"Es hätte schlimmer kommen können", lautete die fast einhellige Meinung des Team des AC Venedig zum Start in die neue Saisio. Die beiden Heimspiele gegen Salernitana Sport (2:0) und gegen Brscia Calcio (2:0) wurden durch harte Arbeit im Mittelfeld und konsequente Manndeckung letztlich verdient gewonnen, und beim 2:3 bei US Treistina Calcio war selbst nach Meinung neutraler Bebachter sehr viel Pech im Spiel. Die kommenden Partien auswärts gegen Napoli und daheim gegen Calcio Como sind völlig offen, während man sich auswärts beim Favoriten Calcio Catania nicht allzuviel ausrechnen sollte.
Selten wurde eine Saison mit solcher Spannung erwartet, denn selten war der Ausgang so ungewiss wie diesmal in der zweiten italienischen Fußball-Liga. Selbst die Älteren können sich kaum erinnern, dass es vor Beginn der Spielzeit dermaßen viele Aufstiegfavoriten, aber auch Kandidaten für die Rote Laterne gab. Als Aspiranten für den Sprung ins Oberhaus kommen naturgemäß die Absteiger aus der Ersten Liga in Frage, nämlich Ancona Calcio, der SS Lazio Rom sowie nicht zuletzt der AS Siena. Was den AC Venedig anbetrifft, so macht man sich diesmal keine übertriebenen Hoffnungen. Lieber den Mund nicht zu voll nehmen und dafür angenehm überraschen, lautet die Devise.
Der AC Venezia setzt nun allen Unkenrufen zum Trptz doch noch zum Endpsurt um einen der Aufstiegsplätze für die erste italienische Liga an. Nach einem wenig berauschenden, aber letztlich nicht ganz unverdienten 2:2 daheim gegen Piacenza unterlag man zwar in Palermo knapp und unglücklich 0:1, konnte aber zu hause die Mneschaft von Brescia mit 3:0 niederkämpfen. Aber diese glanzvolle Sieg indes nur ein Strohfeuer ist oder neue Kraftreserven freisetzen kann, wird sich erst in den nächsten Spielen erweisen müssen.
Für den selbsterklärten Aufsteigsaspiranten AC Venedig geht die Talfahrt munter weiter. Bemerkenswert daran ist, dass dies nicht unbedingt an den Stürmern zu liegen scheint. Einem 3.3 gegen Triestina und einem unglücklichen 3:4 gegen Salerternita steht mit dem 0:2 auch noch zu Hause gegen Trevison nur ein Spiel ohne Torausbeute gegenüber. Dennoch wird man sich in der Lagunenstadt ganz gewaltig etwas einfallen lassen müssen, damit nicht das ganz böse Erwachen erst noch kommt. Von den nächsten Spielen dürfte es jedenfalls abhängen, in welche Richtung der AC Venedig marschiert
Die Entscheidung, ob der AC Venedig noch ein Wörtchen im Aufstiegskampf mitreden kann oder einstweilen in der Mittemäßigkeit versinkt, ist vorerst noch vertagt. Einem blamablen 0:4 bei Modena standen ein Auswärtssieg in Chievo und ein grandioser Heimerfolg gegen Napoli gegenüber. Vor allem bei den beiden Siegen spielten sich die schon ausgemusterten alten Recken vermutlich wieder in die Stammelf, was die Konkurrent unter den (zu?) teuer eingekauften Nachwuchstalenten erheblich vergrößern dürfte. Ähnlich die Jürgen Kliensmann in der deutschen Nationalmannschaft lässt man auch hier das Argument, Konnkurrenz mache die Stammspieler zu nervös, nicht gelten.
Die Hinrunde erweist sich für den AC Venedig auch bei wohwollender Betrachtung bestnefalls als durchwachsen. Nach furiosem Saisonauftakt nun Platz sechs, und es besteht aktute Gefahr, "durchgereicht" zu werden. Zuletzt enttäuschte man beim 1:3 bei Sampdoria Genua und blamierte sich zu Hause beim 2:3 gegen Messina, da konnten auch über den 2:1- Pflichtsieg in Pescara keine Jubelstürme aufkommen. Vielleicht sollten die hochbezahlten Profis bei ihren Träumen von der Champions League einmal daran erinnert werden, dass man dazu erst einmal in die Erste Liga aufsteigen muss.
Bäume wachsen nicht in den Himmel! Das musste der selbsternannte Geheimfavorit AC Venedig deutlich am eignen Leibe erfahren. Gleich zwei Heimniederlagen bestraften - zum Glück gleich am Anfang der Saison - die unübersehbare Überheblichkeit. Vor allem das hoch gelobte Mittelfeld spielte zwar wunderbar für die Gallerie, hielt es aber nicht für nötig, vertendelte Bälle zurückzuerobern und erst recht nicht,
den Gegenspielern in die eigene Hälfte zu folgen. Zwar ist man noch immer auf einem Aufstiegplatz und zwar konnte man als kleine Wiedergutmachung drei Auswärtspunkte mitbringen, dennoch muss sich an der Einstellung der Mannschaft ganz gewaltig etwas ändern. Vor allem, dass Debütanten und Reservisten sich schon wie Weltstars gebärden, sollte schleunigst abgestellt werden, damit es am Ende der Saison kein Böse erwachen gibt.
Bisher läuft in der Lagunenstadt alles nach Plan: Dabei war das 3:0 in Piacenza natürlich ein wenig schmeichelhaft. Gleich 24 Torchancen, davon vier "todsichere", hatten die Gastgeber, während die Venezianer aus fünf "halben" Chancen in drei Treffer ummünzen konnten. Dagegen wäre das Heimspiel gegen Palermo beinahe in die Hose gegangen. Mit gleich fünf
Nachwuchsspielern in der Anfangsformation übertrieb man wohl die Rotation ein wenig, denn schon nach 12 Minuten stand es 0:2. Der Trainer bewies allerdings Nerven wie Drahtseile, als er das junge Team durchspielen ließ, das mit Treffern in der 74., 86. und 92. Minute doch noch zum hauchdünnen Erfolg kam. Das Spiel in Brescia sah Venzia in einer "schaffenskrise" und ging prompt 0:2 verloren.
Beim AC Venedig weht ein frischer und völlig neuer Wind. Unter dem Motto "Eine Weltsadt braucht auch einen Weltklasseverein" haben sich über 200 Gondolieri zu einem Sponsorenclub zusammengeschlossen. 2 Euro pro Fahrt gehen künftig an den Club, was jährliche Gesamteinnahmen in zweistelliger Millionenhöhe garantieren dürfte. Die Banken vertrauen jedenfalls darauf und gaben insgesamt über 50 Millionen Euro Kredit für Spielereinkäufe. Bislang wurden allerdings nur vier brasilianische, je drei peruanische und chilenische Nawcuhsspieler verpflichtet. Sollte sich der AC Venedig wie erhofft nach
Abschluss der Hinrunde im Bereich der Aufstiegsplätze befinden, sollen weitere hochkarätige Einkäufe folgen. Dann nämlcih will man sogar mit den Weltstars Beckham, Ronaldo und Ballack verhandeln. Die optimistische Logik: Bei Real hat inzwischen schon jeder gespielt. Ein neuer Geheimtipp für die Topspieler muss her. Und das kann nur Venedig sehen. Für neue Zuschauerekorde könnte übrigens das neue Stadion sorgen, dass direkt hinter dem Markusplatz entstehen und 60 000 Zuschauern fassen soll. Besonderer Clou. Wer eine Eintrittskarte zum Campanile vorweisen kann, zahlt für den Tribünenplatz nur die Hälfte.
Der AC Venedig hat selbst schuld, dass die Fans bereits jetzt unruhig werden:
Hätte man vor Saisonbeginn nicht silche großen Töne gespuckt, so wäre die Enttäschung - oder soll man sagen: das Böse Erwachen - nicht so groß. Dabei begann die Woche mit einem schwer erkämpften, aber letztlich hochverdienten 6:4 inBari durchaus nach Plan. Völlig überflüssig und möglicherweise noch mit fatalen Spätfolgen war die 3:4 heimpleite gegen Bologna. Das 0:3 in Empoli schließlich war eine einzige Blamage. Wenn nicht bald etwas geschieht, kann sich Venedig die Aufstiegsträume schon jetzt aus dem Kopf schlagen.