Es gibt Niederlagen, bei denen man den Schiedsrichter beschimpft, den Rasen verantwortlich macht oder behauptet, der Ball sei eckig gewesen. Und dann gibt es ein 5:6 gegen Oita Trinita.
kees van edam entschied sich für eine vierte Variante: Er zog höflich seinen Käsehut, verbeugte sich in Richtung Claudion und murmelte: „Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens gegen euch.“
Denn die Duelle gegen Oita sind für Vegalta Sendai jedes Mal das absolute Saisonhighlight. Andere Trainer studieren den Gegner mit Videoanalysen. kees versucht seit Jahren herauszufinden, ob Claudion heimlich drei zusätzliche Spieler, zwei Schachcomputer und einen dressierten Kranich auf dem Platz einsetzt. Einen Beweis gibt es bis heute nicht – allerdings verschwinden nach jedem Duell auffällig viele Notizzettel.
Das 5:6 schmerzt natürlich. Vor allem, weil Vegalta fünf Tore erzielt hat und trotzdem mit leeren Händen nach Hause fährt. Das schafft man auch nicht alle Tage. kees sprach deshalb von einer „pädagogisch besonders wertvollen Niederlage“, ehe er sich ein Käsebrot schmierte und den fünften
Gegentreffer versehentlich mit Senf analysierte.
Über Claudion verliert er ohnehin nur gute Worte. „Er gehört zu den stärksten Trainern, gegen die wir spielen. Wenn wir uns irgendwo geschlagen geben können, dann gegen ihn und Oita.“ Anschließend spendierte kees dem gesamten Trainerteam einen Laib Gouda – aus Respekt und in der Hoffnung, dass der Käse beim nächsten Aufeinandertreffen vielleicht etwas schwer in den Beinen liegt.
Die Fans feierten Vegalta trotz der Niederlage. Schließlich erlebt man nicht oft ein Spiel, bei dem die Torhüter nach Abpfiff gemeinsam eine Selbsthilfegruppe gründen und der Ball anschließend wegen Überarbeitung drei Tage Urlaub beantragt.
Und kees? Der blickt längst nach vorne. Mit einem Grinsen erklärte er: „Beim nächsten Mal verlieren wir vielleicht nur 4:5. Das wäre schließlich auch Fortschritt.“ Claudion dürfte darüber vermutlich nur schmunzeln – denn beide wissen: Wenn Oita und Vegalta aufeinandertreffen, gewinnt zwar am Ende oft Oita… aber der Fußball gewinnt immer ein kleines bisschen mit.
Bei Vegalta Sendai herrscht Alarmstufe Gelb. Nicht wegen der Tabelle – daran hat man sich inzwischen gewöhnt. Nein, der kommende Gegner heißt Shinji Onito… oder Ono… oder Onomatopö. So genau weiß das niemand, weil kees van edam den Namen nur noch flüsternd ausspricht und dabei vorsichtshalber drei Schritte rückwärts geht.
Der Tokushima-Coach beklagte zuletzt eine „bittere Woche“. kees zeigte sich tief betroffen. „Ich möchte helfen. Aber bitte mit mindestens 200 Metern Sicherheitsabstand. Sonst steckt das Gejammer noch meine Innenverteidiger an.“
Zur Vorbereitung installierte Vegalta auf dem Trainingsgelände eine sogenannte Jammerwarnanlage. Immer wenn irgendwo ein Satz mit „Eigentlich hätten wir…“ beginnt, ertönt eine Sirene und alle Spieler werfen sich hinter die Eckfahnen. Matrix bekam vorsichtshalber einen Gehörschutz, weil er beim letzten Mal nach zehn Minuten Klagen versehentlich drei Eigentore auf einem völlig anderen Platz
analysierte.
kees selbst reiste mit einem Fernglas, einem Megafon und einem Laubbläser an. Das Fernglas, um Shinji aus der Distanz zu erkennen. Das Megafon, um aufmunternde Worte wie „Kopf hoch!“ zu rufen, ohne näherkommen zu müssen. Und der Laubbläser? „Falls die schlechte Stimmung rüberweht, blase ich sie einfach zurück nach Tokushima.“
Vor dem Anpfiff soll es dennoch einen fairen Austausch geben. Shinji erhält von Kees einen großen Korb Taschentücher. Im Gegenzug schenkt Tokushima Vegalta einen Kompass – damit die Sendai-Spieler endlich den Weg aus dem Tabellenkeller finden.
Die Experten erwarten ein historisches Duell: Hier die Mannschaft, die Angst vor geraden Spielfeldern hat. Dort die Mannschaft, die Angst vor jeder neuen Woche entwickelt hat.
Und kees? Der bleibt optimistisch. „Wenn wir gewinnen, freue ich mich. Wenn wir verlieren, behaupte ich einfach, das Spielfeld war emotional schief. Hauptsache, ich muss mir das Gejammer nicht aus der Nähe anhören.“
Eigentlich hätte nach dem 5:0 gegen Matrix und Mito HollyHock endlich Ruhe einkehren müssen. Doch bei Vegalta Sendai herrscht weiter Tabellenkeller. Niemand versteht es. Fünf Tore, kein Gegentor – und trotzdem fühlt sich die Tabelle an, als hätte sie den Verein persönlich auf “Unten bleiben” eingestellt.
kees van edam vermutet längst eine Verschwörung der Geometrie.
„Das Spielfeld war völlig gerade!“, schimpfte der Niederländer. „Wie soll man da kreativ abstürzen? Beim letzten Mal war wenigstens alles schief. Da konnte man die Niederlage auf die Erdkrümmung schieben.“
Dieses Mal rollte der Ball allerdings schnurgerade. Viel zu gerade. Die Pässe kamen an. Die Spieler wussten plötzlich, wo sie hinlaufen mussten. Selbst Matrix stand ratlos an der Seitenlinie und suchte verzweifelt den roten Knopf, mit dem man die Realität wieder verbiegt.
Nach dem fünften Tor begann kees nervös zu werden.
„Das ist gefährlich. Wenn wir weiter so spielen, glauben die Leute noch, wir könnten
Fußball.“
Deshalb trainierte Vegalta am nächsten Morgen vorsichtshalber wieder auf einem Übungsgelände mit 17 Prozent Gefälle, zwei Kreisverkehren im Mittelkreis und einer Rolltreppe im Strafraum. kees will schließlich nicht, dass seine Mannschaft die Bodenhaftung verliert.
Im Tabellenkeller bleibt man trotzdem. Offenbar hat die Tabelle beschlossen, dass Siege lediglich höfliche Vorschläge sind. Sie schaut kurz auf das 5:0, nickt anerkennend und antwortet trocken:
„Sehr schön gespielt. Jetzt bitte wieder nach unten.“
kees nahm es sportlich. Er bestellte sich einen Bauingenieur, drei Wasserwaagen, einen Bergführer und einen Action-Regisseur. Für das nächste Heimspiel soll das Stadion nämlich aussehen wie ein Hollywood-Film: Explosionen an den Eckfahnen, Verfolgungsjagden zwischen den Ersatzbänken und ein Helikopter, der den Ball in der 90. Minute aus der Gefahrenzone fliegt.
Denn eines hat kees gelernt: Auf einem geraden Spielfeld kann zwar jeder gewinnen – aber nur im Tabellenkeller wird daraus ein echter Actionfilm.
Am Wochenende empfängt Vegalta Sendai Mito Hollyhock. Eigentlich eine ganz normale Partie. Eigentlich.
Denn kees van edam hat seit dem legendären Auswärtsspiel, bei dem der Platz angeblich schiefer war als eine betrunkene Rolltreppe, nicht mehr richtig geschlafen. Jetzt ist zwar Heimspiel – doch genau das macht ihm Sorgen.
„Mito wird versuchen, unseren geraden Platz zu manipulieren. Wenn der Rasen nicht schief ist, machen sie eben den Horizont krumm“, erklärt kees, während er mit einer Wasserwaage die Wolken kontrolliert.
Seit Montag trainiert Vegalta deshalb ausschließlich unter realistischen Copa-Bedingungen. Die Spieler müssen Pässe spielen, während Flamingos über den Platz joggen, Gartenzwerge lautstark Abseits reklamieren und ein Staubsauger als rechter Außenverteidiger aufläuft. Außerdem wurden vorsorglich 37 Murmeln auf dem Mittelkreis ausgelegt. Rollen sie los, wird das
Spiel sofort abgesagt.
Mito Hollyhock schweigt bislang. Genau das macht kees nervös.
„Wenn sie nichts sagen, planen sie etwas. Beim letzten Mal war der Platz schief. Diesmal kommt bestimmt etwas viel Schlimmeres.“
Gerüchten zufolge soll Mito versuchen, den Anstoß exakt sieben Sekunden früher stattfinden zu lassen als den Rest des Spiels. Andere behaupten, die Gäste reisen mit einem Ersatzrasen an, den sie in der Halbzeit heimlich ausrollen wollen.
Die Copa-Kommission beobachtet die Lage aufmerksam. Ein Quantenphysiker wurde bereits vorsorglich als unabhängiger Schwerkraftbeauftragter verpflichtet. Er soll überprüfen, ob die Erdanziehung während der 90 Minuten gleichmäßig auf beide Mannschaften wirkt.
kees bleibt dennoch gelassen.
„Ich hoffe nur, dass diesmal nicht wieder das Spielfeld schief ist. Es reicht völlig, wenn die Realität aus dem Stadion fliegt.“
Diese Frage wurde kees van edam nach dem letzten Spiel gestellt. Er stellte seine Kaffeetasse zur Seite, schaute nachdenklich aus dem Fenster und antwortete:
„Natürlich. Aber nicht heute. Heute ist Sonntag .“
Niemand wusste, was das bedeutete. Also wurde vorsichtshalber genickt.
Die Tabelle sieht inzwischen nicht besonders freundlich aus, doch kees bleibt die Ruhe selbst. Statt Training veranstaltet er jeden Mittwoch die berühmte „Konferenz der besorgten Gartenzwerge“. Dort wird ausführlich diskutiert, ob Gegentore vielleicht nur besonders herzliche Begrüßungen des Gegners sind.
„Ein 0:0 erzählt doch keine Geschichte“, erklärt kees. „Ein 5:6 dagegen beschäftigt die Menschen noch beim
Frühstück.“
Im Verein kursieren inzwischen die wildesten Gerüchte. Angeblich wurde der Taschenrechner des Tabellenrechners ausgetauscht, weil er ständig Pluspunkte anzeigte, wenn Vegalta verlor. kees fand das Gerät allerdings „deutlich optimistischer als die echte Tabelle“ und wollte es sofort als offiziellen Vereinsrechner anmelden.
Ob der Klassenerhalt gelingt?
kees lächelt nur geheimnisvoll.
„Die Tabelle ist wie ein Wetterbericht. Man schaut ständig drauf – und am Ende regnet es trotzdem irgendwo ganz anders.“
Die Fans sind sich deshalb einig: Solange kees van edam noch solche Sätze sagt, ist bei Vegalta Sendai alles möglich. Wahrscheinlich sogar der Klassenerhalt. Irgendwie. Oder zumindest auf dem optimistischen Taschenrechner.
„23 geschossene Tore, 33 kassierte“, murmelte kees und strich nachdenklich über einen großen Gouda. „Vielleicht greifen uns die Gegner gar nicht an… vielleicht schenken sie uns einfach besonders viel Aufmerksamkeit.“
Seitdem entwickelt der Trainer von Vegalta Sendai eine völlig neue Fußballtheorie. Jede Bude gegen Vegalta sei nichts anderes als ein höflicher Gruß. „Wer uns fünf Tore einschenkt, schätzt uns eben fünfmal mehr als jemand, der nur eins erzielt.“
Die Verteidiger waren zunächst irritiert. Als kees jedoch erklärte, dass Gegentore in Wahrheit „Blumensträuße mit höherer Fluggeschwindigkeit“ seien, applaudierte zumindest der Platzwart. Versehentlich. Er hatte eigentlich eine Mücke
erschlagen wollen.
Um die Wertschätzung einzudämmen, ließ kees das Training in ein Teehaus verlegen. Dort könne niemand Gegentore schießen, höchstens Kekse klauen. Die Mannschaft diskutierte stundenlang über Jasmintee, Origami und die optimale Falttechnik für Abwehrreihen. Das Ergebnis: drei zerbrochene Teekannen, aber kein einziges Gegentor.
„Siehst du!“, jubelte kees. „Kaum spielt man nicht Fußball, wird man auch nicht mehr übermäßig wertgeschätzt.“
Die Liga beobachtet das Experiment mit Sorge. Einige Experten befürchten bereits, dass Vegalta demnächst komplett auf Tore verzichtet und stattdessen nur noch höfliche Verbeugungen sammelt. Kees hingegen bleibt gelassen: „Tabellen sind vergänglich. Aber ein sauber aufgegossener Sencha hält ewig.“
Bei Vegalta Sendai läuft es derzeit ausgesprochen torarm. Die letzten Spiele gingen allesamt verloren – und trotzdem ist kees van edam mit sich und der Mannschaft erstaunlich zufrieden.
„Wir haben konsequent keine Tore geschossen“, erklärte der Trainer. „Das war eine bewusste Entscheidung.“
Der Grund ist nämlich Tore Bulwa, seines Zeichens Coach von Cerezo Osaka.
„Warum sollten wir Tore schießen und damit Tore Bulwa unterstützen?“, fragte kees völlig ernst. „Der Mann heißt schließlich Tore. Das kann doch kein Zufall sein!“
Seitdem
gilt bei Vegalta eine neue interne Anweisung: Ballbesitz ja, Torchancen vielleicht, Tore auf keinen Fall.
Die Stürmer wurden angewiesen, spätestens 20 Meter vor dem gegnerischen Tor abzudrehen. Einer soll sogar bereits beim Anblick des Strafraums nervös geworden sein und den Ball ins Seitenaus gespielt haben.
„Wir müssen Tore Bulwa trockenlegen“, erklärte kees. „Wenn wir Tore schießen, bekommt Tore Tore. Das ist mathematisch eindeutig.“
Besonders pikant: Während Vegalta aus Solidarität mit dem japanischen Fußball auf Tore verzichtet, schießt Cerezo Osaka munter weiter.
Nach dem spektakulären 5:4 gegen Claudion und Oita Trinita herrschte im Stadion völlige Verwirrung. Der Stadionsprecher hatte zwischenzeitlich aufgegeben, die Torschützen zu nennen, und verkündete stattdessen nur noch:
„Schon wieder irgendjemand.“
Trainer kees van edam wirkte dagegen ausgesprochen zufrieden.
„Das war eines unserer ruhigeren Spiele.“
Die Reporter schauten sich gegenseitig an.
„Trainer… es fielen neun Tore.“
„Ja. Zehn wären hektisch gewesen.“
kees erklärte anschließend den Matchplan. Er hatte seine Spieler angewiesen, „den Ball möglichst nicht lange zu behalten“.
„Das haben sie hervorragend umgesetzt. Kaum hatte jemand den Ball, hatte ihn auch schon wieder jemand anderes. Man muss den Gegner schließlich beschäftigen.“
Besonders kurios wurde es kurz nach der Halbzeit. Claudion soll versucht haben, seine Mannschaft neu einzustellen.
Doch jedes Mal, wenn er eine Taktiktafel aufklappte, fiel irgendwo ein weiteres Tor.
„Irgendwann hat Claudion die Tafel einfach umgedreht und Sudoku gespielt“, berichtete kees mitfühlend.
Auch Vegalta verlor zwischenzeitlich völlig den Überblick.
Der Zeugwart
jubelte versehentlich über ein Gegentor.
Der Linienrichter fragte zweimal nach, welche Mannschaft eigentlich in Gelb spiele.
Und der Balljunge verlangte nach der siebten Torchance Gefahrenzulage.
Als ein Reporter wissen wollte, warum Sendai vier Gegentreffer kassierte, winkte kees ab.
„Das waren keine Gegentore. Das waren dramaturgische Elemente. Ohne Spannung wären die Zuschauer doch viel zu entspannt nach Hause gegangen.“
Über Claudion verlor der Niederländer nur lobende Worte.
„Ein fantastischer Trainer. Wir haben uns gegenseitig so oft überrascht, dass wir am Ende beide nicht mehr wussten, wer wen überrascht hatte.“
Zum Abschluss zog kees eine Bilanz.
„Fußball wird viel zu kompliziert gemacht. Manche reden über Pressing, Restverteidigung und Halbräume.“
Er lehnte sich zurück.
„Wir spielen lieber Vollchaos mit gelegentlichen Toren. Das versteht jedes Kind. Manchmal sogar unsere Abwehr.“
Anschließend verließ kees die Pressekonferenz, weil er überzeugt war, das Spiel habe gerade erst begonnen. Im Spielertunnel fragte er vorsichtshalber noch den Schiedsrichter:
„Steht’s immer noch 5:4 oder haben wir in der Zwischenzeit noch eins geschossen?“
Nach der 1:2-Niederlage gegen Cerezo Osaka war Vegalta Sendai ratlos. Spieler schüttelten die Köpfe, Trainer analysierten Videos und Fans diskutierten über Taktik.
Nur einer hatte die Wahrheit längst erkannt: kees!
Mit einem überdimensionalen Stück Gouda unter dem Arm betrat kees den Presseraum, legte eine Serviette auf den Tisch und sagte feierlich:
„Ich habe den Fehler gefunden. Und nein – es war nicht unsere Abwehr. - es war auch nicht unser Sturm“
Alle blickten gespannt zu ihm.
„Es war Tore Bulwa.“
Eine kurze Stille.
„Der Mann trainiert Cerezo Osaka nicht. Er hypnotisiert sie.“
Kees war sich sicher, dass Bulwa längst Methoden entdeckt habe, die der normale Fußball noch gar nicht kenne.
„Während andere Trainer Eckbälle trainieren, übt Bulwa mit seinen Spielern vermutlich, wie man den Ball telepathisch in freie Räume schickt. Deshalb laufen seine Spieler immer dorthin, wo wir erst zehn Sekunden später merken, dass dort Gefahr entsteht.“
Angeblich beginne jedes Training von Cerezo mit einem Ritual.
„Die Spieler stellen sich im Kreis auf, trinken grünen Tee, drehen sich zweimal im Uhrzeigersinn und plötzlich wissen alle ganz genau, wo der nächste Pass hingeht. Das kann man nicht verteidigen!“
kees behauptete sogar, Vegalta habe versucht, das System nachzumachen.
„Nach fünf Minuten standen unser Linksverteidiger im Mittelkreis, der Mittelstürmer auf der Trainerbank und der Co-Trainer verlangte plötzlich den Ball in die Tiefe. Da haben wir das Experiment sofort abgebrochen.“
Besonders beeindruckt zeigte sich kees von Bulwas Wechseln.
„Wenn
Tore Bulwa einen Spieler auswechselt, wird der Ersatzspieler nicht eingewechselt – der war die ganze Zeit schon da. Man hat ihn nur vorher nicht gesehen.“
Selbst die Niederlage gegen Cerezo sei laut kees von langer Hand geplant gewesen.
„Wir dachten, wir hätten den Ausgleich in der Luft. In Wahrheit wollte Bulwa genau das. Er hat uns Hoffnung gegeben. Hoffnung ist die gefährlichste aller seinerTaktiken.“
Ein Reporter fragte vorsichtig, ob kees das wirklich ernst meine.
kees schaute ihn mitleidig an.
„Haben Sie jemals gesehen, dass Tore Bulwa gleichzeitig einen Kaugummi kaut, Anweisungen gibt und trotzdem jede gegnerische Bewegung vorher kennt? Eben.“
Dann holte kees eine selbst gemalte Grafik hervor.
Sie zeigte einen Kreis, drei Pfeile, einen Käse und eine Giraffe.
„Das ist Cerezos Pressing.“
„Und warum die Giraffe?“, fragte ein Journalist.
„Weil niemand mit einer Giraffe rechnet. Genau deshalb funktioniert sie.“
Zum Abschluss richtete kees noch eine Botschaft an den Trainer von Cerezo Osaka.
„Lieber Tore Bulwa, ich weiß nicht, was du deinen Spielern erzählst. Vielleicht gar nichts. Vielleicht liest du ihnen nur Gute-Nacht-Geschichtlichen vor. Aber irgendetwas passiert dort. Und solange du auf der Bank sitzt, gewinnt Vegalta gegen Cerezo höchstens beim Stein-Schere-Papier.“
Mit diesen Worten verließ kees den Presseraum, stieg versehentlich in den Mannschaftsbus von Tokushima Vortis, winkte freundlich und rief noch:
„Nächste Woche versuchen wir’s mit einer anderen Taktik. Wir gehen einfach dort hin, wo keiner mit uns rechnet. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, ob es so einen Ort überhaupt gibt!“
Vier Tore auswärts schießen – und trotzdem verlieren. Das schaffen nur zwei Arten von Menschen: Genies. Und Vegalta Sendai.
Beim wilden 4:5 bei Mito HollyHock erlebten die Zuschauer 90 Minuten, die selbst die japanische Wetterbehörde später als „schwer erklärbares Naturereignis“ einstufte. kees van edam dagegen hatte sofort eine Erklärung.
„Der Platz war heute eindeutig schief.“
Journalisten blickten sich irritiert um. Der Platz war nachweislich eben.
„Ja“, nickte kees. „Aber nur optisch. Physikalisch war er schief. Unsere Angriffe liefen bergauf, ihre bergab. Das merkt man nicht mit den Augen – nur mit Fußballgefühl.“
Angeblich hatte der Greenkeeper von Mito bereits vor dem Spiel verdächtig oft mit seiner Gießkanne gelächelt. Augenzeugen berichten sogar, dass er vor Anpfiff leise mit dem Rasen gesprochen habe. Die Antworten des Rasens seien allerdings nicht zu verstehen gewesen.
Dabei begann alles ganz normal. Vegalta spielte nach vorne, traf viermal und hatte zwischenzeitlich sogar das Gefühl, alles im Griff zu haben.
Leider hatte Mito dieselbe Idee.
So entwickelte sich ein Spiel, bei dem die Anzeigetafel regelmäßig überprüfen musste, ob sie nicht versehentlich auf Basketball umgestellt worden war. Nach jedem Treffer schien das nächste Tor bereits in der Warteschleife zu stehen.
Besonders kurios: Beim fünften
Gegentor wollte der Ball laut mehreren Spielern eigentlich ins Toraus. Doch ein Windstoß, zwei Schmetterlinge und vermutlich ein leicht übermotivierter Grashalm überzeugten ihn in letzter Sekunde zum Richtungswechsel.
„Kann passieren“, meinte kees philosophisch. „Der Ball ist schließlich auch nur ein Mensch.“
Dass Vegalta trotz der Niederlage mit neun Punkten aus vier Spielen weiterhin ganz oben mitmischt, beruhigt den Niederländer. Platz zwei – nur einen Punkt hinter Shonan Bellmare – klingt schließlich deutlich besser als das Ergebnis vermuten lässt.
Im Training wurden bereits Konsequenzen gezogen. kees ließ:
den Ball entschuldigen,
den Wind verwarnen,
den Schiedsrichter freundlich grüßen,
und den eigenen Torpfosten vorsorglich unter Beobachtung stellen.
Außerdem soll künftig ein Platzwart aus Sendai mitreisen, um vor jedem Auswärtsspiel nachzumessen, ob das Spielfeld heimlich wieder schief geworden ist.
Die Mannschaft nahm das Spektakel ohnehin mit Humor.
„Lieber einmal 4:5 verlieren als langweilig 0:0 spielen“, grinste kees. „Unsere Fans bekommen schließlich Unterhaltung. Andere Vereine verkaufen Fußball – wir verkaufen Abenteuer.“
Und so bleibt nach diesem verrückten Nachmittag vor allem eine Erkenntnis:
Zwei Spiele, zwei Siege, Tabellenführer. Eigentlich müsste kees van edam mit breiter Brust durch Sendai spazieren. Tatsächlich wurde er nach dem Spiel gegen Kashiwa Reysol allerdings dabei beobachtet, wie er etwas ratlos über den Rasen lief.
„Ich suche noch den Schlüssel zum Erfolg“, murmelte der Niederländer und blickte nachdenklich über das satte Grün.
Zum Glück war der Greenkeeper zur Stelle.
„Den haben Sie gestern schon verloren“, sagte er trocken, drückte kees einen Rechen in die Hand und schickte ihn erst einmal zum Laubharken hinter der Trainerbank.
Während kees versuchte herauszufinden, auf welcher Platzhälfte seine Coachingzone eigentlich beginnt, hatte der Greenkeeper längst alles im Griff. Der Rasen war geschniegelt, die Linien schnurgerade und selbst die Eckfahnen standen militärisch stramm.
„Wenn der Trainer schon orientierungslos ist, muss wenigstens der Platz wissen, wo es langgeht“, soll er grinsend gesagt haben.
Und tatsächlich: Kaum war der Anpfiff erfolgt, lief Vegalta Sendai wie am Schnürchen. Die Spieler fanden jeden Mitspieler, die Pässe rollten butterweich
über den Rasen, und am Ende stand ein hart erkämpfter 1:0-Sieg.
kees war anschließend voll des Lobes.
„Die Mannschaft hat das hervorragend gemacht.“
Der Greenkeeper nickte zufrieden.
„Stimmt. Aber ohne den frisch gemähten Mittelkreis hätte das ganz anders ausgehen können.“
Selbst die Spieler scheinen den wahren Helden inzwischen erkannt zu haben. Nach dem Schlusspfiff soll der erste Handschlag nicht dem Trainer, sondern dem Mann mit dem Rasenmäher gegolten haben.
kees nahm es mit Humor.
„Ich bin für Taktik zuständig“, erklärte er.
„Und ich dafür, dass sie auf diesem Platz überhaupt funktioniert“, ergänzte der Greenkeeper.
So bleibt nach zwei Spieltagen festzuhalten: Vegalta Sendai ist Tabellenführer. kees van edam sammelt die Punkte, die Mannschaft die Siege – und der Greenkeeper sammelt wahrscheinlich heimlich die meisten Sympathien.
Denn manchmal braucht es eben keinen großen Star an der Seitenlinie. Manchmal reicht ein perfekt gepflegter Rasen … und jemanden, der den Trainer gelegentlich wieder in die richtige Richtung schickt.
Noch sind es einige Tage bis zum Saisonauftakt. Doch rund um Vegalta Sendai laufen die Vorbereitungen bereits wie in einem Actionfilm. Trainer kees van edam hat den Trainingsplatz kurzerhand zur geheimen Kommandozentrale erklärt. Jeder Sprint sitzt, jeder Pass hat ein Ziel und jeder Spieler weiß: Der Einsatz beginnt bald.
Das erste Ziel heißt Tokyo Verdy. Ein Gegner mit Tradition, der den Saisonstart natürlich ebenfalls gewinnen will. Doch kees hat seine Truppe auf Hochspannung gebracht. Gerüchten zufolge wurden sogar Samurai-Filme analysiert
– nicht wegen der Schwertkämpfe, sondern wegen der Entschlossenheit.
Die Fans zählen bereits die Tage. Die neue Saison verspricht Spannung, neue Helden und vielleicht die ein oder andere Überraschung. In Sendai träumt man davon, gleich zum Auftakt ein Ausrufezeichen zu setzen.
Ob der Plan aufgeht? Das wird sich erst in einer Woche zeigen. Fest steht nur: Wenn kees an der Seitenlinie seinen ersten Jubelsprint hinlegt, könnten selbst die Hochhäuser von Tokio kurz ins Wackeln geraten. Die Mission ist gestartet – der Countdown läuft!
Der Kalender sagt: Saisonendspurt. Die Nerven sagen: Bitte nicht. Und kees van edam? Der blickt mit seinem Vegalta Sendai stoisch auf die Tabelle, als hätte sie sich in den letzten Wochen nicht ohnehin stündlich verändert.
Ganz vorne marschiert Wolfgang Lippert scheinbar unaufhaltsam Richtung Meisterschaft. Der Vorsprung ist komfortabel, die Form beeindruckend, und vielerorts werden bereits die ersten Glückwunschkarten geschrieben. Doch genau hier hebt kees den Zeigefinger.
„Im Fußball wird erst gratuliert, wenn wirklich alles entschieden ist.“
Eine alte Weisheit – und eine, die in der COPA schon unzählige Male ihre Berechtigung hatte. Zu oft wurden
Meisterschalen gedanklich schon poliert, ehe am letzten Spieltag plötzlich das komplette Drehbuch neu geschrieben wurde.
Vegalta Sendai selbst hat zwar im Titelrennen zuletzt wertvollen Boden verloren, doch die Saison soll mit erhobenem Haupt beendet werden. Jeder Punkt zählt, jeder Gegner verlangt höchste Konzentration. Für kees geht es nun darum, seiner Mannschaft bis zur letzten Minute den Glauben und die Spielfreude zu erhalten.
Und wer weiß: Vielleicht sorgt gerade der Saisonendspurt noch für die eine oder andere Überraschung.
Bis dahin gilt: Wolfgang Lippert spielt eine überragende Saison und hat alle Trümpfe in der Hand. Verdient hätte er den Titel zweifellos.
Der Yokohama FC legte los wie ein Endgegner aus einem Manga. 1:0. 2:0. 3:0. 4:1. Vegalta Sendai rannte der Führung den gesamten Abend hinterher – und jedes Mal, wenn der Bildschirm bereits „GAME OVER“ einblenden wollte, zog kees van edam den nächsten Spezialangriff aus dem Trikot.
Mit jedem Treffer lud sich seine geheime Edam-Energie weiter auf. Beim 1:1 flogen Sushi-Rollen durch die Luft. Beim 2:2 explodierten die Werbebanden in Kirschblüten. Das 4:3 wurde von einem vorbeifliegenden Samurai auf einem Koi-Karpfen bejubelt. Und als das 4:4 fiel, zerschnitt kees mit einem Fallrückzieher gefühlt Raum und Zeit. Der Ball hinterließ einen feurigen Schweif, das Stadion verwandelte
sich für drei Sekunden in ein Anime-Panel und selbst der Schiedsrichter bekam riesige Manga-Augen.
Mit dem Schlusspfiff zerplatzten allerdings die letzten Meisterschaftsträume von Vegalta Sendai. Der Titelzug fuhr ohne sie ab – vermutlich auf Schienen aus Wasabi und Raketenantrieb.
Doch statt Trübsal zu blasen, stellte sich kees auf den Mittelkreis, streckte die Faust gen Himmel und grinste: „Ein Held misst sich nicht an Pokalen, sondern daran, wie viele Explosionen er überlebt!“
Die Meisterschaft ist verloren. Der Wahnsinn ist gewonnen. Und irgendwo in Yokohama erzählen sich Kinder noch heute von dem Mann, der ein 4:4 wie den finalen Bosskampf einer Manga-Serie gefeiert has
Die Sirenen heulten über Mito. Irgendwo zwischen Kabine, Getränkekisten und einer herrenlosen Taktiktafel war kees van edams Armbanduhr verschwunden. „Vergesst die Uhr!“, rief der Co-Trainer. „Unmöglich!“, donnerte kees. „Ohne sie weiß ich nicht, wann Nachspielzeit ist!“
Doch plötzlich öffnete sich das Tor zur geheimen Matrix-Arena. Schwarz gekleidete Gegenspieler flüsterten: „Du kannst die Uhr haben… oder die drei Punkte.“
kees grinste. „Beides wäre gierig.“
Es folgte ein Fußballkampf, bei dem Grätschen Funken
schlugen, Einwürfe Schallmauern durchbrachen und jeder Eckball wie eine Explosion aussah. In der 89. Minute sprang kees in Zeitlupe durch die Luft, wich gleichzeitig drei Verteidigern, einem Ordner und einem fliegenden Regenschirm aus – und seine Mannschaft schnappte sich den Sieg.
Als alle jubelten, fragte jemand: „Chef, die Uhr?“
kees zuckte mit den Schultern. „Die zeigt jetzt eben für immer Mito-Zeit. Aber die Tabelle… die zeigt drei Punkte für uns.“
Seitdem erzählt man sich, dass irgendwo in den Katakomben von Mito HollyHock eine Uhr ununterbrochen tickt. Nicht Sekunden. Sondern Punkte.
Bei Vegalta Sendai herrscht Alarmstufe Rot! Trainer kees van edam findet nach dem Training einen ominösen Brief: „Zahle 10 Millionen Yen, sonst…!“ Sofort überschlagen sich die Gerüchte. Hat die Unterwelt ihre Finger im Spiel? Ist die Meisterschaft in Gefahr? kees verschanzt sich mit drei Dolmetschern, zwei Anwälten und einem besonders mutigen Platzwart im Vereinsheim. Sogar die Polizei wird vorsorglich informiert.
Nach zwei Tagen voller Panik wagt sich schließlich ein Vereinsmitarbeiter an die Übersetzung. Die Auflösung:
Es handelt sich nicht um eine Drohung, sondern um die Rechnung eines Luxus-Steakhauses. Die Mannschaft hatte dort nach einem überraschenden Sieg gegen Avispa Fukuoka gefeiert – inklusive Wagyu-Steaks, Goldflocken-Dessert und 47 Portionen Eis. Besonders auffällig: 19 Nachbestellungen durch den Trainer selbst.
Seitdem wird kees nicht mehr „Der Taktiker von Sendai“ genannt, sondern „Der Mann, der versehentlich Schutzgeld an ein Steakhaus zahlen wollte“. Die Rechnung wird übrigens bis heute in kleinen Raten vom Eckball-Budget abbezahlt