Die Erinnerung wird zwar stets hochgehalten, doch die chilenische Journaille gleicht beileibe nicht mehr nur einem unmotivierten Treffen der Unverzagten. Gar therapeutische Züge nimmt der wöchentliche Statusbericht inzwischen an.
Ein prominenter Vertreter des Eigenlobs benötigt den Stimulus schwedischer Dozentinnen, um die eigene Erfolglosigkeit zu ertragen. Nicht minder der Selbstattribution stets nahe, noch häufiger jedoch durch eine hohen Eigensinn auffallend, reflektiert der schwierige Zeitgenosse Dan Solo über sportliche Entwicklungen, deren Ausgang wohl nur ihm in dieser Form bekannt ist. Überraschend erfährt auch noch die Eigenbrötlerei
eine Renaissance. Der eine agiert ohne Ausrede, der andere mit Ausrede, doch beiden ist gemein: ihre Abkehr von der Stille ist überraschend. Und um die Gefahr eines Eigentors zu vermeiden tritt der betagte Kolumnist aus Nublense allgemein erst verspätet an die Presse heran.
Gar schöne Formen der Eigen-Therapie gibt es gerade für den sportlichen Bereich. Eigenblut und Eigenurin zeugen von der Kreativität des menschlichen Wesens. Auch die Eigenhaartransplantation hat ihre Vorteile. Doch sich in Chile von klassischen Vorgehensweisen abzuwenden ist wohl gar nicht so eigen. Auch wenn der Erfolg scheinbar doch durch eine Maßnahme besonders beeinflusst wird - den Eigenartikel.
“Chile, du stets unverstandenes Land. In dir tummeln sich die verschiedensten Verbindungen: Niedrig-Arbeitgeber, Potenz-Maler, Low-Potentials, Handelsgegner, Finalpartner. Nur eins, dass war mir bisher nicht geläufig: Die Vereinigung des Schweigens, sie firmiert als unbekannt?“
Wohl dem der die Wahrheit weiß! Wie sonst lässt sich mit den Ungereimtheiten des Lebens umgehen? Eine Tatsache, die nichts anderes ist als ein allgemein akzeptierter Zustand, kann doch nur toleriert werden, wenn man auch weiß, dass sie existiert.
Der wiederauferstandene Vierbeiner, mit dem Drang zur Zurschaustellung eigener Potenziale – akzeptiert. Der teils lautstarke, teils leise
tretende, jedoch stets den Bezug zur Realität verlierende Eremit – verstanden. Die nur in Zuständen großer Berauschung die eigenen literarischen Befähigungen in Anspruch nehmende krautsche Versprechung – erkannt.
Von allgemeinem Bewusstsein ist, dass die Ruhe das notwendige Verbindungsglied darstellt. So war zumindest stets das vermittelte Bild. Doch war dies nur der Schein des Ganzen? Wenn Wahlbündnisse und Abmachungen für etwaige Entwicklungen verantwortlich sind, kann womöglich auch der jetzige Zustand nur eine Fiktion sein. Besteht gar ein konstruiertes Tabellenbild, um bestehende Interessen zu befriedigen? Qualvolle Tage, die man als Tabellenführer zu erleben hat.
Welch Höllenqualen muss der chilenische Trainer in dem Auf und Ab einer Saison doch auf sich nehmen. Ein geringeres Problem stellt da noch die verzerrte Selbstwahrnehmung dar. Plötzliche Schübe der Selbstattribution von Erfolgen sind gewiss heilbar. Aber wohin mit den Gefühlen der Verlassenheit?
Besonders starke Gefühle der Einsamkeit entstehen oft zum Zeitpunkt der größten Aufmerksamkeit. Manche erheischen sich diese, in dem sie sich zwanghaft
in den Meisterschafts-Mittelpunkt stellen, andere werden der Situation einfach ausgesetzt. Ausgerechnet in exponierter Stellung, beispielsweise wenn wahrgenommene Gegner mit großem Abstand folgen, und wenn keine Reaktion auf eigene Gedankenspiele erfolgt, ist die Emotion mit größter Wahrscheinlichkeit zu erwarten. Vernünftig also, wenn man sich aus dieser Gegebenheit selbst befreien möchte. Erfahrungen mit entsprechenden Aktionen bestehen ja in Osorno genug.
Dieser eine Gedanke. Er malträtiert das Gewissen von Roque nun schon seit Tagen beständig. Es ist ein kurzer Gedanke, nicht von großen literarischen Stilmitteln geprägt. Auch wird er wohl wenig über das Seelenleben des klassischen Misanthropen Aufschluss geben. Doch vorhanden ist er halt nun mal, der Gedanke. Nun, wenn man es genau nimmt ist es nicht einmal nur ein Gedanke. Nein, es schließt sich auch noch eine Selbstreflexion an: „Warum habe ich wahrgenommen welche Entwicklungen in der chilenischen
Habitat stattfinden? Werde ich mich verändern?“
Die Antwort ist für den Unbeteiligten leicht zu finden. Ist doch keineswegs zu erwarten, dass sich Chile zur Spielwiese großer Gedankenaustäusche entwickelt. Roquo wird weiterhin der Unlust am Spiel, der physischen Betätigung und des gepflegten Miteinanders frönen können. Sein Verhalten wird einfach nur begrenzt Widerhall finden. Doch wer mag ihm das schon sagen, in einer Situation wo er grundsätzlich völlig anormal handelt?
Beobachtungsgabe ist grundsätzlich nicht die Stärke von Jedermann. Herrn Jedermann, dessen verschiedene Persönlichkeiten über die unterschiedlichen Landstriche Chiles verteilt sind. Dominant auftretend in der Form des Zeitgeistes, der vorwiegend still ist. Abwechselnd erscheinend bei einzelnen verwegenen Gestalten, die nicht nur untereinander differieren, sondern auch innerhalb ihres eigenen Auftretens stark schwanken. Die Möglichkeiten zur Selbstreflektion werden jedoch stets genutzt. Between and Within!
Der nicht stets mit Lebensunlust verbunden Roquo deutet nur in größter Not Anzeichen für literarische Begabung an, weis sich sonst aber hinter sportlichem Imponiergehabe zu verstecken. Erfolge
werden verwundert wahrgenommen und durch zeitliche Aussetzer gekrönt. Die wahrgenommene Einheit von Chile wird nur durch den Ehrgeiz gestört, ansonsten würde er den wahren Sinn Chiles genießen: das Schweigen.
Worin die Notwendigkeit besteht einem solisitischen Stummfilmerzähler Aufmerksamkeit zu schenken? Weshalb Ewigkeiten für die lauerhaften Krautkommentare aufgebracht werden? Welchen Sinn es hat mit verlorenen fubinischen Geistern Kontakt aufnehmen zu wollen?
Die angebrachte chilenische Sache kann es nicht sein. Die Freude an der Plagiatskunst ist gleichfalls wenig ausgeprägt. Und Fingerspiele mit der Tastatur, deren Hintergrund die Suche nach Eiern ist, weist man in das Reich der Fabel.
Was für ein Schauspiel in Chile. Es machte den Anschein als wären sämtliche Fernsehkameras der Welt auf dieses ein Loch in der Nähe von Copiapo gerichtet. Kein Wunder, dass ein gar ähnlicher Akt fast bedeutungslos vorüber ging. Gut nur, dass die lokale Berichterstattung aus Rancagua ihren Pflichten nachkam und die Entwicklungen festhielt.
Chile, ein Land zum Meditieren, zum Philosophieren, ja manchmal auch einfach nur zum Schweigen. So ist landläufig die Meinung von dem sportlich gar nicht unbedeutenden Fleck der Copa-Landschaft. Kein Wunder also, dass der vermeintlichen Ruhepause um bedeutender Teilnehmer keine Beachtung geschenkt wurde. Immerhin reagierten, kommunizierten, dichteten ja noch einige Verwegene. Hätte man gewusst, dass dies nur einer weisen Vorausarbeit besonders Ambitionierter zuzuschieben war, man hätte sich wohl schon früher auf die Suche
nach dem Loch begeben.
Das Loch, oder von den Anwesenden auch das kleine chilenische Müllerchen genannt, wurde so nur durch Zufall entdeckt. Ein Wesen, nicht größer und dicker als Dan Solo, nicht einfühlsamer und verwegener als Powerkraut Jr. sowie nicht intimer und geheimer als fubini. Diese drei hatten sich zu ihrem Gesprächskreis in die Abgeschiedenheit bewegt und hatten nicht damit gerechnet, dass eine Strickleiter ausreichen würde, um wieder die Erdoberfläche zu erreichen. Auf ein Ende in der Tiefe eingestellt wurden sie plötzlich, ohne dass sie einen genauen Hintergrund ausmachen konnten, auch von der allgemeinen Sehnsucht nach einem gemeinsamen Erweckungserlebnis gepackt.
„Die Höhe von drei Meter, sie könnte überwunden werden. Wenn wir nur [….]!“, so lautet scheinbar das gemeinsame Gelöbnis!
"Wie soll ich nur Weisheiten von mir geben, wenn ich eigentlich nichts weiß. Weißt du was ich meine weiser weißer Mann?"
Roquo ist ratlos, ja bisweilen sogar kraftlos. Vergangene Taten verbleichen, Erfolge werden vergessen, das Wissen über den Weg ist demnächst unwiderruflich verloren. Die Spiele laufen nicht rund, der Motor funktioniert bisweilen kaum. Unerklärlich bleibt sicher so manchem Taktiker warum man mit zunehmendem Fortlauf mehr und mehr zum Stoiker, ja vielleicht sogar zum Phantasten wird. Ohne Risiko sollen dieselben Erfolge wie zuvor erzielt werden. Kein Wunder, dass man da an der Suche nach dem Pferd verzweifelt.
Das große (M), man hat es selber schon erlebt, es kann ein Damoklesschwert darstellen. Einem Pheromon gleich sendet es die geheime Botschaft des "Ich will geschlagen werden." aus
Warum diese Ausführungen zum jetztigen Zeitpunkt? Der Meister der vergangenen Saison tritt zum jährlichen Gastspiel in Osorno an. Der Meister von Osornos Gnaden gar? Nicht wenige sehen in taktischen Fehlern von Roquo den Ursprung des vergangenen Siegeszuges von Universidad de Concepción. Nimmt man es aber genau, konnte die Truppe von Roquo auch aber erst deshalb befreit aufspielen und die Vizemeisterschaft erringen. Wie so oft, gibt es also zwei Seiten einer Medaillie. So wohl auch beim großen (M)!
Qualvolle Tage erleben die Ballinteressierten Einwohners Osorno. Gar desinteressiert verfolgt man die Lage in Chile. Ein neuer Zeitgeist scheint sich eingeschlichen zu haben. Nicht mehr die Lage der Dinge, sondern die Dinge der Lage sind von Interesse. Wie es so weit kommen konnte? Der unsägliche Mißerfolg treibt die Einwohner der chilenischen Mittelebene in die gedankliche Ferne. Geduld ist schwer zu finden, wenn einem so lange etwas anderes
vorgelebt wurde.
Partikularinteressen sind nun, wo man nich mehr von der Meisterschaft träumen kann, hoffähig geworden. Die vergangegen Erfolge sollen in die Belustigung des heimischen Publikums münzen, um zumindest den Schein zu wahren. Balljungen, die nicht nur den Ball holen, Ticketverkäufer, die mehr als nur den Eintrittskartenhandel organisieren, Masseusen, die tatsächlich auch mal massieren, sollen zukünftig präsent sein.
... nicht in Osorno. "Fehlstart!" kommentiert die Presse den Auftakt der Mannschaft aus Osorno wenig verklärend.
Tiefschläge war man in Osorno in den letzten Saisons gar nicht mehr gewohnt. Meist fügte man sich Verletzungen nur eigenhändig zu und ein Tiefschlag stellt hier eine der schwierigsten Bewegungen dar. Man tendierte dann doch eher zu der
eingeschwungen Selbstgeißelung. Welch schönes Muster das doch gibt...
Zukunft, man kann sie sich schon gar nicht mehr ausmalen. Harte Stunden werden bevorstehen. Lange Gespräche, Panikeinkäufe, Krisensitzungen. Team Building. Geschätsleute werden sich am Leid bereichern, schwache Individuen in Meitleidenschaft gezogen. Zumindest, wenn die Gemütslage dieser Woche anhält...
(... die Überschrift ist als Songzeile von Scooter zu verstehen... mit den Bässen, Sirenen und so)
Die Quelle der Qual des fußbalerischen Daseins: die Erfüllung im Moment des Glücks. Findet dich das Ereignis nicht selbst, so musst du es schaffen. Reize andere, exponiere dich, setze Zeichen. Der/die/das Fußballgott wird es dir danken. Wenn dir ein Text zu kurz ist, mache ihn länger. Wenn dir ein Trainer nicht geheuer ist, zeige ihm deine Schwächen. Kommuniziere nicht mit den anderen, sondern mit dir selbst. Verstehe die Saison als langen Weg zum Gipfel und lasse den Stein, den du mit dir nehmen musst, mehrmals wieder runter rollen. Ich glaube ich habe den Sinn des Trainerdaseins in Chile entdeckt.
Erholsam, zu erholsam war sie die Saisonpause. Man(n) musste sich nicht mit der wöchentlichen chilenischen Tristesse, sondern viel mehr mit kläglichen Scheitern der letzten Saison auseinandersetzen. Durch eigene NMRMissetaten öffnete man einem Solisten das Feld, nicht das weite Feld, nein eher den kleinen Rasenfleck mit der Möglichkeit zur Meisterschaft. Keine Punkte, Heimniederlagen in entscheidenden Spielen und trotzdem Meister. Ja, auch solche Ausgänge ergeben sich im undurchsichtigen Mikrocosmos Copa.Doch das Nachdenken hat auch gute Seiten, man kann sich die Situation schön reden: Wer will schon der unbeliebte Gewinner sein, wer will schon der Gejagte sein, wer will schon der Anführer einer stets leiser werdenen Schar von Chiilenen sein?
Wie schön doch das eigene Unglück ist. Die Taten, das Handeln, das Sein, es ergibt Eins für den Trainer aus Osorno. Nicht hoch zu gewinnen, knapp zu verlieren. Nicht die eigene Hoffnung nähren, sondern die eigenen Ambitionen unterdrücken. Sich nicht der Fröhlichkeit, sondern der Enttäuschung hingeben. So ist das Wirken von Roquo in Chile zu verstehen. Ein Nichtantreten wegen chronischer Unlust bringt die Anhänger
des Vereins vom an sich gar wenig Unbegabten aus der Tiefebene zur Verzweiflung. Eine angedeutete Huldigung - wie das zur sonstigen schlechten, gar selbstzertörerischen Stimmung um den chilenischen Hartplatzfanatiker passt? Auch dieser findet den Trost zumeist nur in der Verleumdung. Eigene Fehlverhalten? Eigene Idotie, innerliches Chaos als Ursache großer sportlicher Dramen. Niemals! Der andere wars. Jammern können nur Solisten!
Hitze, vielleicht woanders in der Hemisphäre, aber sicher nicht in Chile. Wohlig warm ist es hier. Ganz anders, als sich das in den turbulenten Nachbarländern abspielt. Hier kann man zur Ruhe kommen. Über die Zeit, das Essen, das Leben sinieren. Neue Qualitäten entdecken, alte Leidenschaften erwecken, das Leben Revue passieren lassen, ein Faible für die Literatur entwicklen, für das Zwischenmenschliche, für das Komische, für das Interssante, für das weniger Interessante, man kann hier man selbst sein, man kann andere tolerieren, man kann sie verabscheuen, man
kann Farben entdecken, mann kann sich seiner Schwarzen Seite widmen, man hat Zeit, man kann sich vom alten Leben trennen, Delphine kann man schwimmen sehen, Elefanten tanzen für einen, der Himmel beglückt einen mit all seinen Farben, die Theater eröffnen neue Horizonte, die Bildung ist frei, das Denken ist frei, man spürt gemeinsamen Respekt, man verbringt Zeit miteinander, Glück und Unglück liegen nicht beieinander, sondern entfernt, Völlerei und Bescheidenheit sind Eins, Geborgenheit wird gegeben, Dankbarkeit empfangen, CHILE macht verrückt, CHILE ist nicht heiß.
... ohne vier. Oder wie stellt sich das der stest schwadronierende Lamentierer aus der Universitätsstadt vor? Unkalkulierbare Risiken warten auf die Teilnehmer des diesjährigen Wettbewerbs in Chile um die goldene Saltschüssel. Titelverteider mit großem Frustpotential, ehmals lautstarke Schweiger in hoffnungfrohen Positionen, stets neue Gasttrainer bei Vereinen mit dem Image einer Diva und eben die großen Egomanen der Liga. Das riskante Solo und der frohe Pessimist aus Osorno. Egomanen? Ja, das Ziel ist der große Knall am Ende des Seins, am Ende der Saison Ein große Schützenfestival soll es abermlas werden. So wurde es verkündet. So soll es dann auch sein?
Die postkoitale Gefühlslage nach der ErErruption gegen den schwafelnden Monolgisten von Universidad de Concepción, sie fühlte sich ganz anders als erwartet an. Keine lange Ruhephase war nötig. Nein, neuer Tatendrang war geboren. Gefühle, die bisher keine Rolle in dem Leben des Einzelgängers, Ruhesuchenden, Kontemplatisten eingenommen hatten. Gebilde, Kunstwerke, Netzwerke, wollte er schaffen. Freude aussenden, Zuneigung empfangen. Wunderhaft war das Gefühl der Kräfteabnutzung, es fühlte sich so sinnlos sinnhaft an. Der Gewinn steckte in der Niederlage, das Erleben im Versagen, die Überraschung im Erwarteten. Wunderbar ein solches Sechs zus Sechs!