit einem Zollbuch. Drei Karawanen sind angekündigt: Samarkand, Muborak, Lokomotiv. Alle wollen zur Krone. Alle müssen hier vorbei.
Pakhtakor selbst reist nirgendwohin mehr. Siebter, nichts zu gewinnen, die ganze Saison kein einziges Remis. Wer nur Sieg oder Niederlage kennt, hat für Durchreisende wenig Geduld.
Zuerst der Khan aus Samarkand. Führt die Tabelle an, verkündet feierlich seinen letzten Ritt und schleppt eine Karawane aus Lahmen und Halbwüchsigen heran, weil ihm der halbe Tross im Lazarett liegt.
„Fürstlicher Besuch", notiert Hikari. „Zahlt in Naturalien."
Dann Muborak. Tanzte europäisch bis ins Halbfinale, fällt daheim aus den Top fünf und sucht die Schuld beim Wetter. Ein Händler, dem die Ware verdirbt, kurz bevor er den Markt erreicht.
Navbahor hat hier schon Zoll gelassen. Ein zu null, letzten Monat.
Vier Punkte trennen fünf Fürsten. Und der Weg zur Krone führt durch ein Tor, an dem einer sitzt, der selbst nichts mehr will außer der Rechnung.
Hikari schliesst das Buch. „Durchgewinkt wird hier keiner."
In der Choykhona von Tashkent saß Hikari vor einem Schachbrett, einer kalten Teekanne und sechs Rechnungen. Navbahor, Bunyodkor, Andijon, Samarkand, Mashal, Lokomotiv. Der Kellner fragte: „Noch Tee?“
Hikari sah auf die Tabelle. „Nein. Bring Benzin.“
Pakhtakor war zuletzt abgestürzt wie die Twin Towers - schon von AFC Cup geträumt und bei „Andijon knapp hinter dir“ angekommen. Null zu elf in drei Auswärtsspielen, daheim plötzlich Löcher im Teppich. Sogar Buxoro kam, legte die Füße auf den Tisch und nahm vier Tore mit, als wären es Gratisnüsse.
Der Co-Trainer räusperte sich. „Navbahor kommt ans Brett.“
„Gut“, sagte Hikari. „Dann
sehen sie wenigstens, wo Figuren sterben.“
Bunyodkor auswärts, Andijon auswärts, das klang wie zwei Zahnarzttermine ohne Betäubung. Aber dann: Samarkand, Mashal, Lokomotiv, alle in Tashkent. Tabellenführer, Zweiter, Meister. Drei Herren mit Kronen, drei Stühle über einer Falltür.
„Pepeke Khan glaubt, er führt die Liga“, sagte der Co-Trainer.
Hikari schob einen Bauern nach vorn. „Ein Khan ist auch nur ein Tourist, wenn er in Tashkent falsch abbiegt.“
Pakhtakor kennt keine halben Sachen. Kein Remis, kein Trost, kein höfliches Nicken. Nur Sieg oder Gesicht im Plov. Noch sechs Spiele. Und am Ende entscheidet Hikari nicht die Meisterschaft. Er beschädigt sie fachgerecht.
Zwischen zwei Schalen Tee lag in der Choykhona ein Brett mit drei schwarzen Flecken: 0:5 in Samarkand, 0:3 in Muborak, 0:3 bei Lokomotiv. Hikari betrachtete sie wie missratene Züge. Platz sieben, 36 Punkte, 54:58 Tore, zwölf Siege, fünfzehn Niederlagen. Kein Remis. Wie überall in dieser Liga. Halbe halten nicht.
Dreimal auswärts versunken. Und jetzt wieder zweimal hinaus.
Hikari hob die Schale. „Pakhtakor hat draußen erst zweimal gewonnen. Ein Schluckauf wird trotzdem nicht bekämpft. Man hält die Luft an und wartet.“
Pepeke Khan hatte aus Hikari ein hik hik gemacht und danach fünf Tore serviert. Hübsch. Nur ist ein Khan keine Schachfigur. Dort fällt am Ende der König. Mancher Herrscher merkt erst beim Opfer, dass er bloß ein Bauer war.
Zunächst wartet Olmaliq. Das Schlusslicht besitzt eine Stellung mit 72 Löchern. Selbst Schwarz trifft dort nach Belieben.
Wer 72 Felder offen lässt, ist matt, bevor die Uhr läuft. Danach Neftchi. Dann Buxoro in Tashkent.
Team Oksana reist an.
Vor Hikaris innerem Auge lagen sieben nackte Trainer zwischen Flaschen, Kondomen und Jointresten, während der nüchterne Bernd W. das Ende der Zivilisation verwaltete. Die zwei himmlischen Töchter aus der Charoshi Phiki Bar hatten ganze Arbeit geleistet. Hangover IV, nur ohne Drehbuch.
Buxoro kommt als Vierter mit 45 Punkten und sucht vermutlich noch den Kater. Pakhtakor hat die Partytruppe daheim schon einmal 5:0 zerlegt. „Kondome statt Bauern“, sagte Hikari. „Rausch statt Ruhe. Tief stehen, früh stechen, spät leiden. Diesmal leidet der andere.“
Der Co Trainer zog den König zurück.
Und Samarkand?
Hikari lächelte. Noch zwei Züge. ZAT 14. Tashkent. Eigenes Brett. Pepeke Khan darf kommen.
Hik. Hik. Ruhe.
Matt in zwei ZATs, Khan.
Zwei Heimspiele, beide mit Weiß, beide verloren: 3:4 gegen Bunyodkor, 1:2 gegen Andijon. Gegen den Achten und den Letzten. Wer daheim gegen das untere Brettende patzt, fällt. Pakhtakor rutscht vom vierten auf den sechsten Platz, 36 Punkte und das Spitzentrio Mashal, Buxoro, Dinamo zieht auf 42 davon. Navbahor (39) und Neftchi (37) stehen dazwischen. Europa ist noch in Reichweite, aber die Reichweite wird kürzer.
Und jetzt? Drei Partien, alle mit Schwarz: in Samarkand beim Dritten, in Muborak beim Ersten, in Tashkent beim alten Meister Lokomotiv. Die schwerste Seite des Bretts und
ausgerechnet auswärts, wo wir in elf Spielen nur zweimal gewonnen haben.
Der Co-Trainer deckt das Brett ab. "Mit Weiß hattet ihr zweimal den ersten Zug und zweimal verloren. Schwarz verzeiht keinen Eröffnungsfehler. Also: kein offenes Visier."
Der Plan bleibt der alte, nur ernster: tief stehen, früh stechen, spät leiden. Aus drei Auswärtsspielen gegen die Besten zählt jeder Punkt doppelt. Wer mit Schwarz ein Remis hält, hat schon halb gewonnen... nur kennt unsere Bilanz kein Remis: zwölf Siege, zwölf Niederlagen, kein einziges Unentschieden.
Choykhona in Tashkent, ein Schachbrett zwischen zwei Schalen Tee. Hikari schiebt einen Bauern.
„Buxoro 0:3, Navbahor 0:3. Zweimal auswärts, zweimal matt."
Der Co-Trainer rückt den Turm: „Gegenwind, wie bestellt. Vom Zweiten auf den Vierten und drei hinter dem Trio."
Oben drängeln sich Mashal, Buxoro und Dinamo auf 39, während halb Usbekistan im WM-Fieber Oksana und Elvijra hinterherreist.
„Gut", sagt Hikari. „Zwei Heimspiele. Bunyodkor, Andijon. Jetzt habe ich Weiß."
Co-Trainer: „Weiß zieht zuerst, gewinnen muss es trotzdem selbst."
Hikari nickt: tief stehen, früh stechen, daheim endlich liefern. Die Fans bringen wieder Popcorn.
Auswärtsspiele für Pakhtakor, der sich aktuell auf dem zweiten Tabellenplatz befindet. Hikari steigt aus dem Bus und zählt erst die Spieler, dann die Ausreden. Beides reicht knapp. Der Platz riecht nach Arbeit, der Gegner nach Heimbonus und die Tabelle nach „bitte jetzt nicht stolpern“. „Wir müssen mutig auftreten“, sagt Hikari. Der Co-Trainer nickt: „Mutig heißt aber nicht, dem Gegner die Mitte als Gastgeschenk zu überreichen.“ Also Plan für Freitag: tief stehen, früh stechen, spät leiden. Pakhtakor will Punkte. Hikari will Ruhe. Die Fans wollen beides und Popcorn.
Eine Teppichwerkstatt in Tashkent. Der Knüpfer arbeitet an einem Muster, das sich in der Mitte spiegelt. Hikari sieht zu. „Beide Hälften gleich, Knoten für Knoten. Sonst taugt der Teppich nichts."
„Wie die Tabelle. Wir und Neftchi. Zweiundvierzig Tore, einunddreissig kassiert. Beide. Auf den Knoten genau." „Und doch hängt eine Hälfte höher."
„Sie stehen über uns. Dabei sind wir derselbe
Teppich." „Was trennt euch?"
„Zwei Spiele gegeneinander. Eins zu drei, null zu zwei. Zwei Knoten."
Der Knüpfer zieht den Faden fest. „Zehn Siege, acht Niederlagen, kein Unentschieden. Halbe Knoten gibt es bei Ihnen nicht."
„Halbe halten nicht."
Der Dritte von zehn betrachtet ein Muster, das auf beiden Seiten gleich ist — und begreift, dass Symmetrie nur heisst, dass jemand anders oben hängt.