Die Reise nach Taschkent war nur halb erfolgreich, und Pepeke Khan lässt keinen Zweifel daran, wer dafür verantwortlich ist: Bernd! Der behielt Elvijra und Oksana nämlich eisern für sich und zeigte sich gastfreundlich wie ein zugefrorener Brunnen. "Bernd nix teilen, Bernd nix Gastfreundschaft! In Steppe jeder gibt Airag, jeder gibt Dach, nur Bernd gibt Gesicht wie Backstein!", polterte Khan mit hochrotem Kopf auf der Rückfahrt und trat dabei gegen den Mannschaftsbus.
Die Laune des Steppenkönigs liegt seither im Keller. Der Balljunge
flüchtet bereits, wenn er nur das Holzschwert klappern hört.
Doch der nächste Gast steht schon vor der Tür: Hikari rückt mit seinen Packeseln an. Was auf seinem Einkaufszettel steht, bleibt sein Geheimnis. "Ich nix sagen, ich nix verraten! Hikari wird sehen, was Samarkand kann!", knurrte Khan.
In Samarkand jedenfalls wird bereits kräftig gerührt: Wir kochen für Hikari und sein Team eine dynamische Suppe, die es in sich hat. Wer sie auslöffelt, merkt, dass in dieser Stadt nicht nur der Steppenfürst Feuer unterm Kessel hat.
Zwei Niederlagen in Folge haben Dinamo auf Platz sechs gespült. Für gewöhnliche Trainer wäre das ein Grund zur Sorge. Für Khan ist es eine persönliche Beleidigung.
„Was ist das für Tabelle, Brüder?! Ich bin Khan! Meine Vorfahren reiten über Steppe, und meine Mannschaft reitet direkt in Keller! Ich schwöre bei Bart von Großvater: Noch ein Niederlage, und ich mache hier Ordnung mit meine eigene Hand!“
Wieder muss er zu harten Maßnahmen greifen.
Doch Khan muss ohnehin in dieser Woche in die Hauptstadt. Dort warten Elvjira und Oksana, und allein dieser Gedanke hebt seine Laune beträchtlich. Und Bernd W ist auch ein guter Freund. Ein Mann, auf den Khan in schwierigen Zeiten zählen kann.
„Bernd ist guter Freund. Er leiht bestimmt für Spaß, so wie Hikari. Du versteh was ich sage? So machen Freunde,“ gab er dem lokalen Blatt heute zu vermelden.
Allerdings scheint Bernd selbst nicht mehr auf Rosen gebettet zu sein. „Bernd jetzt arme Mann. Wenn braucht Geld, kein Problem!
Ich gebe Geld, er gibt Elvijra und Oksana…uuuaaaahahahhhahah,“ grölte es plötzlich laut aus ihm raus.
Und dann wäre da noch Hikari. Der gute Mann ist ständig mit seiner Einkaufsliste beschäftigt. Was er kauft und was das alles bedeuten soll, erschließt sich Khan bis heute nicht.
„Hikari immer mit diese Liste! Er kauft Sachen, schreibt Sachen, guckt Liste. Ich verstehen gar nix! Vielleicht kauft er Meisterschaft bei Gemüsemarkt? Wenn ja, ich nehme auch zwei Kilo!“
Doch aller Spott hilft nichts: Dinamo muss wieder punkten. Khan weiß, dass sein Stolz allein keine Tore schießt. Sollte seine Mannschaft allerdings erneut verlieren, könnte die alte Steppenaggression zurückkehren.
„Ich bin Khan! Ich kein Angst vor Tabellenführer! Nur vor Tabellenplatz. Und wenn Spieler wieder verlieren, dann ich werde sehr, sehr freundlich mit ihnen reden. Auf meine Art!“
So verabschiedete sich der Fürst und Trainer und man sah ihm an wie sehr er sich auf die Reise nach Taschkent freute.
Der FK Dinamo Samarkand ist nur einen Platz gefallen, und das, obwohl in Samarkand kaum noch einer daran geglaubt hatte. Nach dem missglückten Saisonstart sah es eher nach Abstiegskampf als nach Podium aus. Doch die Aufholjagd war gut, richtig gut.
„Pepeke Khan sagen: Wir nix aufgeben, wir kämpfen wie Kamel in Wüste, langsam, aber immer weiter!“, erklärte der Trainer nach dem Spiel. Und weiter: „Wenn wir Platz halten, ist schon sehr gut. Mama zu Hause sehr zufrieden!“
Das Restprogramm ist allerdings knifflig. Immerhin: Bernd W. steckt mit seiner
Lokomotive irgendwo zwischen Taschkent und der Steppe auf den Gleisen fest. Von dort droht also keine Gefahr.
Gefährlicher ist Hikari, der Dinamo im Nacken sitzt und wöchentlich gefährliche Zutaten einkauft. „Hikari kaufen Zutaten, wir nix wissen, was kochen. Aber riecht nach Problem!“, so Khan mit besorgtem Blick.
Dazu wirken Kräfte aus dem Ausland derart stark ins usbekische Geschehen, dass kein Spiel berechenbar bleibt. „Ausland immer mischen, Fußball in Usbekistan wie Plov ohne Rezept: Alles möglich, nix sicher“, seufzte Khan.
Der Steppenfürst aus Samarkand fliegt auf einem Höhenflug. Der letzte Sieg gegen die Rentnerin lässt ihn und sein Team noch etwas mehr aufsteigen. Pepeke Khan sichtlich erfreut über die neue Tabellenplatzsituation lacht laut und krault sich den Bauch. „Heute es gibt Bira für alle. Die Spieler können gehen feiern und haben Spaß mit Frau von Bar“, jubelte er ungeniert auf der Pressekonferenz. Morgen keine Training. Ich gehe auch machen feiern. Gehe in Keller von Hikari. Dort
Elvijra und Oksana,“ Auf die Frage eines Reporters ob das moralisch einwandfrei sei, erwiderte er wiederum, „ja ja, das kein Problem. Hikari gehe Einkaufen. Er braucht Frauen nicht. Ich kann bisschen leihen und machen bisschen Spaß. Ich brauche bisschen relax. Nächste Spiel komm Buxoro. Ist Meister, aber Helmi ist nix Meister. Er mache als ob. Deswegen, ich schaue nicht verlieren,“ gesagt und schnell verschwunden. Man sah noch wie er in sein Lotus einstieg und schnell Richtung Hauptstadt fuhr.
In der vergangenen Woche ist in Samarkand nicht viel passiert. Nur zwei Spiele, zwei Siege. Pepeke Khan hat mit blankem Holzschwert klargestellt, wofür er steht: für den SIEG. “Fußball ist KRIEG, nur mit Ball statt Pfeil!", hörte man ihn wiederholt über den Trainingsplatz schreien.
Das Ergebnis ließ ihn triumphieren. Neuer Tabellenplatz der gefällt. Presseanfragen wurden abgeschmettert. "ERST SIEG, DANN REDE! Jetzt NIX Zeit, jetzt NUR SCHWERT!", donnerte er gegen die Presseleute.
Währenddessen glaubt man in der Hauptstadt in Samarkand könnte
ein Posten frei werden, platzte dem Steppenfürst endgültig der Kragen. Mit hochgereckter Faust und knallrotem Gesicht polterte er: "NO, GARDASLAR! KEIN POSTEN FREI! Ich NICHT Damenrad, das jeder mal fahren kann! Ich SATTEL, ich PFERD, ich BLEIB SITZEN.
Hikari findet Elvijra und Oksana in seinem Keller, da wo auch Bernd W. steckt. Doch während bei Elvijra und Oksana hin und wieder das Licht aufgeht, bleibt es bei Bernd W. immer dunkel.
Pepeke Khan jedenfalls steht weiter auf dem Trainingsplatz und schaut sich nach dem Training Oma-Serien an. Auch gute Vorbereitung auf nächsten Gegner.
Sieben Spieltage, neun Punkte, zwei verlorene Heimspiele. Die Meisterschaft ist offiziell dahin, und mit ihr die letzten Reste von Pepeke Khans Engelsgeduld. Wer dachte, ein Steppenfürst führe seine Truppen ausschließlich mit weiser Ruhe, wurde diese Woche auf dem Trainingsplatz eines Besseren belehrt: Khan erschien hoch zu Ross, Schwert geschwungen, und scheuchte seine Mannschaft über den Platz, als gelte es, eine feindliche Karawane abzufangen. Die Balltechnik blieb dabei zweitrangig.
Beobachter berichten, selbst der Zeugwart habe
sicherheitshalber Deckung gesucht. Khan selbst blieb unbeeindruckt: „Wer nicht rennt, wird geritten. So war es immer, so wird es bleiben.“
Für Ablenkung sorgen unterdessen neue, reichlich suspekte Nachrichten: Aus den Emiraten mehren sich Lebenszeichen von Elvijra und Oksana. Details bleiben vage, Gerüchte üppig. Die Rede ist von Sonnenbrand, Shisha-Bars und einem gewissen Tor-Stan, der zufällig ebenfalls dort weilt. Bernd W. wurde zu den Vorgängen nicht erreicht; man munkelt, er packe bereits den Koffer.
Usbekistan bleibt gespannt.
Es hätte ein gewöhnlicher Spieltag werden können. Wurde es nicht. FK Dinamo Samarkand kassierte eine 1:4-Klatsche – ausgerechnet gegen einen schwedischen Trainer, der offenbar nach dem Prinzip „Rein, austeilen, Koffer packen“ durch die usbekische Liga zieht. Scheiß Wikinger!
Pepeke Khan, Steppenfürst außer Dienst, fand dafür deutliche Worte: „Bei uns hat man früher ganze Reiche erobert und ist geblieben, um sie zu verwalten. Dieser Herr erobert ein Spiel und verschwindet wie ein Zugvogel vor dem Winter.“
Statt jedoch in stiller Wut zu verharren, wählte Khan den offenen Feldzug: Er fordert nun
höchstpersönlich die gesamte Konkurrenz der Liga heraus – ausdrücklich alle, wirklich alle, inklusive Wasserträger und Zeugwart, falls es sein muss. „Wer glaubt, gegen uns austeilen zu können, soll sich melden. Steppenfürsten vergessen nichts – außer vielleicht, wo sie ihren Schlüssel hingelegt haben.“
Aus den Reihen der Konkurrenz kam prompt Spott zurück: Ein anonymer Liga-Sprecher ließ süffisant ausrichten, man solle in Samarkand vielleicht erst die eigene Abwehr sortieren, bevor man ganze Ligen herausfordere. Khan konterte trocken: „Ich habe schon ganze Reiche sortiert, ab sofort wird die Liga duschsortiert".
Die Liga ist gewarnt.
Es sollte ein Festmahl werden, geworden ist es eine Fastenkur: Statt der fest eingeplanten sechs Punkte kehrte FK Dinamo Samarkand aus den letzten beiden Spielen mit leeren Händen und noch leereren Ausreden zurück. Trainer Pepeke Khan, Nachfahre großer Feldherren, wirkte sichtlich angefasst – schließlich verliert man in seiner Familie traditionell eher Schlachten gegen Weltreiche als Ligaspiele gegen Mittelfeldteams.
Woran es lag? Darüber herrscht Uneinigkeit. Die einen sprechen von Nachlässigkeit, die anderen von einer plötzlich hellwachen Konkurrenz, die dritten vom bösen Blick eines Basar-Händlers, den man letzte Woche nicht ausreichend gewürdigt hat. Fest steht nur: Unbefriedigend war es aus jeder Perspektive, und das in einer Stadt, die eigentlich nur Prunk und Pracht kennt. Samarkand, die Perle Zentralasiens, mit ihren türkisblauen Kuppeln und ihren Fans, die Enttäuschung mit derselben Hingabe zelebrieren wie Meisterschaften – man ist hier schließlich Genüsse gewohnt, ob nun Plov oder
Pokale.
Während also auf dem Rasen die Schlachtordnung durcheinandergeriet, geht anderswo eine ganz andere Suche unvermindert weiter: Der arme Bernd W. fahndet weiterhin verzweifelt nach den Damen Elvijra und Oksana. Die Spur führte zuletzt sogar bis nach Südafrika – offenbar ohne die Gesuchten, dafür aber mit einer anderen, mindestens ebenso schlagzeilenträchtigen Personalie: Soʻgʻdiyona Jizzax hat sich in der Zwischenzeit kurzerhand prominent verstärkt – mit Oma Erni Fenris. Herzlich willkommen, Oma Erni! Über Marktwert und Vertragslaufzeit schweigt man sich bei Jizzax vornehm aus, doch Insider munkeln, ihr Kopfballspiel sei „solide, aber Vorsicht bei Eckbällen mit der Hüfte“. Manche nennen so etwas Pech, Bernd W. nennt es „strategische Neuausrichtung“ – und Jizzax nennt es schlicht Generationenwechsel.
Steppenfürst Khan jedenfalls bleibt gelassen: Schlachten verliert man, Feldzüge gewinnt man. Und notfalls hilft ja auch ein Teller Plov gegen jeden Kummer.
Samarkand kann aufatmen. Zwischen Registan, Seidenstraße und den prachtvollen Kuppeln der alten Timuridenstadt zieht derzeit ein Mann durch die Steppe, der als „alter Steppenfürst“ bekannt ist, für manch anderen auch der Präsident der Liga: Pepeke Khan. Und sein Hofstaat von FK Dinamo Samarkand hat am Wochenende wieder ordentlich zugeschlagen.
Mit 4:0 wurde Sogdiyona Jizzax auswärts abgefertigt. Vier Tore, kein Gegentor – da dürfte selbst in den Teehäusern rund um den Registan der Chai etwas besser geschmeckt haben. Jizzax hatte vermutlich gehofft, wenigstens einen kleinen Teppich aus Samarkand mitzunehmen. Am Ende gab es allerdings nur vier Bälle aus dem eigenen Netz zu bestaunen.
Pepeke Khan zeigte sich nach der Schlacht gewohnt gelassen. „Wir haben heute gespielt wie eine Karawane auf der Seidenstraße: ruhig, zielstrebig und am Ende mit ordentlich Beute“, soll der alte
Steppenfürst gesagt haben. Bernd W., indessen sucht seine alten Gespielinnen, die scheinbar auf sich warten lassen, sodass sich der Fürst über die überraschende Einladung in die Charoshi-Phiki-Bar doch wunderte. „Der Mann ist wirklich einsam,“ dachte er und nahm die Einladung Mitleid erregt an. Nach ein Paar dieser Wodka-Redbull Scheißdinger war dann aber für den Abstinenten Trinker aber Schluss.
Denn viel Zeit zum Feiern bleibt nicht. Als Nächstes kommt Meister Buxoro nach Samarkand. Ein schwerer Gegner – mit neuem Trainer ausgestattet, kennt man Helmi aber in der Liga. Danach geht es nach Fargona. Die dortige Mannschaft sollte sich schon einmal überlegen, ob sie Pepeke Khan höflich zum Tee einlädt oder lieber gleich die Stadttore schließt.
Der Steppenfürst reitet jedenfalls weiter. Und wenn Dinamo so weitermacht, könnte die nächste Beute bereits in Buxoro warten.
FK Dinamo Samarkand hat die Meisterschaft verpasst – Platz drei reicht bekanntlich nicht für die Schale, wohl aber für die Champions-League-Qualifikation, was der Vereinsführung erstaunlich schnell über den Frust hinweghalf. Man tröstet sich eben, wie man kann.
Positiv: Die Liga wurde erfolgreich erweitert. Mehr Vereine, mehr Spieltage, mehr Gelegenheiten, um am Saisonende knapp zu scheitern.
Für Verwirrung sorgten Medienberichte, wonach Trainer Pepeke Khan zum Tabellenletzten FK Olmaliq wechseln wolle. Khan reagierte sichtlich verwirrt wie gerührt: „Das würde ich niemals tun. Ich liebe die Stadt, die Fans, die Umkleidekabinen und das Essen von unserer Köchin Yulduz. Das gebe ich sicher nicht auf!“ Prioritäten, klar geordnet.
Grund für die Verwirrung war eine alte Anfrage seines Beraters an den Verband, die der alten bitte am Ende der Saison nachgekommen ist. Der alte Steppenfürst reagierte entsetzt, nahm die Zügel selbst in die Hand und machte den Wechsel rückgängig. Auch der Verein weiß
eben was er an dem Trainer hat.
Etwas pikanter: Ausgerechnet der Trainer des Tabellenletzten heuert nun beim Tabellenersten an. Man nennt es wohl „Champions-League-Erfahrung sammeln“ – auf dem Papier zumindest. Schade hingegen, dass Meistertrainer Tor-Stan in die Emirate weiterzog. Klima, Gehalt, man versteht’s.
Etwas Gutes hatte der Wechsel auch. Xelaju, den wir herzlich Willkommen heißen, findet den Weg wieder zu alter Wirkungsstätte zurück. Wenn er so mittelmäßig wie zu seiner ersten Amtszeit agiert, gibt es auch nichts zu beanstanden. Warten wir’s ab.
Eine echte Erfolgsmeldung abseits des Rasens gibt es auch: Bernd W. hat endlich seine Lokomotive bekommen. Jetzt ist er endlich der Lokomotivführer der er schon letzte Saison sein wollte. Ob er sie ins Fahren kriegt und ob seine bekannten Gespielinnen mitgereist sind, bleibt noch verborgen. Hauptsache die Lok kommt erstmal in Fahrt.
Man freut sich schon jetzt auf die heißen Duelle wie in der Vorsaison – und natürlich auf ebenso spannende Zeitungsberichte.
Was für ein Jahr beim FK Dinamo Samarkand! In der Perle der Seidenstraße wurde nicht nur romantisch flaniert, sondern auch furios Fußball gespielt. An der Seitenlinie stand niemand Geringeres als Pepeke Khan – einst Fürst der Mongolen, heute Hobbytrainer mit königlicher Gelassenheit und gelegentlich galoppierenden Ideen.
Zum Saisonabschluss folgt jedoch die bittere Wahrheit: Der komplette Profikader hat sich geschlossen ins Lazarett verabschiedet. Vom Torwart bis zum Zeugwart zwickt, zieht oder knackt es. Also schlägt nun die Stunde der Jugend. Die Talente dürfen ran – aus Not geboren, vielleicht als Helden erkoren.
Muborak-Trainer See hatte es schon früh geahnt, doch Pepeke Khan winkte
lächelnd ab. Heute nickt er weise und spricht: „Manchmal reitet die Erkenntnis eben langsamer als das Pferd.“
Und wie heißt es nun im Mannschaftsreim?
Wir haben Schiss, nun durchgereicht zu werden, doch wollen wir Europas Plätze noch beerben.
Die Fans nehmen es mit Humor, die Spieler mit Eisbeuteln und der Trainer mit einer Kanne vergorener Stutenmilch. Denn eines ist sicher: Diese Saison war alles – nur nicht langweilig. Jetzt heißt es Wunden lecken, Nachwuchs feiern und darauf hoffen, dass in der kommenden Spielzeit mehr Muskeln halten als Ausreden. Samarkand bleibt schließlich die Stadt der Träume – und manchmal werden dort sogar Fußballmärchen wahr.
Wahnsinn bei Tabellenführer Mashal Muborak: Dinamo Samarkand gewann einen offenen Schlagabtausch mit 6:5 und feierte einen enorm wichtigen Auswärtssieg. Zurückziehen war für die Gäste keine Option – zu groß die Angst, am Saisonende chancenlos dazustehen. Also wurde nach vorne gespielt, koste es, was es wolle.
Der Preis: Die Kraftreserven sind jetzt spürbar aufgebraucht, das Pulver für die entscheidenden Wochen größtenteils verschossen.
Ob die Mannschaft rechtzeitig wieder auf die Beine kommt, bleibt abzuwarten.
Kurios: Trainer Bernd W., bislang nur mit usbekisch eingefärbtem Englisch unterwegs, verblüffte nach dem Spiel plötzlich mit nahezu perfektem Deutsch. Ein heimlicher Crashkurs? Oder hatten Elvira und Oksana ihre Finger im Spiel? Klar ist: Wenn seine Mannschaft ihre Abwehrarbeit ähnlich rasant verbessert wie ihr Trainer seine Sprachkenntnisse, könnte es mit der Meisterschaft doch noch was werden.
Während Bernd W. ausrastet vor Wut und den Überblick über sein Engagement verliert, dabei aber sukzessive sein Englisch verbessert, wird aus allen Ecken der Medienlandschaft berichtet, welch heiße Phase die Professional Futbol Ligasi nun erwartet. Alle Teams, vom ersten bis zum letzten können sich noch gegenseitig schlagen. Das gibt es glaube ich keiner einzigen Liga hier in der Copa-Welt *grins*. Das Spitzentrio, angeführt von Trainer See und seinem Team, schreitet nunmehr seit drei Wochen im Gleichschritt voran. Die drei Teams spielen von Woche zu Woche einen souveränen
Fußball, doch wie lange? Wer ist der erste mit einem Fehltritt, wer macht den vermeintlichen ‚Risikofehler‘ oder gerät dem ‚Unvermögen‘ eines anderen Kollegen unter die Räder? Der einstige Steppenfürst und heutige Hobbytrainer Pepeke Khan hofft natürlich, dass es nicht sein Team erwischt. Es ist zu beobachten wie hinter verschlossenen Toren und hohen Wänden konzentriert trainiert wird. Die Dinamos meinen es ernst, während Bernd W. auf Tische kackt, dabei laut lacht und Usbekistan so zu alter Größe verhelfen will. Jeder hat halt seine Prioritäten.
Trübe Woche in Usbekistan! Keine Zeit für Medienberichte. Die Trainer sind konzentriert auf ihre Trainingseinheiten und ihr taktisches Vorgehen. Wer mag es ihnen Verdenken? Denn im Saisonendspurt (Es sind nur noch fünf Wochen zu spielen) gibt es jede Woche ein Highlight. Das Spitzenquintett der Tabelle (Jedes Team hat berechtigte Chancen auf die Meisterschaft) trifft wöchentlich aufeinander. Die
Meisterschaft bleibt spannend und die Trainer konzentriert. Daher geht man in Samarkand auch auf keine rivalisierenden Zeitungsberichte ein. „Es bleibt einfach keine Zeit für Unfug. Wir wollen bei der Meisterschaft ein Wörtchen mitspielen. Das ist kein Geheimnis. Daher konzentrieren wir uns die nächsten Wochen einfach auf das Spiel,“ sagte Pepeke Khan zum Abschluss an die Trainingseinheit.
Warum anhaltende Traditionen ändern? Nur weil es 12 Jahre Pause gab, muss man sich nicht charakterlich neu aufstellen. Von wem ist die Rede. Der langjährige Trainer der vietnamesichen Liga, der sich von Jahr zu Jahr mit der Vizemeistermeisterschaft zufrieden gab, muss in Usbekistan nicht anfangen nach dem Titel zu greifen. Pepeke Khan, der mongolische Trainer des FK Dinamo Samarkand findet die richtige Ansprache an seine Spieler, gewinnt zwei wichtige Spiele in der vergangenen Woche und doch schafft man es
nicht die Tabellenspitze zu erreichen. Und woran liegts? An der Tordifferenz! „Mit so einer Abwehrleistung gewinnt man natürlich keinen Blumentopf. Daher werden wir in dieser Woche sehr viel taktisches Defensivtraining absolvieren. So wird es mit dem Tore schießen natürlich etwas schwieriger, aber dafür hält man hoffentlich die weiße Weste. Wäre natürlich hilfreich, da es morgen gegen den Tabellenführer geht, den man wieder auf seinen gewohnten Platz bringen will.
„Egal wie die Saison endet, es war uns ein Vergnügen,“ sagte Pepeke Khan gestern Nachmittag nach dem Mittagstraining. Und in seiner Stimme lag aufrichtiges, in seinem Blick ein zufriedenes und friedliches Lächeln. Etwas zu früh um ein Fazit zu ziehen, da noch zwei weitere ZAT’s zu spielen sind, aber bis hierhin hat die Profesional Futbol Ligasi sich von seiner besten Seite präsentiert und dem Trainer des FK Dinamo Samarkand viel Vergnügen bereitet. „Sehr spannende Begegnungen die gespielt wurden, die von Trainern mit hoher taktischer Versiertheit unterlegt waren,“ führte Khan weiter und verschwand in den Katakomben. Wahrscheinlich um an seiner Taktiktafel die letzten beiden ZAT’s zu ‚meistern‘.