Schlechte Laune bei den Ledwaba Power Stars: Coach Carlos Finisterre hatte sich nach dem 2:2 bei den Witbank Black Aces mal wieder mit Teilen der Mannschaft angelegt und insbesondere Innenverteidiger Charles Katanga hart attackiert ("der langsamte und übergewichtigste Abwehrspieler der ganzen Welt"). Speziell der Vorschlag des Trainers, Katanga möge doch "in den benachbarten Slums mal fragen, ob nicht jemand einen 200-Rand-Schein wechseln kann" sorgte in der Umgebung des Trainingsgeländes für gehöriges Unbehagen. Die Maßnahme sollte dazu geignet sein, dass "der Katanga - wenn ihn eine Horde Unzivilisierter verfolgt - endlich mal richtig die Beine in die Hand nimmt." Auch diese Äußerung
führte in der Nachbarschaft für große Empörung, mittlerweile soll sich sogar der Bürgermeister von Atteridgeville für eine Absetzung des Mexikaners ausgesprochen haben. Carlos Finisterre kontert die Vorwürfe allerdings gewohnt gelassen: "So lange hier im Umkreis von 20 Kilometern kein einziges angemessenes Restaurant oder Theater existiert, werde ich die Gegend weiterhin als intellektuelle Wüste bezeichnen. Kein Wunder, dass selbst der Vereinspräsident [sic: stammt aus Atteridgeville] keine drei bedeutenden europäischen Philosphen nennem konnte. Sehr Peinlich!" Peinlich dürfte dann auch das für morgen einberäumte Vier-Augen-Gespräch von Coach Finisterre mit dem gesamten Präsidium werden.
Während Stromsterne-Coach Carlos Finisterre zur Trüffelernte und -verköstigung im französischen Périgord weilt, hat Assistenztrainer Willi von Ügli und Tschunka-Tschunka auf dem Trainingsplatz kommisarisch das Zepter übernommen. Viele Leser haben sich sicherlich bereits gefragt, wie der schweizer Psychologe zu seinem afrikanischen Beinamen gekommen ist. Nun, im Jahr 1998 war Willi von Ügli mit dem Stamm der Tschunka-Tschunka in Verhandlungen über den Ankauf von sechs Hektar Land, auf dem die Firma Ciba-Geigy eine Chemiefabrik
errichten wollte. Als Preis konnte er mit Häuptling Kajumba Mutombo eine Schubkarre voll Bernstein aushandeln. Nach vollzogenem Geschäft bekam von Ügli daraufhin den Ehrentitel "Tschunka-Tschunka" verliehen. Erst einige Monate später stellte sich heraus, dass der pfiffige Mitteleuropäer den Eigenborenen keinen Bernstein, sondern 50 Kilogramm "Ricola Schweizer Kräuterzucker" überbracht hatte. Angeblich istseitdem für die Ergreifung von von Ügli im Tschunka-Tschunka-Territorium ein Kopfgeld von 500 Glasperlen ausgesetzt.
In dieser Woche standen bei den Stromsternen aus Ledbawa die Sponsorenverhandlungen im Mittelpunkt. Dabei hatte der Verein zwei dicke Fische an der Angel: Die einheimischen Großbanken ABSA und Nedbank buhlten darum, als Trikotsponsor die Brust des Teams aus dem Vorort von Pretoria zieren zu dürfen. Doch während das Präsidium bereits verhandelte, meldete sich auch Trainer Carlos Finisterre zu Wort: „Also Nedbank, das kommt für mich überhaupt nicht in Frage. Wir sind doch nicht nett! Da gefällt mir ABSA schon
viel besser. Absahnen ist ohnehin das Einzige, was Banken können. Und Punkte absahnen wollen wir schließlich auch.“ Überraschenderweise führten die Verhandlungen mit den Finanzhäusern im Nachgang nicht mehr zum Erfolg, statt dessen wird in der aktuellen Spielzeit der Schriftzug „Stanley’s Pizza Drive-Inn“ auf den Trikots der Stromsterne erscheinen. Dies allerdings sehr zum Unmut von Trainer Finisterre: „Eine unterirdische Kaschemme! Dagegen ist jeder Burger King ein Zwei-Sterne-Restaurant.“
Unbeeindruckt vom sportlichen Fehlstart ist in dieser Woche die neue Marketingkampagne von den Stromsternen aus Ledwaba gestartet worden. Insbesondere der neue Werbespot für das regionale Fernsehen sorgte bereits für Aufsehen, in welchem Coach Carlos Finisterre singend auf einem Aufsitzmäher über das Vereinsgelände brettert. Zu befürchten sind allerdings juristische Scharmützel, da man sich bei der Gestaltung der Kampagne doch sehr von der Konzeption einer deutschen Baumarktkette hat inspirieren lassen. Auch bei der musikalischen Untermalung scheint sich der Verein nicht um das Copyright geschert haben, auch wenn Finisterre beteuert,
„der Freddie hätte das so gewollt“. Ob man mit dem Auftritt neue Freunde gewinnen kann, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Für Fans der Stromsterne hier ein kleiner Appetitanreger aus dem Spot: „Herzlich Willkommen! Hereinspaziert! Hier gibt´s alles was den Fußballfan interessiert. Kleines feines Stadion, viele Superspieler, für Mitglied Nummer 1000, ne Flasche mit Tequila (Anmerkung der Redaktion: derzeit sind es 432)“ deng... „Jede Woche Einsatz, Grätschen statt Geplärre, und das allerbeste: Carlos Finisterre... PO-WER STARS LED-WA-BA“ rengel-dengel-dengel dät-de-dät-dä...
Sie sind wieder zurück, die unheimlichen Kantonisten der Stromsterne von Ledwaba, dem prekären Vorstadtclub von Pretoria: Der hoffnungslos überforderte Vereinspräsident Stephen Mbabane und seine konsternierten Kollegen, der unglückselige Innenverteidiger Charles Katanga (nicht zu verwechseln mit Chris Katongo), Assistenztrainer Willi von Ügli und Tschunka-Tschunka, seines Zeichens Schweizer, Psychologe und unverzichtbarer Paladin von... Coach Carlos Finisterre, Mexikaner, Misantroph, Gourmet, Industrial-Fan, Nörgelkopp,
Schnauzbartträger, Philosoph, Multitalent, Innovator, Besserwisser und vor allen Dingen meistens jenseits der Trainingsplätze aktiv. Daher verwundert es auch nicht, dass kurz vor Saisonbeginn keine sportlichen Nachrichten von den Power Stars vorliegen. Angeblich ist Trainer Finisterre derzeit primär mit der neuen Marketingkonzeption des Vereins und der Sponsorensuche beschäftigt. Auch ein Saisonziel konnte dem Mexikaner nur mühsam entlockt werden: "Seltener schlecht essen, häufiger gut spielen!", so der gewohnt knappe Kommentar.