Wiederkehrende Gemütswallungen, nicht das primäre Betätigungsfeld des Chilenen. Schon lange nicht von erfolgreichen Andenbewohnern. Gemeinschaftsgefühl kommt so natürlich selten auf. Schließlich möchte der Einheimische weder als erfolgreich, noch als sozial aktiv gelten.
Als hinterhältig hat sich die zurückliegende Saison erwiesen. Die Wendungen haben sich immer mehr in eine Richtung gedreht, so dass ein neuerlicher Erfolg von Roquo als nicht unwahrscheinlich angesehen wurde. Selbst der ewig gestrige Solist sah sich gezwungen eine Entscheidung über Sinn und Unsinn einer weiteren Meisterschaft für Deportes Osorno zu treffen.
Unwissen und nur wenig offensichtliche Überraschungen bewahrten dann die Protagonisten vor einer Schuld.
Einsicht in das eigene Seelenleben, Darstellung der emotionalen Stärke. Selten werden so klare Fakten wie am Beginn der Spiele einer Saison geschaffen. Sparen, Verprassen, Variieren - die Möglichkeiten mit dem Spiel um die eigene Kondition sind hier nahezu unbegrenzt. Nur wenige bleiben konstant bei ihrem Vorgehen. Wenn es nicht so simpel wäre, man würde es wohl stets mit dem gleichen Aufwand betreiben. Es: das solistisch, unkreative Vorgehen. Donn wäre alles aber auch zu gleich, zugleich die Ansage für diese Saison: Auf ein Neues, Herr Erzfeind!
Wenngleich, obwohl, trotzdem, dessen ungeachtet… Roquo wird morgen aufstehen, die täglichen Beschaffungen erledigen, eine positive Grundstimmung an den Tag legen. Dan den Don Solo-Gedächtnisparcour betreten, der Dinge harren, das Telefon ausschalten, grundlos lamentieren, auf den Ausgang des Saisonfinale warten. Willkommen in der frei gewählten chilenischen Erlebniswelt.
Müßig über Feind-, Freund-, Knechtschaften
zu reden. Wider jeder Logik wird unabhängig von den Entwicklungen der kommenden Stunden auch die nächste Saison ihre Anziehungskraft aus dem ewigen Duell von Roquo und Don Solo ziehen. Nie war ein Kontinuum von labilerer Beschaffung, nie war ein Ende unvorhersehbarer. Die Reihenfolge des aktuellen Zieleinlaufs zwischen den beiden Hauptakteuren steht fest, die Saison ist folglich beendet und trotzdem warten alle noch darauf, dass der Vorhang fällt!
Vieles hatte Roquo in Chile erwartet (und bekommen). Sinnfreie Tagesberichte, unverständliche Allegorien und qualitätsfreie Selbstportraits auf der kommunikativen Ebene. Langweiliges Abwarten, permanente Einfallslosigkeit und entwaffnende Strategieignoranz auf der Seite des Wettkampfs. Doch nicht das Land an sich, sondern eine Person allein hat für die Satisfaktion des ewig Unverstandenen gesorgt. Umso weniger gewappnet war der Trainer aus Osorno deshalb den neuesten Entwicklungen ausgesetzt: Nicht das finale Duell, sondern die Konkurrenz soll den Ausgang des ewigen Duells Dan Solo vs.
Roquo bestimmen!
Stringentes Vorgehen, dafür stand der ewig gestrige Konkurrent bislang. Doch nun setzt er abweichende Akzente. Willkommene Abwechslung oder eine permanente Verschiebung der Abläufe in Chile? Noch ist das Ergebnis des Experiments am lebenden Objekt, der laufenden Saison, nicht zu beobachten. Rollierende Gedanken, Reflexionen im Reflex und besinnliches Echauffieren – Roquo geht verschiedene Wege der Verarbeitung. Doch wohlweislich stellt er sich bereits auch auf das Unvorgesehene ein und versteht es deshalb bereits als das Vorgesehene. Sieht es der Konkurrent genauso?
Wenig gegenseitige Achtung spiegelt sich allgemein in den Depeschen von Roquo und Don Solo, den Lautsprechern der Stummen, wider. Doch eine Konzentration auf das Schaffen, den Misserfolg, die Unruhe des Anderen – sie ist stets festzustellen. Auch im sich nun heran bahnenden Saisonfinale scheinen die (offen und heimlich) bekennenden Misanthropen – eine Eigenschaft, die durch ihre Offenheit nicht von dem jeweils anderen als abstoßend empfunden wird – nicht den Kontakt verlieren zu wollen. Wohl wohlwissend, dass infolgedessen ein Dritter das Zweierbündnis abermals von dem individuellen Erfolg abgehalten wird.
Anleihen auf dem Weg zum Erfolg holen sich die sich
stets als einzige Verfolger der Tabellenspitze wahrnehmenden Roquo und Don Solo jeweils aus der gemeinsam gewählten Nomenklatur des Seins in Chile. Rufnamen gelten als Allgemeingut, zur Verwendung als Fixpunkt der eigenen Strategie geeignet. Geheime Wortwahlen in Presseartikeln als Auslöser der Wahl der Auswärts-Sechs. Spekulationen über geheime Absprachen als Selbstverständlichkeit, gegenseitige Beachtung als nichtnotwendige Bestätigung eines fixen Plans: Ein verschobene Liga mit acht Mannschaften auf der einen, acht Mannschaften auf der anderen Seite und einem vorab festgelegten Meister, um das Schauspiel mit Schauspielern nie wirklich zu durchschauen.
Wohin soll man fliehen, wenn es kein Ziel gibt? Wie soll man fliegen, wenn man keinen Auftrieb hat? Wie soll man siegen, wenn man keine Ahnung hat? Vollends ist das Chaos in Chile. Von Sieg zu Sieg eilen die Mannschaften. Doch missachten die oftmals schon lange amtierenden Trainer durchweg, dass ein Sieg im heimischen Stadion zwar Glücksgefühle auslöst, ein Triumph auf fremden Platz jedoch Meisterschaftsambitionen manifestiert.
Bis zum Tabellenelften Unión San Felipe können sich die Mannschaften berechtigte Hoffnungen auf den Titel machen. Genauer gesagt, auch die Mannschaften vor Unión
San Felipe haben noch Aussicht die Spitzenposition am Ende der Saison zu belegen. Doch der Rest der Liga muss sich ganz schön strecken, denn mit Unión San Felipe hat sich eine Mannschaft in eine überaus aussichtsreiche Ausgangsposition begeben, die aufgrund ihrer Unerfahrenheit noch eine völlige Unbekannte darstellt. Vermutlich hat noch nicht einmal der Trainer von Unión San Felipe die einmalige Ausgangssituation wahrgenommen. Große Kraftreserven, viele Heimspiele und als letzte Auswärtsgegner Deportes Osorno und Universidad de Concepción. Eine kritische Gemengenlage.
Wahnwitz oder Wortwitz? Palaver oder Kadaver? Winner‘s Ball oder Monster‘s Ball? Roquo oder Dan Solo?
Lasst mich in Ruhe. Die Last ist weg, aber das Laster geht weiter. Lästig, lästig die ganze Sache. Doch wem die chilenischen Begebenheiten zu hart sind, der begibt sich schon lange in ferne Länder. Kein Wunder, dass nun zwei wenig gut gelaunte Charaktere das Geschehen bestimmen. Emporkömmlinge gab es schon genug, aber nicht in ausreichendem Maße. Pressesprüche sind stets vergänglich und trotzdem gern vernommen. Gegrüßt sei der neue Tabellenführer, verdammt sei die Auswärts-Sechs, langweilig vorhersehbar der Rest der Saison!
Stummes Schweigen, lautes Lärmen, frühes Führen? Der Chilene an sich ist hier selten einfach gestrickt: Man nimmt es wie es kommt.
Allerhand hat man im Laufe der Gezeitenwechsel in Osorno schon erlebt, doch eins bleibt die Konstante. Nicht die Zuneigung und die Völlerei, sondern die Exponierung zum Auftakt der Rückrunde. In der maledeiten Vorsaison übernahm man hier mit einem letzten Kraftakt den Spitzenplatz und gab sich fortan dem
Unterfangen über die Ziellinie zu kriechen hin. Ein lange Zeit Unsichtbarer und ein Bewahrer konservativer Strategien zogen dann letztlich doch erwartungsgemäß an Einem vorbei. In der nun laufenden Spielzeit geht man die Sache anders an und setzt sich mit Reserven an die Tabellenspitze und wartet auf das sichtbare Überraschungsmoment. Sollte es nichts werden, hat man ja noch den Weltmeistertitel. Dieser wird sicher ein Leichtestes mit einem baldigen Ex-Trainer.
…ist das Schlagwort der ersten Spiele der Copa-WM. Während Chile die Extremitäten der Iberier ähnlich gezielt aufknackte wie Roquo die Geduld von BIER-Gewinner Dan Solo mit seinen erbärmlichen Imitationsstrategien, suchten die Engländer und Südkoreaner gemeinsam einsam nach einem Ausweg aus dem Dilemma des Eröffnungspiels und trennten sich 4:4.
Damit ist dem chilenischen Trainerterzett der erwartete Einzug ins Achtelfinale mit großer Sicherheit nicht mehr zu nehmen. Doch wartet man hier weiterhin auf die große Hilfe von Dan Solo. Ein (Aus)Scheiden
von Sambia würde den Weg zur angekündigten literarischen Unterstützung öffnen. Zahlen, Fakten, Daten, sind doch eh nicht die Sache des Ex-(M)s aus Concepción, umso mehr das unverständliche Wort – ein bekanntes Übel für den langen Weg zur (Welt-)Meisterschaft.
Würde man nur vergessen, dass da wirklich Emotionen für Chile mitschwingen, man könnte stets so unsachliches Contra geben. Doch ehrlich gesagt fühlt man sich als Einer von Zwei mit tiefer Verbundenheit zum Andenland und denkt an… den letzten Spieltag der Saison: El Clasico!
Dieser ständige Veröffentlichungsdruck, er ist das Leid des jungen Copa-Wissenschaftlers. Noch nach den großen Zielen strebend und trotzdem auf jede Hilfe angewiesen. Kein Wunder, dass es einem vorkommt, als würde man stets zu spät kommen. Zu spät zum kreativ sein, zu spät zum falsche Fährte liegen, zu spät um die Ausführungen von Dan Solo zu verstehen.
Doch gibt es da eben auch den
Gegenpart des Zu-Spät-Seins beziehungsweise nicht des faktischen Seins, sonders des potentiellen Seins. Sobal der Druck groß genug ist, lassen sich unbekannte Kraftreserven aktivieren, können neue Wege gegangen werden, freie Methoden der Textinterpretation gewählt werden. Auf einmal scheint das Sein in Chile, das Schreiben in die Leere, die Kommunikation mit Dan Solo, das Zu-spät-Sein das Vernünftigste der Welt zu sein.
Altmeister vs. Altkluger, Belagerer vs. Befreier, Chaot vs. Charismatiker, Dan Solo vs. Deportes Osorno, Erzfeind vs. Erzfeind, Fußballversteher vs. Fußballzerstörer, Großmeister vs. Gerne-Meister, Hanfsammler vs. Handsamer, Ilseliebhaber vs. Inselliebhaber, Jungbrunnen vs. Jungspund, Kommunist vs. Kapitalist, Lebemann vs. Langweiler, Meister der Herzen vs. Meister der Schmerzen, Nihilist vs. , Oddsetfavorit vs. Opportunist, Pazifist vs. Protestierer, Quizverweigerer vs. Quizscheiterer, Rasenliebhaber vs. Roquo, Universidad de Concepción vs. Unkrautverehrer, Vizemeister vs. Vize-Vize-Meister, Wanderer vs. Warner, X vs. Y, Zweiter vs. Zweifler
Folgen ohne an die Folgen zu denken. In welcher Folge des chilenischen Ligaalltags befinden wir uns eigentlich? Egal, der Titel bleibt eh der gleiche: Vertreibe den anderen.
Zwei Gestalten – ein Ziel. So macht es anfänglich den Anschein. Doch je mehr der Beobachter dem Schauspiel beiwohnt, desto unsicherer ist er sich in seiner Deutung. Ein Jäger und ein Getriebener, ein Späher und sein Gefährte? Kennen die beiden Personen sich überhaupt? Nehmen sie sich wahr, orientieren sie sich aneinander? Die Szenerie nimmt auch in ihrer Dynamik mysteriöse Züge an. Warum sehen sie sich an, orientieren sich gar aneinander, stehen dem anderen doch wortlos gegenüber?
Neues Jahr, neue Ziele. Wie passend, dass der Jahreswechsel mit dem Start der neuen Saison einhergeht.
Roquo, nun nicht mehr nur von dem Ausgang der letzten Saison, sondern auch von den Silvesterfeierlichkeiten benebelt, geht gleich ganz neue Wege. “Diese Saison muss unter einem Motto stehen. Wir brauchen einen Sinn in unserem Handeln. Wir machen es.“ „Wie ihr macht es?“ „Wir machen es. So heißt unser Motto. Wir machen es anders. Wir machen euch kirre. Wir machen es verdammt oft.“ „Was das denn so?“ „Ja, dass machen halt.“ „Und wann?“ „Wir machen es immer!“
Und wäre es der
sinnlosen Aktionen in Chiles Oberhaus nicht schon genug, kommt nun auch noch die von Roquo in der Saisonpause neu entwickelte Strategie zum Einsatz. Der „Beifahrer-Modus“ nennt sich das diesjährige Vorhaben. Don Solo wird in dieser Saison offiziell und nicht mehr nur verdeckt als zu imitierender Konkurrent auserkoren. Versucht er den Titel über ein Heimbollwerk zu erringen, wird Deportes seine Bemühungen gleichfalls auf Kantersiege im eigenen Stadion ausrichten. Hat er kein Interesse an spannenden Zeitungsartikeln, wird eben auch in Osorno nur wenig Hochwertiges zu Papier gebracht. Ein Problem wird es nur, wenn die literarische Vielfalt auf einmal doch wieder zunimmt…
"Ich benötige Zeit für mich." Er sprachs und war bis heute nicht mehr gesehen. Nun gut, eine Saisonvorbereitung war eh nicht vorgesehen. Und Angehörige gar nahestehende Menschen gab es im Umkreis des ewig nach dem Erfolg und auch dem Nichts Strebenden schon lange nicht mehr. Doch einfach weg, ist das der normale Weg von Roquo?
Freie Zeit kann vielfältig genutzt werden, wenn man so gar unlustig ist auf das was man zuvor getrieben hat. Wellness-Trips, Manager-Seminar, Lusturlaube. Ein weites Feld steht dem erschöpften
Trainer da offen. Doch der Gram war dieses mal größer. Eine anfangs verkorkste Saison fand ihre überraschende Wende, bevor dann wieder ein Wende kam vor dem schnellen Ende. Dritter, das war dann doch zu wenig.
Ein Rücktritt, ein Rücktritt vom Rücktritt, ein Neuanfang? Viel wurde spekuliert in Osorno. Wenigstens war die Rückkehr nach einigen Nacherkundungen gewiss. Gerade kam sie rein, die erste Stellungnahme des enttäuschten Trainers nach der freien Zeit: "Wenigstens ist der andere nicht Meister geworden."
Du und das (M), dass ich nicht lache. Schon lässt man dich mal Meister werden, und lassen ist wortwörtlich gemeint, spielten deine Gedanken verrückt. Ist dir nicht genug, dass man deine glitschigen Selbstreflexionen jede Woche in der Presse über sich ergehen lassen muss. Jetzt meinst du auf einmal auch in die ernsthafte Sportberichterstattung hinüber wechseln zu können. Hier wäre aber neben deiner fehlenden Eloquenz, auch noch dein Informationsdefizit aufzuholen. Schau dir doch mal die Tabellensituation
Lieber Dan Solo,
danke für die persönliche Kontaktaufnahme. Wir sollten über ein (M) diskutieren, meintest Du. Das sei ein großer Ladenhüter, waren grob zusammengefasst deine Worte. Zweifel an unserem gemeinsamen, aber gleichzeitig doch einsamen Streben, hörte ich hierbei sogar heraus. Gerne nehme ich die Diskussionsgrundlage
auf.
Wohl wahr, das Verfolgen von Zielen, es ist es schwierig. Und vermutlich würde ich es auch gar nicht eingehen, wenn ich gute persönliche Feindschaften pflegen könnte. Wenn ich ein Tier, einen rasend schnell alternden, an Kreativität einbüßenden Hobbyakteuer als meinen Gegenpart benennen könnte. Wenn ich einfach mal Schweigen könnte, ich würde dem Streben nach sportlicher Überlegenheit wohl auch wenig Bedeutung beimessen. Doch so haschte ich die ganze Zeit nach dem bisschen Aufmerksamkeit, dass ich mit dem Erreichen der Tabellenspitze erreichen konnte. Doch das Erlebnis war alles andere als spannend. Es liegt wohl einfach daran, dass Chilenen nach unten, hinab in die Grube wollen. So muss ich letztlich ehrlich zu Dir sein: Das (M) es bedeutet mir nichts mehr. Gerne überlasse ich es Dir zur Zierde Deines Vereinsnamens im nächsten Jahr.
Mehr und mehr und mehr, ich weiß nicht auf welchem Weg wir sind. Man mag es kaum glauben, aber Chile prosperiert. Von Woche zu Woche treten mehr Akteure an die Oberfläche. Wo mag das nur enden?
Will man tatsächlich nun mehrheitlich seinen aktuellen emotionalen Zustand zum Besten geben? Mag man gar wirklich dazu beitragen, dass Chile auf der Karte als Mehrheitsmasse wahrgenommen wird? Soll die Presse nun augenscheinlich den Weg der Mehrheitsmeinung beschreiten und
nicht mehr ein Hort der Individualisten bleiben? Schau`n mehhhr mal.
Mehr und mehr und mehr, da ist so viel was wir nicht machen wollen. Die Ungläubigkeit beim Blick auf die Tabelle, sie soll verweilen. Die ausgiebigen Überlegungen, die dann doch in der schnöden Aktionen enden, sie dürfen immer weitergehen. Die Verzweiflung alter Titelverteidiger und Heroen, sie müsste stets so bleiben. Ein Mehr an Spieltagen, es bräuchte sie nicht aus Sicht der Mannen von Osorno.