Die Essenz des südamerikanischen Fußballs sind ohne Frage der Heißblut und die stets aufkeimende unverblümte Aggression. Es bedarf nur eines geringen Anlasses und nicht weniger als beide Mannschaften, das gesamte Sicherheitspersonal sowie die lokalen Einsatzkräfte der Polizei duellieren sich mittels Einsatzes der ins Stadion geschmuggelten beziehungsweise vom Ordnungsdienst geduldeten Objekte. Eckfahnen,
Kühlschränke, Schlagstöcke, Fahnenmasten sind nur einige der (missbrauchten) Waffen.
Umso verwunderlicher mit welch geringem Elan die Fans des CD Cobrelao nach der Niederlage gegen die gegnerischen Fans und Spieler aus Osorno vorgingen. Elastische Gymnastikbänder, Gummipuppen und Styroporkugeln sollten den nur den Stolz der Elf von Roquo über den ersten Auswärtserfolg in der noch jungen Saison!
Unsicher, unbedarft, richtig nervös wirkte der Trainer von Deportes Osorno für sein wöchentliche Stellungnahme vor die Presse trat. Kein Wunder, war doch inzwischen auch über ein Jahr Pause seit dem letzten Aufeinandertreffen mit der lokalen Presse vergangen. Zu wirklicher großer Aufmerksamkeit hat dies trotzdem nicht geführt. Wie gewohnt saßen nur Herr Sanchez und Frau Lopez von den beiden Lokalblättern saßen in der ersten Reihe und stellten die gewohnten, ach
so abgedroschenen Fragen: "Werden unsere Stürmer am Wochenende treffen?" "Werden wir zu Null spielen?" "Werden wir gewinnen?" Die Antworten von Roquo (f.k.a. Roque) waren so knapp wie eindeutig: "Erstens, mir geht dieses "Wir" im Fußball sowas von auf die Eier. Zweitens, mir doch scheiß egal ob WIR gewinnen, Copa läuft wieder und deshalb hab ich keine Zeit mehr für solch dämliche Fragerunden. Mann muss Prioritäten setzen!"