So schnell kann es gehen: eben war noch Weihnachten und der Übergang in ein neues Jahr, und jetzt ist die Saison in der peruanischen Primera División schon wieder zur Hälfte vorbei. Für CNI-Trainer Ole Gunnar Fidjestöl der passende Moment, um bei Ringnes Bayersk Lager und Musik von Röyksopp und Dimmu Borgir über den bisherigen Saisonverlauf und die weiteren Aussichten zu philosophieren: „Tja, da führt der olle Hickes also die Liga an und grinst von der Tabellenspitze auf eine Schar von Nicht-Österreichern herab. Wenn man es nicht eigentlich besser wüsste, dann müsste man diesmal fast davon ausgehen, dass Alcides Vigo in dieser Spielzeit endlich den ersehnten Titel holt. Da dies aber unmöglich ist, wird
am Ende wohl Sporting Cristal wieder die Nase vorne haben. Um die Plätze ab Rang 3 werden sich dann die üblichen Verdächtigen balgen, wobei Real Académica Coimbra natürlich am Ende traditionell Vierter werden wird. Im Mittelfeld dürften dann die Allianz-Versicherung und Oberst Lasagne landen, pepe33 liegt trotz des üppigen TK noch immer ein Break hinten. Und absteigen muss am Ende der Argentinier, denn der von Hideta hat ja noch keinen einzigen Punkt geholt… Wie, der ist schon in der vergangenen Saison abgestiegen? Na, jedenfalls steigt der Kollege aus Patagonien auf keinen Fall wieder auf. So, jetzt habe ich aber ganz schön Durst. Camarero? Dos cervezas por favor… Nein, nein, ich erwarte keine Gäste.“
„Wie? Heute ist Depeche-Mode-Party im Strömsgödset Drammen? Das sind doch aber gar keine Skandinavier!“ Irritiert zeigte sich CNI-Coach Ole Gunnar Fidjestöl vom Abendprogramm seiner Lieblingskneipe an der bekannten Straßenecke Calle Jilipollas / Avenida Anorthosis Famagusta. Aber bald sollte sich die Stimmung des Bartträgers aufhellen, nachdem sich ein frisches Lagerbier in Griffweite befand und die ersten Takte seines persönlichen Lieblingsliedes der Engländer (“Ice Machine“) erklangen. Während sich auf der Tanzfläche Charlotte Engelhardt, Karolina Kurkova und Andy Borg nahezu schwebend durch den Kunstnebel und das flackernde Stroboskoplicht bewegten, fiel der Blick von Fidjestöl auf mehrere unscheinbare Zettel an einer Pinnwand: „Oh, hier
haben ja einige Kollegen ihren Wunschtitel angegeben: Señor Alvarez Dalton: “Just Can’t Get Enough“, Miccele: “Get The Balance Right“, F. Markert: “Personal Jesus“, Butters: “Judas“, Makaay10: “Enjoy The Silence“, Manniii0703: “Everything Counts“, Der Hickersperger Josef: “Never Let Me Down Again“, Pedding Lutscher: “A Question Of Time“, pepe33: “Shake The Disease“. Mensch, vielleicht könnte das doch noch ein ganz lustiger Abend werden… Ups, da ist ja noch ein Papierschnipsel heruntergefallen. Ach, “Don’t You (Forget About Me)“ wünscht sich der feine Herr von Hideta. Ist klar, typisch Argentinier.“
„Sehr geehrter Herr Ponchoträger, wo geht es denn hier zum Stadion von Unión Minas?“ „Ah, Señor mit Bart und Skibrille, da sind Sie hier falsch. Sie hätten dort hinten durch das Scheunentor fahren müssen.“ Tja, und so kam es, dass CNI und Trainer Ole Gunnar Fidjestöl beim Aufsteiger mit 0:1 eine vermeidbare Niederlage hinnehmen mussten und nunmehr weiter durch das Mittelfeld der Primera División dümpeln. Da hatte der Norweger doch glatt den von Hideta gemacht und war am größten Scheunentor der bisherigen Saison zielsicher vorbeigefahren. Doch immerhin gibt
es in dieser Woche auch einige positive Aspekte zu vermelden: CNI steht nach eindrucksvoller Vorstellung international in der nächsten Runde der Copa Americana. Und Kolumnist Butters hat endlich seine Freundin rausgeworfen und wieder Zeit für eine regelmäßige Befassung mit der heimischen Liga. Der Norweger in iquitosianischen Diensten zeigte sich zwar sportlich begeistert, menschlich aber schwer enttäuscht vom süddeutschen Wortspielfreund: „Die arme Karolina Kurkova sitzt hier weinend in meiner Stammkneipe und trinkt mir das ganze schöne Lagerbier weg. Das muss ja nun auch nicht sein.“
(Ein Norweger, ein Mann mit fettigen Haaren, ein Medizinstudent und Gaststar picknick fahren mit einem D-Zug in Richtung Arequipa. Plötzlich kommt die Eisenbahn auf offener Strecke zum Stehen.) Norweger: „Nanu, weshalb halten wir jetzt hier im Niemandsland? Hier sind wir doch mitten in der Pampa gelandet.“ Mann mit fettigen Haaren: „Das ist so nicht ganz korrekt, die Pampa befindet sich in Argentinien. Wir dagegen befinden uns noch immer in Peru!“ Norweger: „Das ist mir klar, Schweinchen Schlau! Soll ich Ihnen mal kurz die Flexibilität meiner neuen Sprungski demonstrieren?“ Mann mit fettigen Haaren: „He, Gewalt ist doch auch keine Lösung.“ picknick: „Wenn ich da mal kurz einhaken dürfte: Statistisch gesehen war in der Menschheitsgeschichte Gewalt eigentlich
meistens einer äußerst effektive Lösung. Schon Darwin hat uns gelehrt, dass im Vergleich zwischen einem hageren Philosophen und einem bewaffneten Homo Erectus in der Regel der Besitzer und Nutzer einer Keule deutlich im Vorteil war.“ Medizinstudent:: „Und ich bin dabei, mich im Studium auf Schuss- und Stichverletzungen zu spezialisieren. Wollen Sie etwa, dass ich eines Tages arbeitslos bin, nur weil es keine Gewalt mehr gibt?“ Norweger: „Na, da hätten wir das ja auch geklärt… Schauen, Sie mal, da hinten läuft ein Verrückter mit einem Rucksack durch die pralle Sonne.“ Mann mit fettigen Haaren: „Ach, das ist nur der Lutscher auf dem Weg nach Chile. (brüllt) Hey, Abgänger! Gib Gas! Es sind noch 200 Meilen bis Antofagasta. Lauf schneller, wird leichter! Hopp hopp.“
Eigentlich hatte sich CNI-Coach Ole Gunnar Fidjestöl auf einen entspannten Abend an der Ecke Calle Jilipollas / Avenida Anorthosis Famagusta gefreut. Immerhin hatte man noch am Wochenende den durchtriebenen Kolumnisten (!) Butters mit einem überragenden 3:1 aus der heimischen Gerrit-Konijnenberg-Arena gefegt. Aber dann musste der norwegische Bartträger in einem deutschen Online-Bierforum folgende Kritik zu seinem geliebten Ringnes Bayersk Lager lesen: „So stellt sich also ein Norweger ein bayrisches Bier vor. Das Aussehen durchaus ansprechend. Der Antrunk wässrig und süß. Dann kommt ein undefinierbarer Röstmalzgeschmack hinzu, mit verbrannten Malzaromen. Na ja, es steht ja auch „brent malt“ auf dem Etikett. Brandy-Aromen mischen sich unter. Eine etwas dumpfe, mäßige Bittre beschließt das Ganze." Das war natürlich eine (nicht nur semantisch und grammatikalisch) haltlose Unverschämtheit, die
der ehemalige Skiflugweltmeister auf keinen Fall auf sich sitzen lassen konnte: „Immer diese Deutschen! Erst den Krieg anfangen, dann die Welt mit Scooter und Modern Talking malträtieren und jetzt auch noch über fantastische ausländische Biere ablästern. Da ist der Rubicon jetzt endgültig überschritten!“ Eine etwas eigenwillige Kritik kann man im Übrigen seit kurzem zum Erdinger Weißbier von einem gewissen Jens Weißflog lesen: „So stellt sich also ein Bayer ein Bier vor. Das Aussehen nicht wirklich ansprechend. Der Antrunk klebrig und fad. Dann kommt ein undefinierbarer Geschmack nach Fischstäbchen hinzu, begleitet von verbrannten Dieselaromen. Na ja, es steht immerhin „gesegnet durch Franz Beckenbauer“ auf dem Etikett. Schafskäse-Aromen mischen sich unter. Eine ziemlich dumpfe Bitterkeit beschließt das Ganze. Wo ist der Eimer?" Ob hier wohl irgendein kausaler Zusammenhang besteht?
„Und das war sie, die letzte Neuvorstellung, meine Damen und Herren. Einen Titel, den wir so schnell hier wohl zum Glück nicht mehr hören werden: „Buenos días Argentina“, und der Interpret hieß Andi von Hideta… Buenas noches, Andi!... So, kommen wir jetzt aber zur eigentlichen Hitparade, zu den Liedern, die Sie zu Ihren beliebtesten Titeln gewählt haben. Und da kommt jetzt Einer, der kommt alleine, denn sonst wäre er ja ein Duo oder ein Quartett. Ein Mann, den Sie alle kennen, auch wenn er so klein ist, dass man ihn kaum sehen kann... Hier ist er für Sie, 3x die 2, 1x die 3, 2x Kartoffelbrei mit Würstchen, aus dem Drogentransitland, der Alvarez, der Dalton, mit dem Titel:
„Fiesta Mexicana“. Pepe, fahr das verdammte Band ab!“ „Hossa! Hossa! Fiesta, Fiesta Mexicana, heut geb ich für zum Titel für alle ein Fest / Fiesta, Fiesta Mexicana, weil der Haufen Trottel, mich hier stets siegen lässt / Elf Idioten sind hiiier / Liegen stets hinter mir“ (Selma Hayek überreicht dem Interpreten eine kugelsichere Weste und einen Blumentopf mit einem Kaktus.) „Und darum, Fiesta, Fiesta Mexicana, ist die Feier hier noch lang nicht vorbei / Gegen Butters und den Markert reicht in einem Notfall auch Sporting Cristal II / Hossa! Hossa! Olé!“ (Stehende Ovationen des Publikums, nur ein diabolisch schauender Liechtensteiner bliebt in der letzten Reihe sitzen…)
It’s Klassiker-Time! Ein weiteres Mal testet Bücherfreund und CNI-Coach Ole Gunnar Fidjestöl bekannte Werke der Literaturhistorie auf ihre Klassikertauglichkeit. Teil III: John Steinbeck: Früchte des Zorns
Um auch hier ein wissenschaftlich einwandfreies Testverfahren zu ermöglichen, hat sich Fidjestöl mit verbundenen Augen eine Auswahl verschiedener Obstsorten bei einem bekannten amerikanischen Versandunternehmen bestellt. Nach drei Tagen durfte der bärtige Norweger an seiner Haustür den Postboten mit dem Überraschungspaket begrüßen. Leider konnte der Mann aus Vikersund nur einige
leicht verschimmelte Avocados und eine größere Menge Datteln vorfinden, was naturgemäß großen Ärger provozierte: „Die schönen Avocados sind schon total matschig, die sind längst über den Zenit! Und dann auch noch Datteln, ausgerechnet Datteln! Ich mag keine Datteln! Immerhin muss man dem Steinbeck wirklich Recht geben, diese Früchte sorgen bei mir wirklich für großen Zorn. Das scheint schon in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts so gewesen zu sein, insofern ist das Werk also ein zeitloser Klassiker und scheinbar auch ein frühes Menetekel des beginnenden Versandhandels.“
„… das kann ja wohl nicht waaahr sein.“ „Verdammte Hacke! Kann mal einer diese gruselige Musikparodie beenden? Nur, weil der olle Dalton hier auf der Meisterfeier von Sporting Cristal seine Roland-Kaiser-CDs vergessen hat, muss man die doch noch lange nicht spielen! Macht den Krams mal schnell aus, wir haben hier schließlich schon lange nichts mehr von Röyksopp oder Bel Canto gehört.“ Einen äußerst mittelmäßig gelaunten CNI-Coach Ole Gunnar Fidjestöl konnte man in dieser Woche im Strömsgödset Drammen erleben, wo noch die letzten Überreste der Meisterdevotionalien vom Erfolg der Hauptstädter kündeten. Und dann hatte die gierige Dalton-Bande auch noch die Biervorräte an Ringnes Bayersk Lager vernichtet, so dass der bärtige Norweger missmutig in einer
Tasse Früchtetee herumrühren musste. Aber wie sind denn nun die Aussichten für die kommenden Aufgaben, Herr Fidjestöl? „Tja, es schaut nicht gut aus. Anders Jacobsen hat seine Karriere beendet, Romören ist völlig außer Form und Lars Bystol liegt wahrscheinlich wieder in irgendeinem Hafenbecken herum. Bleibt also als letzte Hoffnung nur Anders Bardal, der in den letzten Wochen… Wie, Sie wollen gar nicht über die Vierschanzentournee reden? Ach so, die Primera División. Da kommt erst einmal dieser Zombie aus der Metropole, der Untote von der Versicherung, der Steuerhinterziehungsbeihelfer mit den sieben Leben. Man könnte sich einen angenehmeren Auftaktgegner wünschen, aber der Argentinier ist ja in der Zwischenzeit abgestiegen. Ach so, und Meister wird diese Saison eh Unión Minas.“
Bewaffnet mit einem Ringnes Bayersk Lager hockte CNI-Coach Ole Gunnar Fidjestöl im Strömsgödset Drammen, der bekanntlich besten skandinavischen Kneipe westlich der Färöer Inseln. Aus dem Radio drang laute Stimmungsmusik vom Hauptstadtsender: „Zwanzig Zentimeter, nie im Leben, von Hideeeta“ krächzte eine ordentlich angeheiterte Stimme, die sich danach in sinnfreien Ratschlägen zur Steuerhinterziehung verlor. „Kann nicht endlich mal jemand den Krawallsender ausschalten? Hier kann man sich ja kaum auf sein Getränk konzentrieren… Danke!“ Nachdem der mit Nachdruck vorgetragene Wunsch des Norwegers erfüllt worden war, konnte er die (nahezu) abgelaufene Saison in Gedanken nochmals Revue passieren (Paroli laufen) lassen... Tja, da hatte es doch tatsächlich mal wieder einen amtierenden Meister erwischt. Nach einer unglücklichen und zuletzt auch recht eigentümlich gespielten Saison reiht sich IMI in die bemerkenswerte Chronik der Teams ein, die als peruanischer Champion den Weg in die Segunda División antreten müssen. Begleitet wird unser finnischer Freund mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Immigranten aus Patagonien, der am vorletzten ZAT am offenen Scheunentor vorbeifuhr, um schnurstracks auf den Abgrund zuzurasen. Dagegen darf man sich in der Kapitale wohl über das „Wunder von Alianza“ und den Klassenerhalt freuen, der sicherlich einer gefühlten Meisterschaft entspricht. Als Ersatz für die Absteiger erwartet die Primera División mit Union Minas und Sport Coopsol zwei unbeschriebene Blätter (zumindest bezüglich der Zeitungsaktivität), wobei mit
letztgenanntem Team ein ehemaliger Meister auf die große Bühne zurückkehrt. Apropos Meisterschaft: einer der beiden Clubs darf sich bekanntlich in Saison 34 über den Titel und somit die Nachfolge von Sporting Cristal freuen, denn dies hat bei uns in Peru sehr viel Tradition. Einen Herzlichen Glückwunsch sendet man daher aus Iquitos auch an den kleinen Mexikaner mit den großen Spielzügen. Bien hecho. Für CNI bleibt am Ende der Vizerang und somit die Chance auf eine Teilnahme an der Copa Libertadores. Dahinter dürfen sich in der kommenden Saison auch Colonel Bolognesi, FBC Melgar, Estudiantes de Medicina und wohl auch Defensor Vila del Mar über einen internationalen Startplatz freuen. Diesen verpassen in dieser Spielzeit voraussichtlich La Peña Real Meisterschaftsversauer Butters Sporting Academica Such Dir endlich einen Verein den es wirklich gibt Lince, die Hundefutterjungfrau, Kamerad Schnürschuh und der gefühlte Champion aus Lima, der als scheinbar „Unabsteigbarer“ nunmehr quasi ein VfL Bochum mit Pokalen ist. Apropos Pokale: in der nächsten Saison sollte mal wieder ein internationaler Wettbewerb nach Peru gehen, der Erfolg der Argentinier ist ein unerträglicher Kollateralschaden der aktuellen Spielzeit. Lassen wir die Bonanzaräder wieder über den Kontinent rollen... „Mensch, nach all diesen komplexen Gedanken ist mein Glas schon wieder leer. Camarero, pongame otra por favor… Gracias… Ach so, eines hätte ich fast vergessen: desde Iquitos deseo a todos copatadores una Feliz Navidad y un fantástico Año Nuevo lleno de salud y prósperidad. Skol.”
CNI-Coach Ole Gunnar Fidjestöl relaxte mit einem kühlen Ringnes Bayersk Lager an einem gut bekannten Ort im Westen von Iquitos und tauchte per Zeitung in die anderen Ligen des Copa-Universums ein. Nachdem der „Mann der Saison“, der kolumbianische Arbeitskollge Butters, bereits die Meisterschaft und 50% des Abstiegskampfs entschieden hatte, konnte man am Rande des Amazonas guten Gewissens einen Blick in das befreundete Ausland riskieren. Viele bestens bekannte Namen traf man
dort an, unter anderem auch Trainer der Kategorie Andie Wand und Ute Rus. Schlagartig wurde dem Norweger klar, dass (eine kleine Hommage an La Dings Real Bums) noch viele Übungsleiter nicht dem Weg zu Copa gefunden haben: „Wo sind denn eigentlich Rudi Mente, Andreas Klause, Eugen B. Stechlich, Frank Reich, Dieter von Teese, Hubertus Apotheke, Mark N. Butter, Sam L. Knödel, Atze Thylen, Manni Fest, Oli Garch, Lars Battnott-Liest, Gero L. Steiner? Und wo bleibt Ulli Potofski?“
Äußerst gut gelaunt konnte man an diesem Wochenende CNI-Coach Ole Gunnar Fidjestöl in einer angesagten Lokalität mit nordeuropäischem Einschlag an einer belebten Straßenecke im Westen von Iquitos antreffen. Trotz der Tatsache, dass ein „Dänischer Abend“ eigentlich kein Grund zur Freude ist (Musik von Laid Back und Whigfield, sehr mäßige Verpflegung) und auch noch die Blaubeermarmelade ausverkauft war, zeigte sich der bärtige Norweger in bester Stimmung. Ein Blick in die Sportzeitung erhellte das Gesicht des Asketen aus Vikersund noch weiter: „Sehr schön, bald geht es wieder los mit der neuen Skisprungsaison. Immerhin kann man
in den peruanischen Gazetten mittlerweile einige Vorberichte lesen, da zahlt sich die Pionierarbeit langsam aus.“ Aber selbst der Blick auf die Fußballseite konnte sich nach einem perfekten ZAT für CNI durchaus sehen lassen, das Team vom Amazonas konnte sich wieder in Schlagdistanz zur Spitze bringen. Enorme Spannung birgt ebenfalls der Abstiegskampf, bei dem jetzt auch noch kein Geringerer als der amtierende Meister in Schwierigkeiten geraten ist. Da man in Iquitos allerdings gelassen in die Zukunft blickt, konnte Fidjestöl beruhigt einen leckeren Gerstensaft ordern: „Ein schönes Lager für Don Ole… Wie, Ihr habt heute nur Faxe und Carlsberg da?“
In dieser Woche untersucht CNI-Trainer und Hobby-Literaturkritiker Ole Gunnar Fidjestöl wieder ein Werk der Weltliteratur auf Klassikertauglichkeit. Folge II: Alexander Solschenizyn: „Archipel Gulag“
Um eine angemessene Prüfung dieses epochalen Stoffes leisten zu können, reiste der Norweger zurück in seine angestammte Heimat, genauer gesagt auf den Archipel Spitzbergen. Im Hauptort Longyearbyen angekommen steuerte Fidjestöl umgehend die erstbeste Gaststätte an und studierte die lokale Speisekarte. Zwischen Eisbärkeule,
Königskrabbe und Robbengratin wollte zunächst noch nicht das Richtige dabei sein, aber dann fiel doch noch der rettende Blick auf die Tageskarte. Auf diese Weise ließ sich der bärtige Norweger von einer einheimischen Schönheit ein feines Hirschgulasch servieren, das von einem landestypischen Gerstensaft flankiert wurde: „Wer hätte gedacht, dass an diesem abgelegenen Ort gerne Ringnes Bayersk Lager getrunken würde? Und dann dieses fantastische Archipel-Gulasch… ich muss schon sagen, Hut ab, Herr Solschenizyn! Das ist wahrlich ein Klassiker.“
Zufrieden saß CNI-Coach Ole Gunnar Fidjestöl in seinem skandinavischen Stammlokal an einer der belebtesten Straßenecken von ganz Iquitos und freute sich auf seinen bestellten frittierten Kabeljau. Ein Blick in den Sportteil der Zeitung offenbarte, dass der Norweger sich auch diese Saison wieder berechtigte Hoffnungen auf den Einzug in das internationale Geschäft machen darf. Eine Paketsendung von UPS unterbrach jäh die norwegischen Träume von einem feucht-fröhlichen Saisonende mit Strömen nordeuropäischen Gerstensaftes. Eine beigefügte Karte deutete darauf hin, dass eine völlig zu Unrecht vergessene Spielidee
neu aufgelegt wurde: der Prominente im Sack. Der erste Hinweis war dem Paket sofort beigefügt: „Ich stamme ursprünglich aus Liechtenstein.“ Große Ratlosigkeit machte sich auf dem Gesicht von Trainer Fidjestöl breit, während der zufällig anwesende M.Power sofort schaltete: „Mensch Ole… aus Liechtenstein! Das kann doch nur ein Bankier sein… oder ein Steuerhinterzieher mit Stiftungsvermögen.“ Nein, mit derartigen Leuten wollte man in Iquitos nichts zu tun haben. Und so spannten die Kneipengäste den Sack auf ein Floss und ließen es langsam in Richtung Brasilien den Amazonas hinabtreiben.
(Ein Norweger, ein Mann mit fettigen Haaren und ein Medizinstudent sitzen gemeinsam in einem Abteil eines peruanischen Schnellzuges und fahren in den Bahnhof von Lima ein.) Medizinstudent: „Meine Güte, was hängen denn hier überall flatternd die Fahnen von Sporting Cristal im Wind… ist das nicht eigentlich eine Biersorte?“ Norweger: „Also ich trinke vorwiegend Ringnes Bayersk Lager. Das ist ein Gerstensaft, den Sie unbedingt mal testen sollten.“ Mann mit fettigen Haaren: „Mensch, das hat doch nur mit Fußball zu tun. Der lokale Club Sporting Cristal hat nach vielen erfolglosen Jahren vor kurzem die Tabellenspitze erklommen.“ Norweger: „Ich interessiere mich nicht für Fußball. Bei uns in Skandinavien zieht man das Skispringen, den Langlauf oder die Nordische Kombination vor. Vegard Ulvang, Atle Skaardal, Trond Einar Elden, Ole Christian Furuseth… das sind alles
Namen, die in meinen Ohren wie liebliche Musik von Dimmu Borgir klingen.“ Medizinstudent: „Und was ist mit Rune Bratseth?“ Norweger: „Rune Bratseth?“ Der Namen habe ich doch irgendwo schon einmal gehört.“ Mann mit fettigen Haaren: „Woher weiß eigentlich Familie Bratseth, wenn der Nachbar von Rune Bratseth mal nach einem Bratseth fragt, ob er diverse Küchenutensilien benötigt oder ob man nur mal Sohnemann zum Rasenmähen über den Bretterzaun schicken soll?“ Norweger: „Mann, was ist das hier stickig. Könnte jemand bitte das Fenster öffnen?“ Medizinstudent: „Selbstverständlich, ich habe auch plötzlich Kopfschmerzen bekommen… Uaaargh, was ist denn das da für eine eigenartige Kreatur auf dem Bahnsteig?“ Mann mit fettigen Haaren: „Ach, nur verarmter Landadel aus Argentinien, der um Punkte bettelt.“
In unregelmäßigen Abständen wird zukünftig CNI-Coach, Skiflugweltmeister und gefühlter Poetry Slammer Ole Gunnar Fidjestöl bekannte Klassiker der Weltliteratur unter die Lupe nehmen und einer kritischen Analyse unterziehen.
Folge I: Henry Miller: Wendekreis des Krebses
Bei der gründlichen Überprüfung des ehemals indizierten Werkes hat der Norweger zunächst die Kantenlänge des Taschenbuches ausgemessen und kam dabei auf einen Wert von 23,3 cm. Durch seine guten Kontakte zur heimischen Fischfangflotte konnte Fidjestöl darüber hinaus einen handelsüblichen Taschenkrebs der Gattung cancer
pagurus beschaffen. Bei einer umfangreichen Testreihe gelang es dem norwegischen Bartträger zu belegen, dass der gepanzerte Dekapede mühelos eine Dose Ringnes Bayersk Lager umlaufen konnte, ohne in den engen Wendungen sonderlichen Belastungen durch die Zentrifugalkräfte ausgesetzt zu sein. Nach Abschluss der Untersuchungen notierte Fidjestöl säuberlich einen Wendekreis des Krebses von 8,8 cm, der also mühelos in der Taschenbuchausgabe des Romans unterzubringen war. Henry Miller hatte also alles richtig gemacht, der alte Schlingel! Somit ist das Werk selbstverständlich völlig zu Recht als ein Klassiker der Weltliteratur zu bezeichnen.